https://www.faz.net/-gum-8ynou

Einhorn-Trend : Botschafter vom Ende des Regenbogens

  • -Aktualisiert am

Katalysator für den Einhorn-Boom in Deutschland war der Schokoladehersteller Ritter Sport. Im Herbst 2016 landete die Marke mit ihrer Einhorn-Schokolade einen echten Coup. Kurz nach Ankündigung der limitierten Edition auf Facebook am internationalen Einhorn-Tag am 1. November – ja, den gibt es wirklich – waren sämtliche Tafeln vergriffen. Auch eine Nachproduktion der Glittersport-Schokolade, wie sie in den sozialen Netzwerken gehandelt wird, konnte der Nachfrage nicht gerecht werden, die extra aufgerüsteten Server des Webshops brachen zusammen. Auf Ebay wurden die begehrten Tafeln für bis zu 100 Euro angeboten. Ritter-Sport-Produktmanagerin Meike Heitker sagte, sie hätten zwar „mit großer Begeisterung gerechnet, aber einen solchen Ansturm dann doch nicht erwartet“.

Die Kaffeehauskette Starbucks brachte erst vor wenigen Wochen in Amerika einen Einhorn-Frappuccino auf den Markt, für kurze Zeit, versteht sich.

Nach der Glittersport-Schokolade überrannten Einhorn-Horden den Markt. Edeka und der dm-Drogeriemarkt boten Einhorn-Duschgel an, Lidl einen Einhorn-Joghurt und das kürzlich umbenannte Kultgetränk Capri-Sun gibt es nun in der Geschmacksrichtung „Einhorn-Saft“. Mittlerweile sind die Tiere wirklich überall in deutschen Kaufhäusern vertreten. „Einhorn draufklatschen und für den doppelten Preis verkaufen“ – so funktioniere Marketing 2017, heißt es, der Witz kursiert seit geraumer Zeit in den sozialen Netzwerken. Kein Wunder bei den Unsummen, die Fans des Fabelwesens wissenden Auges für die Einhorn-Produkte ausgeben.

Bald wird sich das Phantasiepferd ausgeglitzert haben

Doch nicht nur in Deutschland hat das gehornte Pferd seinen Durchbruch geschafft. In Graz wurde jüngst ein Einhorn-Parkplatz eröffnet. Auf Mallorca werden den Badegästen in dieser Saison riesige aufblasbare Einhorn-Schwimminseln angeboten. In New York hat jüngst ein ganzer Einhorn-Shop eröffnet, der vor allem eins verkauft: Hörner. Und die Kaffeehauskette Starbucks brachte erst vor wenigen Wochen in den Vereinigten Staaten einen Einhorn-Frappuccino auf den Markt, für kurze Zeit versteht sich. Das Getränk konnte seine Farbe und seinen Geschmack wechseln – richtig magisch also.

Einhorn-Hörner in einem Laden in Brooklyn: Die Hörner kosten je nach Größe zwischen 14 und 30 Dollar (etwa 13 bis 27 Euro).

Doch bald wird sich das Phantasiepferd ausgeglitzert haben, zumindest in Deutschland hat der Einhorn-Trend seinen Höhepunkt wohl schon überschritten. „In zirka einem Jahr wird das Einhorn wieder in seine Märchenwelt verschwinden“, behauptet Szabo, der Markt sei übersättigt. Einige echte Anhänger, wie etwa die Schauspielerin Pia Tillmann, Einhorn-Tattoo auf dem Rippenbogen, werden dem Tier wohl weiterhin treu bleiben. Doch selbst Tillmann ist froh, wenn der Hype um das Fabelwesen endlich vorbei ist. Von dem ist die Schauspielerin, so erzählt sie, nämlich richtig genervt – wie viele andere mittlerweile auch.

Weitere Themen

Ein Kampf um jede Stunde

Tödliche Infektion : Ein Kampf um jede Stunde

An einer Sepsis sterben jedes Jahr zehntausende Menschen. Fachleute kritisieren, dass es in Deutschland noch keine nationale Strategie gibt, um mehr Menschen retten zu können.

Topmeldungen

Brexit-Treffen : Johnson blitzt bei Juncker ab

Der britische Premierminister Johnson hatte Zuversicht verbreitet, doch seine Gespräche mit Kommissionschef Juncker blieben ohne konkretes Ergebnis. Das erste Treffen zwischen den beiden Politikern findet ein kurioses Ende.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.