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Liebe : „Mädchen, ich komme wieder!“

Daran glaubte sie fest. „Nicht eine Sekunde habe ich gedacht, er könnte im Krieg fallen“, sagt sie. Oft hörte Charlotte Piller, die damals bei der Staatsanwaltschaft in Memmingen arbeitete, monatelang nichts von ihm. Auch nach Kriegsende blieb sie lange ohne Nachricht. Erst kurz nachdem ihr erstes Kind zur Welt gekommen war, traf eine Karte vom Roten Kreuz ein: „Ich lebe! Ludwig.“

Pilotenkarriere beendet

Ihr Mann war von den Amerikanern gefangen gehalten worden. Er war, wie andere Piloten auch, für ein Geheimprojekt nach Méricourt in Frankreich gebracht worden. „Wir sollten, wie es hieß, noch gegen Japan zum Einsatz kommen“, sagt Ludwig Piller. Die deutschen Kampfpiloten, handverlesen und nach ihrem Können ausgewählt, sollten in den Krieg im Pazifik zugunsten der Vereinigten Staaten eingreifen. Der Pilot Piller lehnte das Ansinnen ab, die ganze Aktion kam letztlich auch nicht zustande, da Japan bereits im August 1945 kapitulierte – nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki.

Oberleutnant Piller blieb in Gefangenschaft in Frankreich und verpasste die Geburt des Sohns. „Meine Mutter drängte mich damals, das Heidenkind endlich taufen zu lassen“, erzählt Charlotte Piller. So wurde schließlich der 14. Februar 1946 als Termin festgelegt. Doch als ihr eine Astrologin aus den Sternen vorhersagte, dass ihr Mann Mitte März zurück sein würde, sagte sie die Taufe wieder ab. Am 15. März stand Ludwig Piller vor ihrer Tür.

1939: Zwölf Tage nach Kriegsbeginn wird Hochzeit gefeiert.
1939: Zwölf Tage nach Kriegsbeginn wird Hochzeit gefeiert. : Bild: privat

Am Weihnachtstag 1950 kam Tochter Ursula zur Welt, doch sie starb schon neun Wochen später. Im Dezember 1952 wurde der zweite Sohn Gerhard Klaus geboren. Die Familie musste versorgt werden, doch als Pilot fand Ludwig Piller keine Anstellung. Für die Lufthansa, 1953 neu gegründet, war er schon zu alt, und zur Luftwaffe der Bundeswehr wollte er nicht. Über eine Annonce in der Zeitung kam er zur Firma Ruff & Co., einem Unternehmen für Milchwerke und Brauereien, und wurde selbständiger Handelsvertreter. Fortan vermarktete er nicht nur Reinigungsmittel, mit denen zum Beispiel Melkmaschinen gesäubert wurden, indem er zunächst im Allgäu und zuletzt in ganz Süddeutschland von Bauernhof zu Bauernhof fuhr. Er entwickelte auch sehr erfolgreich neue Produktlinien unter dem Motto: „Billig – Besser – Bequem“.

Noch einmal in die Lüfte steigen

Eine seiner Ideen: die Kontrareinigung. Morgens werden die Leitungen mit einer Lauge, abends mit einer Säure durchgespült. Er ist sich fast sicher, dass ein Großunternehmen das Konzept später auf die zweifache Zahnreinigung morgens und abends mit jeweils einer anderen Zahnpasta übertrug.

Noch bis vor drei Jahren spielte Ludwig Piller jede Woche Tennis. Mit 99 aber hatte er einen Unfall mit seinem neu gekauften E-Bike, bei dem er sich einen Oberschenkelhalsbruch zuzog. Danach kam er für sein Alter schnell wieder auf die Beine. „Die Ärzte meinten, ich habe die Knochen eines Achtundsechzigjährigen.“ Trotzdem muss er seither etwas kürzertreten. Untätig ist er nicht. Mit 98 hat er zum Beispiel noch eine Diebesbande zur Strecke gebracht. Ihm war aufgefallen, dass in zwei eigentlich leer stehenden Wohnungen der Wohnanlage, für die er auch im Verwaltungsbeirat sitzt, Pakete angeliefert und wieder abgeholt wurden. Zugleich tauchten immer wieder andere Namensschilder an den Wohnungstüren auf. Mit zwei viel jüngeren Nachbarn, 75 und 78 Jahre alt, begann er die Vorgänge genau zu dokumentieren. Wie sich herausstellte, handelte es sich um Identitätsklau in großem Stil. Die Bande bestellte mit gestohlenen Namen Waren im Wert von 36.000 Euro, ohne sie zu bezahlen. Die Polizei konnte die Gauner schließlich dingfest machen. Piller und seine Helfer wurden für ihre Zivilcourage ausgezeichnet.

Anfang Juli konnte Ludwig Piller auch noch einmal in die Lüfte steigen. Eineinhalb Stunden schwebte er über das Allgäu. Die Ballonfahrt hatte er sich zu seinem 100. Geburtstag gewünscht.

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