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Von HIV geheilt : Der „Berliner Patient“ ist gestorben

Brown, der 1966 in Seattle im Bundesstaat Washington geboren wurde, ging 1995 nach Berlin. Bild: AP

Timothy Ray Brown war der erste HIV-Patient, bei dem das Virus nach einer sehr speziellen Behandlung nicht mehr nachweisbar war. Am Dienstag ist der „Berliner Patient“ in Kalifornien an Krebs gestorben.

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          Seine Heilung galt als Sensation: Timothy Ray Brown, der als „Berliner Patient“, in die Medizingeschichte einging, war der erste HIV-Patient, bei dem das Virus nach einer sehr speziellen Behandlung nicht mehr nachweisbar war. Der an Leukämie erkrankte Amerikaner bekam 2007 eine Stammzelltransplantation. Dazu wurde an der Berliner Charité Knochenmark eines Spenders verwendet, der dank einer seltenen Mutation des CCR5-Gens (CCR5-Delta 32) immun gegen HIV ist. Brown galt danach als „klinisch geheilt“, der Mann aus Seattle nahm seither keine HIV-Medikamente mehr.

          Peter-Philipp Schmitt
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Brown war lange ein Einzelfall, erst vor gut einem Jahr wurde ein zweiter Fall bekannt. Auch Adam Castillejo, ein 40 Jahre alter Venezolaner, der in London lebt, bekam im Rahmen einer Krebsbehandlung eine entsprechende Stammzellspende. Danach war auch bei ihm das HI-Virus nicht mehr nachweisbar. Castillejo, bekannt als der „Londoner Patient“, nimmt seit nunmehr drei Jahren keine HIV-Medikamente mehr. Wenig später gab es Berichte über einen „Düsseldorfer Patienten“, der auf die gleiche Weise geheilt worden sein soll.

          Brown, der 1966 in Seattle im Bundesstaat Washington geboren wurde, ging 1995 nach Berlin. Dort wurde noch im selben Jahr seine HIV-Infektion festgestellt. Elf Jahre lang wurde er danach mit antiretroviralen Medikamenten therapiert. Dann wurde bei ihm Blutkrebs diagnostiziert. An der Charité wurde er zunächst konventionell von dem Hämatologen Gero Hütter behandelt, danach setze der junge Arzt auf eine Stammzelltransplantation mit Knochenmark, das ein verändertes CCR5-Gen aufwies.

          Nach seiner Heilung war Brown ein gerne gesehener Gast auf internationalen Aids-Konferenzen. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass der Vierundfünfzigjährige seit einem halben Jahr wieder an Leukämie erkrankt war. Am Dienstag ist Brown in Palm Springs in Kalifornien an Krebs gestorben. Kurz zuvor war ein womöglich vierter Fall einer HIV-Heilung bekannt geworden: Demnach soll die Kalifornierin Loreen Willenberg keine aktiv sich mehr reproduzierenden HI-Viren im Körper haben, obwohl sie schon seit 1992 mit dem Aids-Erreger infiziert ist und keinerlei HIV-Medikamente einnimmt.

          Sie könnte, schreibt die Internationale Aids Society, die erste Person sein, die ohne Stammzelltransplantation als geheilt gelten kann. Wissenschaftler gehen davon aus, dass sie ein extremer Fall eines „elite controllers“ ist. Mit dem Begriff bezeichnet die Forschung sehr selten vorkommende HIV-Infizierte, die ihre Viruslast ohne antiretrovirale Medikamente unter die Nachweisgrenze drücken können. In Willenbergs Fall scheint es aber sogar so zu sein, dass die Viren nicht mehr in der Lage sind, sich überhaupt noch vermehren zu können.

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