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„Siegfried & Roy“-Star wird 80 : Träume und Tragödien

  • -Aktualisiert am

Auf dem Höhepunkt der Karriere: Der Star-Magier Siegfried Fischbacher (links) und sein Lebensgefährte Roy Horn, bekannt als Magier-Duo „Siegfried und Roy“, sitzen 1997 mit weißen Tiegern im «Hollywood-Safari-Park». Bild: dpa

Jahrzehntelang galten Siegfried und sein Lebenspartner Roy als die Publikumsmagnete in Hollywood – bis es 2003 zum dramatischen Ende der Magiershow kam. Nun wird Siegfried Fischbacher 80 Jahre alt.

          An Siegfried Fischbacher und Roy Horn kam kein Besucher der Wüstenstadt Las Vegas vorbei. Während am Strip zu dröhnender Musik im Stundentakt Piratenschiffe geentert wurden und Vulkane Feuer ausstießen, warben die Magier aus Deutschland von der Werbetafel des „Mirage“ für ihre Show. Mit ihren weißen Tigern gehörten sie als „Siegfried & Roy“ fast 15 Jahre lang zu Las Vegas’ Publikumsmagneten.

          Der Reiz ihrer Auftritte? Die Harmonie zwischen Raubkatze und Mensch, unterlegt von Zaubertricks und optischen Täuschungen. „Ich habe die Tiere nach Qualitäten benannt, die ich anstrebe. Meine weißen Löwen heißen Stolz, Freude, Leidenschaft, Vorsehung und Weitblick. Jedes der Tiere hat in meinem Bett geschlafen. So nehme ich ihre Erfahrungen auf, wenn sie ihr Fell verlieren“, fasste Horn seine Philosophie 2000 in einem Interview zusammen. Drei Jahre später endete die Bühnenshow dramatisch. Vor den Augen Hunderter Zuschauer rammte der Tiger Mantacore Horn die Zähne in den Hals. Fischbacher musste zusehen, wie die Raubkatze seinen Lebensgefährten und Kollegen hinter die Bühne zerrte.

          Am Abend vor dem Unglück hatte das Duo Horns 59. Geburtstag und 43 Jahre Partnerschaft gefeiert. Die beiden hatten sich 1960 auf einem Kreuzfahrtschiff kennengelernt. Horn, der aus Nordenham stammte, arbeitete als Page, der gebürtige Rosenheimer Fischbacher trat als Entertainer auf. Nach Engagements in Bremen, Paris, Monte Carlo und auf Puerto Rico ließen sie sich Anfang der siebziger Jahre in Las Vegas nieder. Die Show „Halleluja Hollywood“ zog Zehntausende an. Der ganz große Wurf gelang ihnen 1990 mit „Siegfried and Roy at the Mirage Hotel and Resort“. Das Spektakel aus weißen Tigern, Akrobatik und Glamour zog mehr als zehn Millionen Zuschauer an. Bis zu Horns Unfall am 3. Oktober 2003 soll das Paar, das mit seinen Raubkatzen auf einem Anwesen bei Las Vegas zusammenlebte, Jahresgagen von mehr als 50 Millionen Dollar eingestrichen haben.

          Berühmt für ihre weißen Löwen: Die Magier Siegfried und Roy hüten die Tiere auf ihrem Anwesen „Little Bavaria“ (Szenenfoto 1998 aus dem Kinofilm „The Magic Box - Die Meister der Illusion“). Bilderstrecke

          Wie es zu Mantacores Angriff kam, ist bis heute umstritten. Fischbacher schrieb das Unglück anfangs Nebenwirkungen von Blutdrucksenkern zu, die Horn vor dem fast 200 Kilogramm schweren Tier zusammensacken ließen. Mantacore habe versucht, ihn in Sicherheit zu bringen. Später hieß es, Horn habe auf der Bühne einen Herzinfarkt erlitten. Eine Untersuchung des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums, das auch für exotische Tiere verantwortlich ist, blieb ohne Ergebnis. Roy überlebte den Biss halbseitig gelähmt. Wie Freunde berichten, fällt ihm das Sprechen weiterhin schwer. Mit Fischbacher zog er vor einigen Jahren auf ein rollstuhlgerechtes Anwesen. Der Tiger Mantacore starb elf Jahre nach dem Angriff an Altersschwäche.

          Unlängst wurden die Illusionisten von Anschuldigungen eingeholt. Im „Hollywood Reporter“ machte der Tierpfleger Chris Lawrence seinen ehemaligen Chef für den Angriff verantwortlich. Horn, der seine Zuchtmethode jahrzehntelang als „Konditionierung durch Zuneigung“ lobte, soll die Tiger und Löwen zunehmend sich selbst überlassen haben. Auch Gewohnheiten wie eigenhändige Fütterungen und Gespräche bei gemeinsamen Spaziergängen habe der Dompteur vernachlässigt. „Viele Pfleger hatten den Eindruck, er würde sie mehr als Requisiten behandeln denn als das respektieren, was sie waren“, sagt Lawrence. „Ich bin überzeugt davon, dass die wachsende Distanz zu Mantacore eine entscheidende Rolle spielte.“

          Und nur wenige Wochen vor seinem 80. Geburtstag gab es noch einen Schreck für Siegfried Fischbacher. Er musste sich Mitte Mai nach Verdacht auf Herzinfarkt einer Operation unterziehen. „Es war verdammt knapp. Meine Arterie war zu 95 Prozent zugeschwollen“, erzählte der gebürtige Rosenheimer einige Tage nach dem Eingriff der „Bild“-Zeitung. Ein Herzspezialist aus München nahm die OP vor. Dass er gerade in seiner bayrischen Heimat weilte, hing mit seinem Partner Horn zusammen. In Bayern machte er Anfang Mai eine Stammzelltherapie mit Eigenblut. „Wir hoffen, dass er sich durch die Therapie wieder besser bewegen kann“, sagte Fischbacher der „Bild“-Zeitung, nur wenige Wochen bevor er selbst ins Krankenhaus musste. Nachdem ein Stent eingesetzt wurde, sei es ihm schnell wieder besser gegangen, sagte Fischbacher der Zeitung. An diesem Donnerstag wird Siegfried Fischbacher 80 Jahre alt.

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