https://www.faz.net/-gum-8klmq

Der Nachlass von Heinz Schenk : Bembel, Bambi und Urlaubsbilder

  • -Aktualisiert am

Glücklich: Der Inhaber der "Kartoffelküche" in Bad Homburg, Fiktet Ayhan (l), und der Architekt Michael Müller haben für die Neugestaltung des Restaurants Bembel, Fotos, einen Bambi und jede Menge andere Erinnerungsstücke ersteigert. Bild: dpa

Der Besitz des hessischen Fernseh-Stars Heinz Schenk kommt unter den Hammer – sogar aus Japan treffen Gebote ein. Was mit dem Erlös passiert, steht auch schon fest.

          3 Min.

          Die Nachlassversteigerung der Fernseh-Legende Heinz Schenk ist eine Mischung aus heiterem Wiedersehen, Wehmut und vor allem Nostalgie. „Es ist alles nur geliehen“, singt Holger Weinert, Altstar des Hessischen Rundfunks, den Klassiker seines verstorbenen Freundes passend kurz vor Beginn der Auktion in dessen ehemaligem Wohnzimmer. Dort kommt im Wiesbadener Stadtteil Naurod der gesamte Hausrat des kinderlosen Showmasters Zimmer für Zimmer unter den Hammer: mehr als 900 Einzelpositionen. Das Haus selbst sei samt Swimming Pool mit Zugang zum Garten schon vorher für rund eine Million Euro veräußert worden, soll aber Weinert zufolge abgerissen werden. Der Erlös soll einer Stiftung zur Förderung von Nachwuchskünstlern zugutekommen, die sich aber noch im Gründungsstadium befinde.

          Heinz Schenk selbst wurde vor allem mit der volkstümlichen Fernsehsendung „Zum Blauen Bock“ bekannt, die er über hundertmal an verschiedenen Orten in ganz Hessen moderierte. So verbreitete er mehr als 20 Jahre lang die Äppelwoi(Apfelwein)-Kultur über die hessische Landesgrenze hinaus. Denn deutschlandweit sahen ihn die Zuschauer mit dem obligatorischen Apfelweinkrug „Bembel“ und den größten deutschen Fernseh-Stars in der Wirtschaft sitzen. Nach seiner Zeit im Blauen Bock trat Schenk weiterhin als Schauspieler auf, unter anderem mit Hape Kerkeling. Vor zwei Jahren starb das hessische Fernseh-Idol im Alter von 89 Jahren und nur einige Monate nach seiner Ehefrau Gerti in seinem Wiesbadener Anwesen.

          „Das ist hier nicht das Publikum“

          „Es wehte immer ein bisschen Einsamkeit durchs Haus“, beschreibt Weinert die Atmosphäre noch zu Lebzeiten der Schenks, die privat sehr zurückgezogen gelebt und nur Freunde bei sich zu Hause empfangen hätten. Deshalb habe er auch erst einmal geschluckt, als er erfahren habe, dass die Auktion mit Hunderten Teilnehmern genau hier stattfinden soll. Doch er könne es gerade so ertragen, weil es für die Stiftung sei.

          Der Ansturm auf die Auktion ist wirklich enorm. Dicke Autos blockieren jeden erdenklichen Parkplatz in den kleinen Straßen rund um das Anwesen und schon einige Zeit vor Beginn der Versteigerung sind keine Bieterkarten mehr zu haben. Auch das mediale Interesse ist groß und mehrere Fernsehsender sind vor Ort. Natürlich passen nicht alle Teilnehmer in das zwar große aber normale Wohnzimmer und müssen sich daher auch bei Regen mit einem Stehplatz im Garten begnügen. Immerhin gibt es auch dort einen Bildschirm mit Fotos der Gegenstände, um mitbieten zu können.

          Die Fans bieten und bieten, angetrieben von Auktionator Stefan Niederauer.

          Erst nach ungefähr sechs Stunden Versteigerung kann man an der Kasse zahlen und sein neues Eigentum mitnehmen. Einige sind hierfür mit einem Transporter gekommen. Denn von der Einbauküche über das Schlafzimmer bis zum Solarium kommt alles unter den Hammer, was sich im Gebäude befindet. Weinert ersteigert einige Deko-Clowns, die die „Lieblingsclowns“ der Schenks gewesen seien. Er ist betrübt, als der teure Perserteppich im wahrsten Sinne des Wortes im Wohnzimmer liegen bleibt. „Das ist hier nicht das Publikum“, versucht ihn ein Kollege zu trösten.

          Gebot von 4000 Euro für Urlaubsschnappschüsse

          Da hat er wohl Recht, aber für einige Antiquitäten gibt es auch Bieter übers Telefon, sogar aus Japan. Manche Kunsthändler haben auch schriftliche Vorgebote abgegeben, denn Schenk war ein großer Sammler. „Die Einrichtung ist wirklich stringent. Alles Qualität und alles passt zueinander“, sagt Auktionator Stefan Niederauer. Der Mindestwert des gesamten Inventars wird auf rund 60.000 Euro geschätzt, doch es wird ein höherer Erlös erwartet.

          Ein Stück hessische Fernsehgeschichte: Autogrammkarten, Fotos, ein Nummernschild, eine Single und andere Erinnerungsstücke

          Niederauer spickt die Versteigerung mit Anekdoten zu Heinz Schenk und seinen Gebrauchsgegenständen und Wertsachen. Heimatverbunden sei er gewesen, auch zu seiner Geburtsstadt, der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz gegenüber von Wiesbaden. Das ist es, was viele im hiesigen Publikum interessiert. Vor allem ältere Menschen sind hier, die sich mit der rheinischen Frohnatur sehr verbunden zu fühlen scheinen. So geht es allerdings auch ein paar jungen Leuten, wie zum Beispiel den hessischen Motorbikern Roman Bekkaoui und Andreas Fürtig, die sich „Kommando Heinz Schenk“ nennen und Mützen in Bembel-Form auf dem Kopf tragen.

          „Das waren 50 Prozent Bembel-Besucher hier“, sagt ein Auktionsteilnehmer später. Doch die begehrten Erinnerungsstücke, die teilweise von Heinz Schenk selbst signiert worden sind, leisten sich für mehrere tausend Euro nur die wenigsten Bieter. So kommt es auch für die beiden Bambis des Showmasters. Was jedoch allen bleibt, ist die Erinnerung an die gute alte Zeit, für die auch der höchstverkaufte Posten spricht: Kisten mit losen Fotografien von Heinz Schenk, unter anderem von Fernsehauftritten sowie Urlaubsbilder. 4000 Euro sind dafür von einem bisher unbekannten Käufer geboten worden.

          Weitere Themen

          Mit dem Schlauch durch die Wand

          Schutz vor Tröpfcheninfektion : Mit dem Schlauch durch die Wand

          Bei Untersuchungen von möglichen Covid-19-Patienten können kleinste infizierte Tröpfchen übertragen werden. Ein Ärzteteam hat nun einen mobilen Schutzschild konstruiert, der die Aerosole abhält.

          Topmeldungen

          Ziemlich voll schon wieder: Strandkörbe stehen am Strand von Westerland.

          Bundesregierung rät : Besser gar nicht in den Urlaub fahren

          Übervolle Strände, wildes Campen und zahlreiche Ordnungswidrigkeiten: In Norddeutschland kämpfen Ferienorte und Sicherheitsdienste um die Einhaltung der Abstandsregeln.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.