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Der Papst in Auschwitz : Bitte um die Gnade der Versöhnung

  • -Aktualisiert am

Papst Benedikt am Eingang von Auschwitz Bild: REUTERS

Mit einem bewegenden Besuch in Auschwitz beendete Papst Benedikt seine Polen-Reise. Dort warnte er vor „Verhängnissen“, die derzeit drohten, da „neu alle dunklen Mächte aus dem Herzen des Menschen aufzusteigen scheinen“.

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          „Als Sohn des deutschen Volkes“ hat Papst Benedikt XVI. am Sonntag in den Konzentrationslagern von Auschwitz an alle Menschen einen Aufruf zur Versöhnung gerichtet. „An diesem Ort des Grauens, einer Anhäufung von Verbrechen gegen Gott und den Menschen ohne Parallele in der Geschichte ist der Papst, der aus Deutschland kommt, hier, um die Gnade der Versöhnung zu erbitten“, sagte Benedikt und fuhr fort:

          „Von Gott zuerst, der allein unsere Herzen auftun und reinigen kann; von den Menschen, die hier gelitten haben und schließlich die Gnade der Versöhnung für alle, die in dieser unserer Stunde der Geschichte auf neue Weise unter der Macht des Hasses und der vom Haß geschürten Gewalt leiden.“

          Der Papst gedachte in seiner Rede aller in Auschwitz Ermordeten aus den verschiedenen Nationen, vor allem der jüdischen und polnischen Opfer, aber auch der deutschen, die als „Abschaum der Nation“ bezeichnet worden seien und wie die Ordensschwester Edith Stein, Jüdin und Christin, sterben mußten. „Es war und ist eine Pflicht der Wahrheit“, sagte der Papst, „dem Recht derer gegenüber, die gelitten haben, eine Pflicht vor Gott, als Nachfolger von Johannes Paul II. und als Kind des deutschen Volkes hier zu stehen“.

          Warnung vor neuen Verhängnissen

          Eine Schar von Verbrechern habe mit lügnerischen Versprechungen, mit der Verheißung der Größe, des Wiedererstehens der Ehre der Nation und ihrer Bedeutung, mit der Verheißung des Wohlergehens und auch mit Terror und Einschüchterung Macht gewonnen, „so daß unser Volk zum Instrument ihrer Wut des Zerstörens und des Herrschens gebraucht und mißbraucht werden konnte“.

          Benedikt warnte vor den „neuen Verhängnissen“, die derzeit drohten, da „neu alle dunklen Mächte aus dem Herzen des Menschen aufzusteigen scheinen“. Er nannte den Mißbrauch Gottes zur Rechtfertigung blinder Gewalt gegen Unschuldige, aber auch den Zynismus, der Gott nicht kenne und den Glauben an ihn verhöhne. „Wir rufen zu Gott, daß er die Menschen zur Einsicht bringe, damit sie erkennen, daß Gewalt keinen Frieden stiftet, sondern nur wieder Gewalt hervorruft - eine Spirale der Zerstörungen, in der alle am Ende nur Verlierer sein können.“

          Benedikt XVI. war am Sonntag nachmittag von Krakau kommend in Auschwitz eingetroffen. Gegen 17 Uhr fand er sich in der Hauptstelle des ehemaligen Nazi-Konzentrationslagers von Auschwitz ein, das nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs in einer ehemaligen Kaserne der polnischen Armee errichtet worden war. Dort verharrte er schweigend in dem kleinen Hof vor der sogenannten „Todesmauer“, an der Unzählige zwischen 1940 und 1945 erschossen worden waren.

          Stiller Konvoi

          In dem Gefängnisblock Nr. 11 ehrte der Papst in der „Todeszelle“ im besonderen das Andenken des heiligen Maximilian Kolbe, eines polnischen Franziskanerpaters, der hier sein Leben für einen anderen Häftling hingab.

          Nach einem kurzen Besuch des interreligiösen „Dialog- und Gebetszentrums“ und einem Treffen mit 12 Ordensschwestern des Karmeliterordens fuhr der Papst in das drei Kilometer entfernte Vernichtungslager „Auschwitz II - Birkenau“, in dem zwischen März 1943 und November etwa eineinhalb Millionen Menschen, meist Juden, umgebracht wurden, durch Giftgas getötet und in Krematorien verbrannt.

          In Stille fuhr der päpstliche Konvoi durch den Vorbau mit der Öffnung für die Deportationszüge, an den Gleisanlagen mit den „Selektions“-Rampen und Wassergräben sowie an den links und rechts hinter Stacheldrahtzäunen stehenden Gefangenenhäusern und Lagerbaracken vorbei, bis zu dem Internationalen Mahnmal aus dunkelgrauen Steinen mit 22 Gedenktafeln in verschiedenen Sprachen.

          Bewegte Ansprache auf polnisch

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