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Das Dilemma der Eltern : Mama, machen wir jetzt mein Referat?

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Personalmangel an Schulen

Natürlich sollen Eltern keinen Druck machen auf Kinder, die sieben Jahre alt sind oder acht. Auch nicht auf Kinder, die zwölf sind oder 13. Druck macht eine Matschbirne. Druck ist schlecht, wenn man herausfinden soll, wie lange die Nacktschnecke Gertrud kriechen muss, wenn sie zehn Zentimeter in der Minute schafft und die Straße, über die sie will, drei Meter breit ist.

Mir war das klar. Ich spürte aber auch sehr deutlich: Wir Eltern sollen uns um die Schulbelange unserer Kinder kümmern, wir sollen uns einbringen. Die Schule braucht uns, weil sie personell und auch sonst so knapp bestückt ist, dass der Laden ohne elterliche Unterstützung nicht läuft.

Kann man als berufstätige Mutter in diesem ganzen Durcheinander von widersprüchlichen Botschaften einigermaßen entspannt bleiben?

Ja, man kann. Und auch, wenn es viel Kraft kostet: Solange die Kinder gut in der Schule sind und wenn alles läuft, wie es soll, kriegt man es irgendwie hin. Ohne Burnout. Ohne Helikopter. Und ohne dass das schlechte Gewissen übermächtig wird. Aber wenn es nicht so läuft, ist es fast unmöglich.

Stichwort: Helikoptermutter

Wenn es nicht so läuft in der Schule, fällt einem die Mutterrolle nämlich auf die Füße. Oder das, was die Gesellschaft unter einer guten Mutter versteht. Dann heißt es: „Du musst dich mehr kümmern. Aber bitte ganz entspannt und auch nicht zu viel. Denn wenn du dich zu viel und unentspannt kümmerst, bist du eine Helikoptermutter, eine Tiger Mom, eine hysterische Eislaufmutter.“ Alles irgendwie unsympathisch – und alles auch wieder falsch.

Es ist verdammt schwer, sich genau richtig zu kümmern, wenn es nicht läuft in der Schule. Dann bedeutet Kümmern nämlich auch: Hausaufgaben nach dem Hort anschauen. Feststellen, dass sechs von zehn Matheaufgaben falsch sind und dass das Kind das Prinzip nicht richtig verstanden hat. Abends um fünf das Kind dazu bringen, sich die Sache noch mal anzuschauen. Und dann aushalten, wenn es vor Wut gegen die Schultasche tritt und „Scheiß Schule“ brüllt.

Oder bei der Drittklässlerin freitags nachfragen: „Sag mal, schreibt ihr nicht bald wieder Deutsch?“

„Mmh ...“

„Wann denn?“

„Nächsten Montag.“

„Oh, da musst du ja dann noch üben!“

„Samstag wollte ich aber schwimmen gehen, es soll 30 Grad werden ... Und am Sonntag ist Geburtstag bei Lisa.“

„Aber du hattest in der letzten Deutscharbeit eine Vier minus ...“

„Mama, ich will aber mit!“

Wenn es nicht läuft, steht im Zwischenzeugnis der dritten Klasse unter „ergänzende Bemerkungen“:

„Ida wendet die erlernte Abschreibtechnik noch nicht konsequent an. Auch zu Hause sollte sie vorher an die Abfolge der einzelnen Schritte erinnert werden. Ein Mitsprechen der jeweils zutreffenden Regel beim Schreiben würde ihre Rechtschreibsicherheit erhöhen. Im Bereich Schreiben sind der zusätzliche Übungsaufwand und die vermehrte Aufmerksamkeit beim Abschreiben von Texten sicherlich lohnend. Förderbedarf besteht auch bei den Einmaleinsreihen, welche noch intensiver eingeübt werden müssen. Mithilfe der Hefteinträge sollten auch zu Hause die Eigenschaften von Körpern wiederholt werden.“

Wie das Russische Reich zerfiel und ich nicht dabei war

Kurz nach meinem Umzug in den Norden wurde Greta in ihrer Schule ein großes Referat angekündigt. Es trug den Titel: „Die Neuordnung Osteuropas nach 1918/1919“. Und es gehörte zur traditionellen Projektpräsentation, die viele der hiesigen Realschulen in der Neunten auf dem Lehrplan stehen haben. Sie umfasste ein 45-minütiges Gruppenreferat – mit Powerpoint-Präsentation und Plakat – sowie eine 20-seitige schriftliche Ausarbeitung mit Auswertung von Sekundärliteratur und Handout. Das Ganze sollte in Deutsch wie eine Schulaufgabe zählen und in Geschichte und IT wie eine Stegreifaufgabe.

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