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Musik für Kinder : Kindergarten-Sound ohne Gitarre und Flöte

Abendbrot zur normalen Abendbrotzeit

Dennoch sieht ihr Leben heute ganz anders aus als das von damals. Es ist kein klassisches Musikerleben mehr, in dem man spät abends noch auf der Bühne steht und nach dem Konzert erst mal ein paar Bier braucht, um runterzukommen. Jetzt gebe es „Abendbrot zur normalen Abendbrotzeit, zwischen 19 und 19.30 Uhr“, kommentiert Florian Sump trocken. „Und das finde ich gut.“

Die Lieder der Band sollen nicht didaktisch sein und keinen Zeigefinger erheben. Bei den Konzerten haben Erwachsene und Kinder Spaß.

Ihre Crew besteht aus knapp einem Dutzend Leuten, alles alte Kumpels, die sie von früher kennen. Das ist vor allem Sump wichtig. „Wir hatten bei Echt! so einen riesigen Rattenschwanz an Businessleuten, die uns hinterher gelaufen sind. Diesmal sind keine gewieften Marketingtypen im Team, nur unsere Leute, und es funktioniert total gut.“ Langsam reiche der Erfolg an die Zeit mit Echt! heran. „Wenn du es einmal gehabt hast, in den Himmel gelobt zu werden, und dann gefallen bist, weißt du es jetzt viel mehr zu schätzen, gerade wenn es um so eine spaßige Sache mit tollen Menschen geht.“

Musik ohne Zeigefinger

Sie sehen ihre Musik nicht als Verbrüderung mit den Kindern oder als Bashing gegen die Eltern. „Wir nennen es ,beobachtende Satire‘“, sagt Nimschek. Es geht um ehrgeizige Eltern oder um klassische Erziehungssprüche, die auch in Zeiten von Jesper Juul noch aktuell sind, wie in den Liedern „Na, na, das macht man nicht!“ oder „Schatz, ich unterhalt’ mich grad!“, in dem es darum geht, dass Kinder immer Aufmerksamkeit erwarten und Eltern nicht in Ruhe telefonieren können.

„Uns bringen die Sachen am meisten Spaß, bei denen wir einen Bezug zu der eigenen Kindheit haben“, erklärt Sump, „wo wir aber sehen, obwohl die Erde sich seitdem schon ein paarmal gedreht hat, dass es heute immer noch genau das Gleiche ist.“ Sie wollen nicht didaktisch sein, ihre Lieder funktionieren ohne Zeigefinger, „aber Werte wie Freundschaft oder so, das vermitteln wir schon“, sagt Nimschek.

Spaß am Kindischsein

Die Zeit drängt, es ist kurz nach 17 Uhr, in knapp einer halben Stunde geht das Konzert los. Die Freunde ziehen sich noch schnell um, und ein paar Minuten später stehen sie energetisch wie drei Tischtennisbälle auf der Bühne. Ein Warm-up braucht es nicht. Der Saal fängt von der ersten Sekunde an zu kochen. Alle singen und wippen mit – Eltern wie Kinder.

Man merkt den Freunden an, dass sie auch den Spaß am Kindischsein nicht verloren haben. „Wer kann lauter schreien?“, fragt Nimschek. „Wir ohne Mikro oder ihr?“ Tonmann Dennis soll messen, „der ist unparteiisch, da könnt ihr sicher sein, schon, weil wir ihn so schlecht bezahlen.“ Natürlich schreien die Kinder lauter, 104,7 Dezibel. Die Sache läuft!

Treue Zielgruppe

Nach anderthalb Stunden und vier Zugaben ist Schluss. Fast. Die Freunde geben im Foyer noch Autogramme und plaudern mit ihren Fans. Danach geht es ins Restaurant, bevor sie weiter nach Augsburg fahren. Später werden sie im Hotel abhängen und „hoffen, dass unsere Lieblings-Trashsendungen im Fernsehen laufen“, sagt Pauli. Nicht selten haben sie sich davon Anregungen geholt, „wenn wir zum Beispiel amerikanischen Müttern dabei zuschauen, wie sie ihre Kinder auf die Bühne peitschen“.

Die Freunde sind entspannt, es geht nicht mehr darum, Hits zu landen. Im Radio werden sie ohnehin nicht gespielt. Dafür ist die Zielgruppe treu – und erneuert sich immer wieder, schließlich wachsen neue Kinder heran. Ein Leben, in dem sich alle drei wohlfühlen. Ein Leben, sagt Florian Sump, das sich anfühlt wie Klassenfahrt – nur ohne Lehrer.

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