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Fischer Konrad Fischer Bild: Franz Bischof und Jan Kuchenbecker

„Da bin ich norddeutsch stur“ : Die letzten Fischer an der Ostsee

  • -Aktualisiert am

Der Klimawandel mindert den Fischbestand der Ostsee so sehr, dass nur noch wenige Fischer davon werden leben können. Ein neuer Fotoband porträtiert nun (fast) alle von denen, die noch da sind.

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          Falko und Rene Spreer, Vater und Sohn, glauben an die Zukunft. Angesichts des Untergangsstrudels, in dem sie sich befinden, ist das erstaunlich, und man weiß nicht genau, ob dieser Glaube dem Trotz oder dem Überlebenswillen entspringt. Ihr Fischbistro hat seine besten Zeiten längst hinter sich oder einfach nie beste Zeiten gehabt, man weiß es nicht. Die melancholische Tristesse, die in der Gaststube hängt wie leichter Nebel, zeugt davon, dass der Herbst der Ostsee-Fischerei gekommen ist.

          Falko und Rene Spreer sind Stellnetzfischer in der Gemeinde Dranske auf Rügen. Sie gehören zu den Letzten, die ihr Boot noch an der Westküste der Insel liegen haben. 600 Kilo Fisch fangen sie im Jahr mit ihrer „Poseidon“; das Bistro, ihr zweites Standbein, ist zugleich auch Abnehmer dieses Fangs. Denn der Großhandel, sagt Falko Spreer, bezahle nur „in Pfennigen, da haben wir nicht einmal den Preis für Diesel wieder rein“.

          Falko Spreers Lieblingssatz lautet: „Da bin ich norddeutsch stur.“ Stur ist er, wenn es um die Fischereipolitik geht; in die hat er das Vertrauen verloren. Stur ist er, wenn es um die Genossenschaften geht, denen er nicht angehört, weil die „einem ohnehin nicht helfen“. Wenn es um Fördermittel und Ausgleichszahlungen geht, die er nicht beantragt, weil das alles nur „Augenwischerei“ sei. Und weil er so norddeutsch stur ist, fischt er mit seinem Sohn jedes Frühjahr und jeden Herbst allein und versucht, sich so buchstäblich über Wasser zu halten. „Von Fischerei allein kann sich heute keiner mehr ernähren“, sagt der Vater, und der Sohn nickt dazu. Die Vision, mit der die Spreers die Zukunft der Familie sichern wollen, heißt „Aquaponik“: die Verbindung von Fischzucht und Gemüseanbau in einem geschlossenen ökologischen System.

          Der größte Umbruch seit der Wende

          Wenn man an einem Ort wie Dranske wohnt, weit fort von den Zentren der Innovation, ist Aquaponik eine kühne Idee. Denn Dranske, im Westen der Insel gelegen, ist eine jener Gemeinden, die man als abgehängt bezeichnen könnte, gäbe es den Rügen-Tourismus nicht, der auch bis dorthin schwappt. Im Sommersonnenlicht sind solche Orte Idyll, im Winter geographisch verdichtete Trostlosigkeit. Man muss bescheiden sein, um hier zu überleben, und noch bescheidener, um von dem zu überleben, was das Meer und die Fischereipolitik der EU einem noch in die Netze spült.

           Fischer Jürgen Krieger Bilderstrecke

          „Die Ostsee-Fischerei steht vor dem größten Umbruch seit der Wende.“ Christoph Zimmermann vom Thünen-Institut in Rostock ist der deutsche Vertreter des International Council for the Exploration of the Sea (ICES), jener wissenschaftlichen Institution, die ihren Sitz in Kopenhagen hat und die Politik in allen Fischereifragen berät. Für die Fischer ist Zimmermann „der Feind“, wie er selbst halb belustigt, halb resigniert sagt. Dabei ist der Wissenschaftler alles andere als ein Gegner der Fischerei, die würde er gerne erhalten. Aber er ist Realist, und als solcher weiß er, der Fischbestand der Ostsee reicht nur noch für die Hälfte der heutigen Flotte.

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