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Mousse T. : Der rasende Rekorder

Er arbeitete bereits mit Größen wie Michael Jackson oder Tom Jones. Nun wagte sich Produzent Mousse T. an den Soundtrack zum neuen „Tatort“ heran. Bild: Daniel Pilar

Er hat einen Hit für Michael Jackson geremixt und für Tom Jones „Sex Bomb“ geschrieben. Jetzt hat der Produzent Mousse T. den „Tatort“ vertont und findet: Macht alles Sinn.

          Das Herz des Studios, so nennt es Mousse T., und alles andere wäre im 21.Jahrhundert vermutlich auch naiv, ist der Computer: ein ultraflacher Bildschirm, eine noch viel flachere Tastatur, dazwischen die Tasten eines Keyboards. Trotzdem erinnert der kleine Raum im Erdgeschoss des Peppermint Pavillons ein bisschen an Kontrolltürme am Flughafen. Es gibt übereinandergestapelte Kästen und ein großflächiges Pult mit Schaltern, Reglern und Knöpfen, dazu büschelweise Kabel und verschiedene Tasteninstrumente im Retrolook. „Alles Sachen, die man nicht mehr brauchte“, sagt Mousse T. und drückt ein paar Bluesakkorde aus einem Wurlitzer-E-Piano, das aus den späten Siebzigern stammt. Er lächelt versonnen. „Das klingt tierisch“, sagt er.

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Mann ist Vollprofi. Teil seines Jobs als Produzent und Studiobesitzer ist es, Künstlern wie Alicia Keys und BelaB, Xavier Naidoo, Korn, Phil Collins und Seeed Musik-Technik auf Weltklasseniveau zur Verfügung zu stellen. Aber wenn er an einer Reihe von Schallplattenstapeln vorbeikommt, die im Gang lagern, geschätzte zwei Kubikmeter seiner 20.000-Alben-Sammlung aus DJ-Zeiten, zieht er eine Scheibe aus der Hülle und hält sie sich vor die Nase: dieser Geruch!

          Die Welt, sagt Mousse T., brauche beides, Hightech und handgemachte Musik. Und dann sagt er einen Satz, der auch von einem PR-Agenten stammen könnte, aber ihm tatsächlich gerade eingefallen ist, weil ihm das Reden immer dann besonders Spaß macht, wenn es ihn zum Nachdenken bringt: „Ich glaube, mein ganzes Leben ist so analog und digital.“

          Pulsierende Beats

          Dieser Mann also, der für den Grammy nominiert war, der Tom Jones 1999 mit „Sex Bomb“ einen Welthit verschafft hat und heute auf dem ehemaligen Expo-Gelände von Hannover ein mittelständisches Musikimperium verantwortet, hat jetzt den Soundtrack für den heutigen „Tatort“ komponiert („Zorn Gottes“, Das Erste, 20.15Uhr). Wenn also nach den ersten fünf Minuten im Versorgungstrakt des Flughafens Hannover eine Blutlache aufgewischt wird, pulsieren dazu Beats, die sich wie Herzrasen anfühlen. Wenn ein gefesselter Dschihadist versucht, seinem Bewacher Zugeständnisse abzuringen, türmen sich düstere Elektroakkorde bedrohlich auf.

          Für den Hit „Sex Bomb“ war Mousse T. als erster Deutscher für den Grammy nominiert.

          Dann wieder sitzt Wotan Wilke Möhring als Kommissar in einem Café, es geht in dieser Szene um sein Privatleben, und er wartet und trinkt Milch und wartet weiter, während der britische Singer-Songwriter James Yuill so warm und melancholisch zur Akustikgitarre trällert, dass man gar nicht auf die Idee käme, dass derselbe Produzent dahintersteckt. Aber all das ist – in diesem Fall gemeinsam mit einem Hamburger Kollegen, Peter Hinderthür – Mousse T. Er liebe es, die Leute zu überraschen, sagt er. Und: „Ich suche immer die nächste Herausforderung.“

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