https://www.faz.net/-gum-88olw

Debatte um Sterbehilfe : Andrea darf sterben

  • Aktualisiert am

Die Ärzte sollen Andrea von ihrem Leid erlösen, fordern ihre Eltern Antonio Lago und Estela Ordonez. Bild: dpa

Am Fall der zwölf Jahre alten Andrea hatte sich in Spanien eine Debatte über aktive Sterbehilfe entzündet. Nach einem wochenlangen Streit mit den Eltern willigten die Ärzte nun ein, das Leben des Mädchens nicht weiter künstlich zu verlängern.

          Andrea hatte alles andere als ein leichtes Leben. Nun soll der zwölfjährigen Spanierin, die seit der Geburt an einer unheilbaren Krankheit leidet, wenigstens ein qualvoller Tod erspart bleiben. Die Ärzte eines Krankenhauses in Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens einigten sich nach einem wochenlangen Disput mit den Eltern darauf, das Leben des Mädchens nicht weiter künstlich zu verlängern.

          „Das Leben von Andrea wird ein süßes Ende nehmen“, sagte Sergio Campos, der Anwalt der Eltern. „Der Tod wird etwas leichter sein als das Leben, dass das Mädchen bisher führte.“ Andrea leidet an einer seltenen Krankheit, die sich unaufhaltsam verschlimmert. Sie kann nicht mehr sprechen, sich nicht bewegen und wird künstlich ernährt.

          Das Ehepaar Estela Ordóñez und Antonio Lago hatte schon vor Wochen öffentlich für seine Tochter das Recht auf einen „würdigen Tod“ verlangt. „Ihr Zustand hat sich stark verschlechtert“, sagten die Eltern. „Andrea leidet unter starken Schmerzen, ihr Körper hält es einfach nicht mehr aus.“ Ihre Forderung wurde von einer Ethik-Kommission angesehener Mediziner unterstützt. Das galicische Gesundheitsministerium und das Krankenhaus lehnten es jedoch ab, die Sonde zu entfernen, über die Andrea künstlich ernährt wird.

          Gesundheitszustand hat sich kontinuierlich verschlechtert

          Ein Gericht, an das die Eltern sich daraufhin gewandt hatten, trug den Krankenhausärzten und dem Ehepaar auf, sich zusammenzusetzen und sich auf eine Lösung zu verständigen. Die Mediziner änderten bei dem Treffen ihre Haltung und konstatierten, dass der Gesundheitszustand des Mädchens sich verschlechtert habe. Wie der Anwalt der Eltern mitteilte, stimmte das Krankenhaus der Forderung des Ehepaars zu, die Magensonde zu entfernen und dem Mädchen starke Schmerzmittel zu geben. Es sei dann eine Frage von ein paar Tagen oder Wochen, bis der Tod eintrete, sagte der Jurist.

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          Der Fall hatte in Spanien Schlagzeilen gemacht und eine Debatte über Sterbehilfe ausgelöst. Der sozialistische Oppositionsführer Pedro Sánchez kündigte an, er werde bei einem Sieg bei der Parlamentswahl am 20. Dezember eine neue gesetzliche Regelung einleiten. Der konservative Gesundheitsminister Alfonso Alonso sagte dagegen, das Land brauche kein neues Gesetz.

          In Spanien ist wie auch in Deutschland und den meisten anderen europäischen Ländern die aktive Sterbehilfe, also die Tötung auf Verlangen, unter Strafe gestellt. Die passive Sterbehilfe, der Abbruch lebenserhaltender Maßnahmen, ist in mehreren Regionen erlaubt. Der Fall von Andrea ist nach Informationen der Nachrichtenagentur Efe der erste in Spanien, bei dem lebenserhaltende Maßnahmen bei einem Kind auf Verlangen der Eltern abgebrochen werden.

          Weitere Themen

          Amerikas Sommer der Extreme

          Gefährliche Hitzewelle : Amerikas Sommer der Extreme

          In vielen Gegenden Amerikas herrschen derzeit gefährlich hohe Temperaturen. Städte wie New York müssen sich in Zukunft auf noch extremere Sommer einstellen, warnen Klimaforscher.

          Topmeldungen

          Sommer in New York

          Gefährliche Hitzewelle : Amerikas Sommer der Extreme

          In vielen Gegenden Amerikas herrschen derzeit gefährlich hohe Temperaturen. Städte wie New York müssen sich in Zukunft auf noch extremere Sommer einstellen, warnen Klimaforscher.
          Boris Johnson: Favorit auf das Premierministeramt in Großbritannien

          Großbritannien : CDU traut Boris Johnson positive Überraschung zu

          Boris Johnson dürfte heute das Rennen um die Regierungsspitze für sich entscheiden. Aus der CDU bekommt er Lob für seine Intelligenz. Der frühere Premier Tony Blair hält einen Brexit ohne Abkommen für ausgeschlossen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.