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David Garretts Schwester : „Ich falle irgendwie durchs Raster“

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Wie würden Sie Ihren Musikstil selbst beschreiben?

Die Codes in der deutschen Musikindustrie sind sehr eng gefasst, und genau das ist mein Problem. Ich falle irgendwie durchs Raster. Ich rappe, mache Hiphop, schreibe aber auch mal einen Popsong und passe deswegen nicht in die Indie-Schublade. Und wenn man keinen Schlager macht, hat man es in Deutschland ohnehin schwer. Da die Leute aber immer weniger Zeit haben, wollen sie alles gleich verstehen und einordnen können. Ich irritiere da wahrscheinlich erst einmal.

Ende Oktober 2017 schippert die „Queen Mary 2“ durch die Ostsee. Mit an Bord sind Elena Bongartz und ihr Bruder David Garrett. Während David jeden Abend ein Konzert im vollbesetzen großen Royal Court Theatre gibt und Frauen aus aller Welt hyperventilieren, spielt Elena im kleinen Saal am anderen Ende des Kreuzfahrtschiffes. Viele der Gäste hören sich das nur an, um einmal „die Schwester“ gesehen zu haben. Ihre Stücke polarisieren: Viele – vor allem jüngere Zuhörer – sind begeistert, andere – vor allem Senioren – fassungslos. Manche stehen während des Konzertes einfach auf und gehen.

Sie treten nicht oft zusammen mit Ihrem Bruder in Erscheinung, die Kreuzfahrt war eine der wenigen Ausnahmen. Wie war das für Sie?

Ich hatte ehrlich gesagt ein wenig Angst vor der Reise, weil man schlichtweg nicht wegkann, wenn es nicht läuft (lacht). Aber ich bin stolz, dass ich mich nicht verstellt habe, sondern einfach ich geblieben bin. Viele andere Künstler hätten wahrscheinlich gesagt, ich misch mein Programm jetzt mit gefälligeren Songs, aber irgendwie hab ich gedacht: Ich bin wie ein Schiff. Ich habe meinen Kurs und fertig. Nach meinem ersten Konzert kam der Veranstalter auf mich zu und hat mich gelobt. So dicke Eier müsse man erst einmal haben, um das Ding so durchzuziehen. Das ist doch ein schönes Kompliment.

Also authentisch sein um jeden Preis?

Authentizität ist eigentlich ein Scheißbegriff, er ist so sinnentleert. Ich würde lieber Integrität sagen. Ich will einfach Musik machen, die alles ist, Hauptsache nicht banal. Aber natürlich, Überzeugungen können auch ein Fluch sein. Mit Mainstream wäre es leichter.

Während Ihr Bruder in New York ein Penthouse bewohnt, suchten Sie vor kurzem über Facebook ein WG-Zimmer für maximal 500 Euro warm.

Ich bin 24 Stunden am Tag Künstlerin, für diesen Beruf muss man eine gewisse Leidensfähigkeit mitbringen und sich durchbeißen. Wenn zu wenig Leute zu einem Konzert kommen, fordern Veranstalter manchmal sogar Rückzahlungen von mir, unglaublich! Aber ich habe gelernt, nicht mehr alles mitzumachen. Für 100 Euro auf einem Bierfest spiele ich nicht mehr.

Sind Sie manchmal neidisch auf den Erfolg Ihres Bruders?

Nein, er hat auch Probleme, nur auf einer anderen Ebene. Sein Kalender ist zwei Jahre im Voraus durchgetaktet, er trägt für sein Riesenteam eine irre Verantwortung, muss auch spielen, wenn er krank ist, und kann eigentlich keine feste Beziehung führen. Erfolg kann auch eine Bürde sein. Es hat alles Vor- und Nachteile. Natürlich ist es ein relativ krasses Gefälle, das wir gerade haben, aber das heißt nicht, dass es immer so sein wird. Und gerade fühlt sich mein Leben genau so gut an, wie es ist.

Elena und David

Elena Bongartz, geboren im Januar 1988 in Aachen, machte ihr Abitur mit 1,0 und studierte in Maastricht Jazz und Kulturwissenschaften. Die einstige Bundespreisträgerin von „Jugend musiziert“ produziert heute ihre Songs in
Eigenregie und unterrichtet nebenbei Gesang in Hamburg. Auch für andere Künstler schreibt sie Stücke. Sie lebt in Hamburg.
David Garrett, geboren im September 1980 in Aachen als David Christian Bongartz, begann mit vier Jahren, Violine zu spielen, und gewann mit fünf seinen ersten Wettbewerb. Seit er acht ist, tritt er mit dem Nachnamen seiner Mutter auf, einer amerikanischen Primaballerina. Erste Alben spielte er mit 13 ein. Vom Klassik-Wunderkind hat er sich zum Superstar des Crossover entwickelt, der mit seiner Musik ein Massenpublikum erreicht.

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