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Denzel Washington im Gespräch : „Jemand muss die Drecksarbeit machen“

Denzel Washington mal ganz freundlich... Bild: dpa

Im Interview mit der Sonntagszeitung spricht der Hollywood-Star Denzel Washington über die Oscars, Psychopathen, Autofahrten im Kofferraum und die Frage, ob man foltern darf.

          6 Min.

          In dunklen Turnschuhen federt Denzel Washington in das Zimmer im Berliner Adlon Hotel. Ein kräftiger Händedruck, dann läuft er weiter zum Fenster. Draußen „Unter den Linden“ liegt Schnee. „Wow“, ruft Washington, mit beiden Händen lehnt er sich gegen die Scheibe. „Was für eine Aussicht. Das ist wie Amerika: Starbucks, Häagen Dasz, Dunkin Donuts.“ Ein breites Grinsen, dann plumpst Washington in seinen Sessel. Er lehnt sich zurück, das T-Shirt spannt über seinem Bauch. Washington wirkt viel gemütlicher als in seinen action-geladenen Filmen. Er ist redselig, lacht viel. Ein angenehmes Gespräch. Erst beim Abtippen des Interviews fällt auf, wie bissig manche seiner Antworten eigentlich sind.

          David Klaubert

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Herr Washington, zum 84. Mal werden nun in Hollywood die Oscars verliehen. Wie jedes Jahr wird es eine glamouröse Feier geben, übertragen in alle Welt. Sie selbst haben schon zwei Oscars. Wie fühlt sich so eine Verleihung als Beteiligter an?

          Vor allem wenn man als bester Schauspieler nominiert ist: lang. Diese Anspannung, da wird einem übel. Ich bin zwischendrin rausgegangen in die Lobby und herumgelaufen, das hält man einfach nicht aus. Nach dem besten Schauspieler sind, glaube ich, nur noch der beste Regisseur und der beste Film dran. Man muss also drei, vier Stunden warten. Und man weiß nicht, ob man gewinnt.

          Den Oscar als bester Schauspieler haben Sie vor zehn Jahren für „Training Day“ gewonnen. Was hat das rückblickend für Sie bedeutet?

          Ich glaube, dass es vor allem historisch bedeutend war. Am Tag nach der Verleihung bin ich ins Fitnessstudio gegangen, und einer der Jungs da, ein Afroamerikaner, sagte: „Wow, was machst du hier?“ – „Ich trainiere.“– „Mann, du hast gestern den Oscar gewonnen!“ – „Ja, weißt du, das ist schön.“ – „Nein, Denzel, wenn du gewinnst, dann gewinnen wir alle. Wir alle wissen jetzt, dass wir auch eine Chance haben. Das gibt uns Hoffnung.“ Und ich sagte nur: „Wow!“ Ich hatte ja immer nur an mich selbst gedacht, aber letztlich war viel wichtiger, was es für andere, für viele Afroamerikaner, bedeutete.

          Hat sich Ihre Karriere, hat sich Ihr Leben durch den Oscar verändert?

          Mein Agent hat mehr Geld für mich rausgeschlagen. Aber sonst nicht wirklich.

          Und wo sind Ihre beiden Oscar-Statuen jetzt?

          Nebeneinander. Wir haben eine Art Bibliothek, wo wir nicht nur meine Statuen, sondern alle Auszeichnungen aufbewahren, die die Familie gewonnen hat, auch die Abschlusszeugnisse der Kinder. Es ist ein Raum, um die Siege aller zu feiern.

          Sind Sie noch immer stolz?

          Ab und zu schaue ich nach, ob die Statuen noch da sind. Und manchmal, wenn Besuch zu uns rüberkommt, zum Beispiel Schauspieler, dann wollen sie sie sehen.

          Auf welchen Film würden Sie denn diesmal bei der Oscar-Verleihung wetten?

          Ich werde nicht verraten, für welchen Film ich gestimmt habe. Aber es sieht danach aus, als ob das Rennen zwischen „The Artist“ und „The Help“ entschieden würde. Doch man weiß nie, es könnte auch eine Überraschung geben. Wie heißt der andere noch? „The Descendants“. Oh, und insgesamt sind es ja neun.

          Nominiert sind noch: „Extrem laut und unglaublich nah“, „Hugo Cabret“, „Midnight in Paris“, „Moneyball“, „The Tree of Life“ und „Gefährten“.

          Ich weiß auch nicht. Was meinen Sie, wer gewinnen wird?

          Ich habe nicht alle Filme gesehen, aber „The Artist“ wird ja als großer Favorit gehandelt.

          Ja, der scheint der Spitzenreiter zu sein, alle lieben ihn, und . . . nein, ich sollte das nicht sagen, ich muss politisch korrekt bleiben. Ich habe auch Freunde in anderen Filmen, denen ich den Sieg gönnen würde.

          Haben Sie bei den Schauspielern Favoriten?

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