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Kevin Costner : Der Mann fürs Solide

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Jüngstes Schauspielprojekt: „Hidden Figures“ ist in der Zeit von Kevin Costners Jugend angesiedelt. Bild: AP

Kevin Costner gehört zum Inventar Hollywoods. Wie er zum Film kam, wissen die wenigsten.

          In einem beigefarbenen Strickpulli und Jeans sitzt Kevin Costner in einer Suite des Hotels „Four Seasons“ in Los Angeles auf der Couch, die Beine lässig übereinandergeschlagen, einen Arm auf der Rückenlehne des Möbelstücks. Seine blonden Haare sind nicht mehr nur an den Schläfen ergraut, und erst auf den zweiten Blick fällt der kleine Unterlippenbart auf, den er sich derzeit stehenlässt. Cool.

          Mit seinem charakteristischen halben Lächeln begrüßt er sein Gegenüber und weist einladend auf den Sessel an der Stirn des Kaffeetischchens vor der Couch. Wie manche seiner Kollegen kommt er auch persönlich ganz so rüber, wie man ihn von der Leinwand zu kennen meint: ein immer noch jugendlich wirkender Mann von einundsechzig, der eine irgendwie majestätische Haltung mit charmanter Hemdsärmeligkeit verbindet.

          Costner ist der Mann fürs Solide im amerikanischen Kino. Er spielt Männer, denen man sich gern an die Brust werfen möchte, wenn die Dinge in eine Schieflage geraten - sei es bei einem Attentat auf einen Präsidenten oder einen Angriff auf einen Popstar, im Wilden Westen ebenso wie in einer postapokalyptischen Welt.

          „Ich schaue nach tollen Drehbüchern“

          Aber Costner ist auch ein überraschend ernster Mensch. Wir sitzen anlässlich seines Films „Hidden Figures - Unbekannte Heldinnen“ zusammen, der auf Tatsachen beruhenden Geschichte dreier schwarzer Mathematikerinnen, die bei der Nasa in den späten fünfziger und frühen sechziger Jahren entscheidend dazu beitrugen, die Flugbahnen für die ersten bemannten Raumfahrtmissionen der Vereinigten Staaten zu berechnen.

          Jaja, nickt Costner, eine tolle Geschichte sei das, von der bisher kaum jemand gehört hat. „Aber es gibt viele tolle Geschichten in Hollywood. Das macht noch keinen guten Film. Und deswegen schaue ich nicht nach tollen Geschichten. Ich schaue nach tollen Drehbüchern. Filmemachen ist eine Kunstform, und ich weiß, wie schwer das ist.“

          Tatsächlich kann Costner da einige Erfahrung vorweisen. Als er in seinen Zwanzigern nach einem Wirtschaftsstudium nach Hollywood kam, fing er ganz unten an. „Ich nahm Jobs in den Raleigh Studios für drei Dollar fünfzig die Stunde an - obwohl ich einen Collegeabschluss in der Tasche hatte“, sagt er. „Viele Leute haben schlicht keine Ahnung, wer ich bin, weil sie sich für meine Anfänge nicht interessieren.“

          Geheiratet hatte er mit 22. „Und zwar das einzige Mädchen, mit dem ich bis dahin zusammen gewesen war“, sagt er. Das war Cindy Silva, die er während des Studiums kennengelernt hatte. „Einen Monat lang hatte ich einen Job im Marketing, aber den habe ich aufgegeben.“ Noch während des Studiums hatte Costner nämlich entdeckt, dass ihn die Schauspielerei faszinierte. Also hielt er sich und seine Frau mit allerlei Jobs über Wasser, um in seiner Freizeit Schauspielkurse besuchen zu können.

          „Ich weiß noch, wie wir gerade noch dreizehn Dollar auf dem Konto hatten, nachdem sie sich ein Paar Stiefel gekauft hatte“, erinnert sich Costner. „Ich weiß noch, wie ich an die Decke starrte und dachte: Scheiße noch mal! Also arbeitete ich hart.“ Er zimmerte im Akkord Holzgerüste für Wohnhäuser, meist allein. „Oft arbeitete ich bis spätabends im Scheinwerferlicht meines Pick-ups, um rechtzeitig fertig zu werden, denn nur so konnte ich am nächsten Tag ein neues Projekt beginnen.“

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