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Hype um YouTube-Video : Der kleine Hai frisst sich auf direktem Weg ins Gehirn

  • -Aktualisiert am

Der Baby Shark Dance gehört zu den beliebtesten Videos auf YouTube aller Zeiten. Bild: Youtube/Pinkfong

Kennen Sie „Baby Shark“? Ein Youtube-Video erobert gerade die Herzen von Kindern auf der ganzen Welt – zum Leidwesen ihrer Eltern.

          Es ist hinlänglich bekannt, dass Eltern, Tanten, Onkel und Großeltern vieles ertragen, wenn es dazu dient, Kinderaugen zum Strahlen zu bringen. Doch was die koreanische Produktionsfirma Pinkfong da nun in die Köpfe von Millionen Kindern auf der ganzen Welt gepflanzt hat, wird selbst für die stressresistentesten Erwachsenen zur Belastungsprobe. Die Rede ist von „Baby Shark“, einem fröhlichen Kinderlied über eine Familie Haie, zu dem in diesen Tagen vor allem englischsprachige Kids singen und tanzen. Das Originalvideo auf Youtube hat derzeit über zwei Milliarden Aufrufe, die unendlichen Remix-Versionen nicht mitgezählt. Zwei kleine Kinder singen und tanzen darin in einer animierten Unterwasserwelt – versetzt mit einer Menge „doo doo doo doo“. Der Song frisst sich auf direktem Weg ins Gehirn, es ist absolut unmöglich, ihm zu entkommen.

          „Baby Shark“ gehört damit zu den 40 meistgeklickten Youtube-Videos aller Zeiten. In Großbritannien belegt der Song aktuell Platz 33 der Single-Charts, noch vor international erfolgreichen Künstlern wie Rapper Drake. Der britische Ableger der Castingshow „X-Factor“ eröffnete damit Anfang Dezember gar seine Finalshow und erntete einen gewaltigen Shitstorm.

          Denn der Babyhai polarisiert, und obwohl Pinkfong das Video schon 2016 produzierte, erlebt der Song aufgrund einer ausgeklügelten Marketingstrategie jetzt einen neuen Höhepunkt. Dank der #BabySharkChallenge treibt der Song auch außerhalb der Kinderzimmer sein Unwesen. Angelehnt an die #KikiChallenge, bei der Spaßvögel auf der ganzen Welt zu Drakes „In my Feelings“ tanzen, während das Auto in Schrittgeschwindigkeit und mit geöffneter Tür neben ihnen entlangfährt, entdecken besonders witzige Zeitgenossen den Song über den Babyhai auf diese Weise für sich.

          Und pünktlich zum Weihnachtsgeschäft springt auch die Merchandising-Maschine an: Der chinesische Spielzeughersteller WowWee bringt die Haifamilie als Plüschversionen auf den Markt.

          Zum Leidwesen aller beteiligten Erziehungspersonen singen die Plüschhaie auch noch. Nach nur einem Wochenende waren sie bei sämtlichen Online-Anbietern ausverkauft. „Zum Glück“, frohlocken die einen, während sich die anderen nach Mitteln und Wegen umschauen, um die Haie ihren Kindern zuliebe doch noch unter den Weihnachtsbaum zu bekommen – zur Not auch für eine dreistellige Summe.

          Melodie und Text des Liedes sind nicht neu, der Kinderzimmerhit existiert in verschiedenen Formen bereits seit Jahren. 2007 sorgte „Kleiner Hai“ auch in Deutschland für einen der ersten viralen Internethits. Alexandra Müller alias „Alemuel“ aus Stuttgart stellte das Video damals ins Netz – „völlig nüchtern“, wie sie im Gespräch mit dem SWR betonte. Ihre Wohnzimmer-Version des Kinderliedes wurde so erfolgreich, dass man ihr sogar einen Plattenvertrag anbot. Es folgte eine Tour durch Mallorcas Schlagerclubs.

          K-Pop der nächsten Generation

          Doch erst den Koreanern von Pinkfong mit ihren 13 Millionen Youtube-Abonnenten gelang es, die knallbunte Variante von „Baby Shark“ auf der ganzen Welt populär zu machen. Marketingchefin Jamie Oh brachte das Geheimnis hinter dem Erfolg im Gespräch mit der BBC auf den Punkt: „Der Song ist moderner als die alten Kinderlieder und hat einen fröhlichen Beat. Das Video ist sehr lebendig, die Tanzschritte sind lustig. Wir nennen es K-Pop der nächsten Generation.“ Sechs Jahre nach „Gangnam Style“, dem wohl erfolgreichsten musikalischen Export Koreas, erobert nun wieder ein überdrehter, aber überaus eingängiger Kandidat der Richtung K-Pop die Welt, und dieses Mal besonders die Herzen der Kleinsten.

          Berühmte Vertreter dieses Genres, das auch über die Landesgrenzen Koreas hinaus extrem erfolgreich ist, dürften ebenfalls dabei geholfen haben, den „Baby Shark“ bekannt zu machen. In der schillernden Welt des K-Pop verschwimmen Grenzen zwischen klassischen Konzepten von Mädchen und Jungen, zwischen Realität und Phantasie. Die Sänger geben und stylen sich betont androgyn, stark geschminkte Mädchen bedienen den Lolita-Mythos. Alles wirkt enorm künstlich und kindlich angehaucht. K-Pop ist fröhlich und unbeschwert.

          Pinkfong brachte zuletzt ein ganzes Album mit „Baby Shark“-Liedern heraus. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis dieser mit seiner Familie auch in deutschen Kinderzimmern sein Unwesen treibt. Sagen Sie nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt.

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