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Dennis Hopper : Der „Easy Rider“ ist tot

Ein Blick, dem niemand ausweichen konnte: Dennis Hopper (1991) Bild: APN

Lange galt Dennis Hopper als Dämon, der als Schauspieler jene Tiefen auslotet, in die wir nicht hinunterzusteigen wagen. Viele seiner Filme werden in Erinnerung bleiben, allen voran „Easy Rider“. Dennis Hopper starb im Alter von 74 Jahren.

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          Es war, als Dennis Hopper jung war, und jung war er ziemlich lange, es war, damals, nicht unbedingt zu erwarten, dass dieser Mensch seine eigene Jugend überleben würde - zu schnell, zu böse und zu lebensgefährlich war, was er so anstellte, vor und hinter der Kamera, und jetzt, da er, viel zu früh, gestorben ist, darf man, als Liebhaber des Kinos und als Bewunderer des großen kleinen Mannes Dennis Hopper, außer traurig vielleicht auch dankbar sein, für jeden Film, den er noch machte nach „. . . denn sie wissen nicht, was sie tun“, für jedes Jahr, das er nach der künstlerischen (und wohl auch seelischen) Komplettzerstörung, die „The Last Movie“ für ihn bedeutete, noch weiterlebte - und natürlich dafür, dass er, wann immer die Kritik, das Publikum und das Hollywood-Establishment ihn ausgezählt hatten, wieder aufstand, wieder da war, und meistens war es dann noch ein bisschen besser als zuvor.

          Claudius Seidl

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Es ist immer heikel, von den Rollen auf den Mann zu schließen, der sie spielt; es ist noch nicht einmal statthaft, einfach anzunehmen, dass ein Regisseur, bloß weil er einen Hang zu irren Inszenierungen hat, deswegen selbst ein Irrer und ein Besessener sein muss. Aber bei Dennis Hopper, dem Schauspieler, galt halt die Regel, die nur bei den besten aller Filmschauspieler und Mimikry-Meistern, bei den Strasberg-Schülern und Einfühlungsextremisten gilt: Je tiefer Dennis Hopper hineinkroch in eine Rolle, desto dennishopperhafter spielte er sie, und schon seine erste richtige Rolle, der Teenager Goon in Nicholas Rays nervösem „. . . denn sie wissen nicht, was sie tun“, durfte man auch als Hoppers Selbstporträt betrachten. Auf dem Studiogelände, so erzählte man sich, habe er sich eher noch schlimmer benommen als in dem Film.

          Und Dennis Hopper, der Regisseur, das war die Verkörperung von New Hollywood, dessen größten Hit er inszenierte, „Easy Rider“ von 1969, und zwei Jahre später dessen spektakulärsten Flop, „The Last Movie“ - und „new“ war daran auch, dass nicht mehr im Studio gedreht wurde, sondern draußen, wo das Leben war, weshalb auch die Filmer nie so genau wussten, wo das eine anfing und das andere noch längst nicht zu Ende war. Die Drogen jedenfalls, die Billy in „Easy Rider“ dabei hat, von denen habe er, so erzählen es sich die, die dabei waren, sehr lange sehr viele genommen, in den siebziger Jahren, in denen es für ihn viel zu wenige Rollen gab, bis er dann in den Achtzigern wieder ganz präsent war, erwachsen geworden, verrückt geblieben, es war ein Glück und ein Schock, ihn im „Osterman Weekend“ zu sehen, in „Rumble Fish“, in „Blue Velvet“. Mit dem Drama „Colors“ zeigte er 1988, wie gut er schon wieder inszenieren konnte - und dass er quasi nebenbei ein Fotograf geworden war, der einen genialen Sinn hatte für die Schatten und das Gegenlicht Kaliforniens, daran hat neulich erst ein herrlicher Bildband erinnert.

          Ein Blick, dem niemand ausweichen konnte: Dennis Hopper (1991) Bilderstrecke

          Dennis Hopper, geboren 1936 in Dodge City, ein kleiner, lauter, unruhiger Mann, der niemals Angst zu haben schien, ist an diesem Samstag in Venice gestorben. Was für ein Glück, dass die Filme bleiben.

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