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David Garretts Schwester : „Ich falle irgendwie durchs Raster“

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Irgendwie hatte man den Wunsch, so eine Teenie-Pop-Geschichte aus mir zu machen. Doch damals haben sich Manager in etwas verliebt, das es gar nicht gab. Klar, ich hätte natürlich auch die Welle „die Schwester von“ reiten können. Denn es gibt ja viele, die sich genauso vermarkten und dann als „Schwester von“, „Bruder von“ oder „Frau von“ durch RTL-Shows oder Tanzsendungen tingeln. Aber alles, was in diese Richtung geht, bedeutet, dass man jemanden hat, der ein Skript schreibt und einen als Figur in eine bestimmte Ecke drängt. Und das kann böse enden. Mir ging – und geht – es ausschließlich um die Materie und darum, Ecken und Kanten haben zu dürfen.

Heute tragen Sie Ihre Haare kurz als Undercut, sitzen nur mit Frischhaltefolie bekleidet am Flügel und singen Zeilen wie „Nur aufpassen mit dem Selbstbewusstsein, das kommt schnell zickig, sagt dein Kollege und meint: Die fick ich!“ Kurz: Aus dem braven Mädchen ist eine Frau mit „Wut im Bauch“ geworden – so heißt auch der dazugehörige Song.

Das Musik-Business ist hart – und für eine Frau noch einmal mehr. Wenn eine Frau ihre Meinung sagt, gilt sie als schwierig. Ein Mann wäre dagegen durchsetzungsstark. Das gilt aber für alle Branchen, denke ich. Außerdem muss endlich eine gesellschaftliche Debatte über die Altersfixierung bei Frauen beginnen. Wir haben in der Anti-Bodyshaming-Bewegung über unsere Körper gesprochen und die #MeToo-Debatte angestoßen. Beides ist enorm wichtig. Aber jetzt muss es ums Alter gehen!

Heißt?

Frauen werden oft als Ware gesehen, die ein Verfallsdatum hat. Deswegen habe ich mich in dem Video auch wie ein Stück Fleisch verpackt. Können Sie sich vorstellen, wie sehr man schwitzt in so einer Folie? Ich sag Ihnen: Die Suppe läuft (lacht)! Aber genau das ist es doch: Hohe Schuhe drücken, man fühlt sich unwohl in seiner Kleidung. Und man nimmt es als Frau in Kauf, um jugendlicher zu wirken. Leider. Als ich mit der Musik angefangen habe, wurde mir auch genau gesagt, was ich bei einem Fotoshooting anziehen soll. Und wie ich die Haare zu tragen habe. Und mir wurde ganz direkt deutlich gemacht, dass ich einen Personal Trainer brauchte, weil ich zu dick fürs Fernsehen sei. Mit Anfang 20 findest du das erst einmal cool, dass du umsonst einen Personal Trainer bekommst. Aber irgendwann merkst du, dass es absurd ist. Nur in der Frischhaltefolie bin ich letztes Jahr übrigens auch auf ein Konzert vom Rapper Marteria gegangen. Ich war nackt, aber nicht sexy. Die Männer auf dem Konzert waren komplett verstört (lacht). Das ist das Problem: Wir Frauen müssen immer mädchenhaft und süß aussehen. Männer werden einfach schrumpelig mit den Jahren, und niemanden kümmert es. Aber als Frau bist du in der Musikbranche schlichtweg nicht mehr vermarktbar, wenn du nicht mehr jugendlich bist und keine frischen Backen mehr hast. Für meinen Bruder ist sein Alter auch ein Thema, aber für sein Umfeld eben nicht. Bei Frauen ist das anders. Sie laufen irgendwann ab.

„Shit vergangener Tage“: So heißt das aktuelle Album von Elena Bongartz, die unter dem Namen Elena auftritt. Das Album klingt erwachsen, vielschichtig, es experimentiert mit verschiedenen Genres und überzeugt mit intelligenten und charmanten Texten auf Deutsch. Der Interviewerin drückt sie nach dem Gespräch einen Aufkleber mit dem Schriftzug „Mehr Brain als Fame“ in die Hand, mit dem sie ihr Album bewirbt.

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