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Opfer des Vietnamkriegs : Kim Phúck wird in Miami behandelt

  • -Aktualisiert am

Kim Phúc (Mitte) als Kind nach dem Napalm-Abwurf am 8. Juni 1972 in der Nähe von Trang Bang, damals Südvietnam. Bild: AP

Das Bild, das Kim Phúck als Kind nackt und weinend nach dem Abwurf einer Napalm-Bombe zeigt, wurde zum Symbol für die Schrecken des Vietnamkriegs. Nach mehr als 40 Jahren hofft sie auf ein schmerzfreies Leben. 

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          Die Schmerzen sind auch nach mehr als 40 Jahren nicht abgeklungen. Besonders im Herbst, wenn die Nächte in Kim Phúcs Wahlheimat Kanada kühler werden, zieht es in ihrem linken Arm. Taschen kann die Vietnamesin nur mit der rechten Hand tragen, den Klavierunterricht musste die Zweiundfünfzigjährige schon nach wenigen Stunden wieder aufgeben. Die Versuche, auch mit der linken Hand zu spielen, scheiterten an den Brandverletzungen, die Phúc am 8. Juni 1972 bei dem versehentlichen Abwurf einer Napalm-Bombe auf das südvietnamesische Dorf Trang Bang erlitt.

          Das Foto, das die damals Neunjährige nackt und weinend mit ausgebreiteten Armen auf der Flucht vor der schwarzen Rauchwolke zeigte, ließ Phúc zum Symbol für die Schrecken des Vietnamkrieges werden. Nach 43 Jahren wird sie jetzt in Florida behandelt, wo sich das Institut für Dermatologie und Lasertechnik in Miami auf Verbrennungen spezialisiert hat. „Ich habe lange geglaubt, dass ich erst ohne Schmerzen sein kann, wenn ich im Himmel bin. Jetzt sieht es so aus, dass es für mich schon zu Lebzeiten einen Himmel gibt“, sagte die Vietnamesin dem britischen „Guardian“.

          Die vernarbte Haut, die sich von ihrer linken Hand über Arm und Hals bis zum Rücken zieht, soll in den kommenden Monaten durch Laser und kollagenfestigende Medikamente wieder geschmeidig werden. Neben Phúcs Ehemann Bui Huy Toan kam auch der Fotograf Nick Ut nach Florida, um sie während der schmerzhaften Behandlung zu unterstützen.

          Den Vierundsechzigjährigen und die Vietnamesin verbindet ein enges Verhältnis, seit er ihr Entsetzen nach dem Bombenabwurf in einem Bild festhielt. Ut, der im Auftrag der Nachrichtenagentur The Associated Press fotografierte, hatte Phúc und andere verletzten Kinder aus Trang Bang damals auch ins Krankenhaus gefahren.

          Nacktheit war 1972 eigentlich tabu

          Bevor der gebürtige Vietnamese damals auf den Auslöser drückte, hatte Phúc sich die brennenden Kleidungsstücke vom Leib gerissen. „Zu heiß, zu heiß“, rief sie, während sie auf Ut zulief. Als der Fotograf die Aufnahme später nach New York schickte, wurde das Bild erst aussortiert. „Die Redakteure wollten es nicht drucken, da Nacktheit 1972 tabu war.

          Weil das Foto aber so wichtig war, wurde eine Ausnahme gemacht“, erinnerte sich der Fotograf auf der Website „digitaljournalist.org“. Für das Bild „Schrecken des Krieges“, das damals in Hunderten Zeitungen erschien, wurde Ut im Jahr 1973 in der Kategorie „Aktuelle Fotoberichterstattung“ mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.

          14 Monate im Krankenhaus

          Das „Napalm-Mädchen“ verbrachte derweil 14 Monate im Krankenhaus in Saigon, wo es 17-mal operiert wurde. Da mehr als ein Drittel des Körpers von der zähflüssigen Mischung aus Benzin und Aluminumseifen verbrannt war, wurde auch Haut transplantiert.

          Dennoch blieben dicke Narben zurück, die jede Bewegung schmerzhaft machten. „Durch die Verbrennungen konnte ich nicht mehr auf Bäume klettern oder mit Freunden spielen“, erinnerte sich Phúc, die sich seit einigen Jahren im Auftrag der Vereinten Nationen für Kinder in Krisengebieten engagiert. „Jetzt beginnt ein neuer Lebensabschnitt.“

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