https://www.faz.net/-gum-10gfk

David Blaine: 60 Stunden lang kopfüber : Ein „Todessturz“ zum Abschied

Mit einer Sonnenbrille schützte Blaine seine Augen Bild: AFP

Drei Tage und zwei Nächte baumelte der Aktionskünstler David Blaine kopfüber an einem Drahtseil - ohne Schlaf und ohne feste Nahrung. Nach 60 Stunden wurde seine „Befreiung“ dann auch noch verschoben: Präsident Bushs Rede zur Nation hatte Vorrang.

          Einfach mal im Central Park abhängen - das sieht im Leben eines David Blaine anders aus als bei den meisten Menschen. Während der gemeine New Yorker gerne mit einem guten Buch alle Viere von sich streckt, geht der 35 Jahre alte Aktionskünstler an den Rand des medizinisch Möglichen. Drei Tage und zwei Nächte baumelte er beinahe pausenlos kopfüber an einem Drahtseil, das Blut rauschte in den Kopf, die geröteten Augen quollen hervor - und Millionen Menschen schauten zu.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft und für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Die letzten zwei Stunden am späten Mittwoch abend übertrug der Fernsender ABC unter dem Motto „Todessturz“ („Dive to death“) live - samt Einblicken in seine schwere Jugend und Beteuerungen zweier Mediziner, der Magier habe wieder einmal Übermenschliches geleistet.

          Zehntausende pilgerten zum Central Park

          Schon an den beiden Tagen zuvor herrschte Volksfeststimmung im Central Park. Jede Bewegung wurde auf einer riesigen Leinwand übertragen. Zehntausende pilgerten täglich zum südlichen Teil des Parks, wo der Performance-Künstler zwischen riesigen Gerüsten baumelte - unter der Schirmherrschaft des Milliardärs Donald Trump, dessen Frisur so aussieht, als würde auch er öfters mal falsch herum aufgehängt.

          Mit einer Sonnenbrille schützte Blaine seine Augen Bilderstrecke

          David Blaine hat eine eingeschworene Fangemeinde, die mit jeder seiner ungewöhnlichen Aktionen weiter wächst. „David, wir lieben Dich“, riefen Mädchen. John und Paul hatten sich eigens frei genommen und waren aus Kalifornien angereist, um ihren Helden hängen zu sehen. Der lächelte etwas gequält, ließ sich immer wieder zu Interviews und Autogrammen auf die Kopfhöhe seiner Fans herab, machte ein paar Stretchübungen und winkte in die Menge - ab und zu jedenfalls, denn jede Bewegung verursachte Schmerzen.

          „Das ist das heftigste, was ich je gemacht habe“, ächzte Blaine, schon zur Halbzeit seiner Batman-Einlage schwer atmend. Seine Organe drückten auf die Lunge, und wegen des hohen Blutdrucks auf die Augen hätte er gar erblinden können. Sein Hörvermögen war eingeschränkt, und er litt dauernd unter einem Kribbeln in den Beinen.

          Lebensmotto: immer einen drauf setzen

          Alles andere wäre dem New Yorker Aktionskünstler, Illusionisten und Straßenzauberer wohl zu wenig gewesen: Immer noch einen drauf zu setzen ist schließlich das Lebensmotto des David Blaine. Im Jahr 1999 ließ er sich schon einmal für sieben Tage lebendig in Manhattan begraben. Ein Jahr später hielt er es mehr als 60 Stunden lang eingefroren in einem Eisblock aus.

          Seinen größten Auftritt hatte er 2003, als er sich 44 Tage lang ohne Nahrung in London in einer gläsernen Zelle aufhängen ließ. Damals waren die Reaktionen nicht ganz so positiv wie dieses Mal in New York: Kritische Zuschauer warfen Eier, Flaschen und Farbbeutel auf seine Zelle. In der Zeit nahm er 30 Kilo ab und musste anschließend wegen Unterernährung im Krankenhaus behandelt werden. Im Mai 2006 ließ er sich in Manhattan für 176 Stunden in eine mit Wasser gefüllten Plexiglaskugel sperren. Am Ende versuchte er vergebens, den Weltrekord im Luftanhalten zu brechen; immerhin brachte er es aber auf mehr als sieben Minuten.

          Ein wenig mit den Füßen wippen

          Auch dieses Mal sah sein Speiseplan eher dürftig aus. Einmal in jeder Stunde wurde er auf einen Kran gehievt und medizinisch untersucht. Dabei durfte er ein wenig auf seinen Füßen wippen und eine Kleinigkeit trinken. Dann und wann gönnte er sich, in eine Decke gewickelt, auch mal eine Pinkelpause, bevor er sich wieder kopfüber in die Menge gleiten ließ.

          Am Ende seiner Aktion am Mittwochabend um 23.15 Uhr Ortszeit hatte er mehr als 60 Stunden ohne Schlaf und ohne feste Nahrung kopfüber verbracht - mehr als er selbst geplant hatte. Die Verspätung von einer Viertelstunde verdankte er dem amerikanischen Präsidenten George W. Bush, der mit seiner Rede zur Lage der Finanzkrise („Unsere gesamte Wirtschaft ist in Gefahr“) den Sendeablauf ins Trudeln brachte.

          Vorbild ist der Entfesslungskünstler Houdini

          Medienprofi David Blaine ließ sich nicht beirren. Für eine Aktion, die unter anderen Umständen als Folter eingestuft würde, engagierte er eine PR-Truppe, medizinisches Personal und eine unüberschaubare Anzahl schwerer Jungs, die wahlweise für seine Sicherheit sorgen oder Fotos mit den Fans knipsen sollten. Sein großes Vorbild, den Entfesslungskünstler Harry Houdini, der ebenfalls gern Grenzen überschritt, übertrifft er zumindest in Sachen Marketing. Die Ärzte durften am Ende bestätigen, dass Blaines Blutdruck in Ordnung sei und auch die inneren Organe funktionierten.

          „Ich finde es faszinierend, etwas zu ertragen, von dem Wissenschaftler und Ärzte sagen, dass man es nicht ertragen kann“, stöhnte Blaine in seiner Fledermausposition. Bisher ist er mit diesem Motto immer an den Rand des Möglichen gegangen, aber noch nie darüber hinaus. Hat er jemals in seinem Leben ein Vorhaben aufgeben müssen? „Nein“, sagte er. „Niemals!“ Konsequenterweise stürzte Blaine am Ende seiner Performance aus 14 Metern Höhe nicht in den Tod - sondern entschwand, an seinem Drahtseil hängend, in die Dunkelheit. Unter bisher ungeklärten Umständen, versteht sich.

          Weitere Themen

          Taylor Swift und ihr Master-Plan

          Streit um Rechte : Taylor Swift und ihr Master-Plan

          Taylor Swift kämpft zurzeit mit dem Musikmanager Scooter Braun – denn er hat die Rechte an ihren ersten sechs Alben. Nun überlegt die Sängerin, die Lieder einfach nochmal einzuspielen.

          Topmeldungen

          Es ist das erste Mal, dass Emmanuel Macron einen G-7-Gipfel ausrichtet.

          G-7-Gipfel : Wer reden will, soll ruhig reden

          In Biarritz inszeniert Emmanuel Macron einen G-7-Gipfel voller Überraschungen. Er überrumpelt Trump und lässt den iranischen Außenminister einfliegen. Ganz offensichtlich hat der französische Präsident aus seinem Anfängerfehler gelernt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.