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Dank privatem Engagement : Auferstehung einer Kirche

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Links „Anna selbdritt“, rechts die Pietà: Die Rokokokirche von Berka erstrahlt in neuem Glanz. Bild: Karola Müller von der Grün

Eigentlich wollte Ulrich Gallenkamp nur zwei Plastiken restaurieren lassen. Dann sah er die Kirche, in die sie gehörten, und half, gleich den ganzen „Dom“ flottzumachen.

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          In der Mitte Deutschlands teilen sich Hessen und Thüringen entlang der mäandernden Werra eine Mittelgebirgslandschaft, die Baustile des Fachwerks und beinahe ein Idiom. Aus den bewaldeten Hängen der kuppigen Landschaft ragen Burgen heraus. Auf der hessischen Seite hat das Mittelalter mit dem „nit“ („nicht“) in der Sprache überlebt. Auf der Thüringer Seite geht alles stiller zu. Die Höfe, schlossähnlichen Anlagen und Gotteshäuser liegen wie unberührt in den Tälern, als hätte in Orten wie Nazza oder Mihla eine vergangene Epoche die Zeit verschlafen. Die mittelalterlichen Kirchtürme sind in Hessen wehrhafter, in Thüringen sanfter, aber beiderseits der Werra weder lieblich noch verspielt. Das Stammland der Reformation zeigt sich nach außen hin nüchtern.

          Doch auf dem Weg über schmale Straßen von Wanfried nach Eisenach, den Inselsberg in der Ferne vor Augen, liegt links eine Kirche, die nicht hierher zu gehören scheint. Ihr Haus ist apricotfarben gestrichen, ihr Turm mit etwas mehr evangelischem Lila im roten Grundton, und ihre Form ist vom Rokoko geprägt. Es ist der „Dom“ von Berka vor dem Hainich (nicht zu verwechseln mit den anderen Berkas in Thüringen). Die Kirche verhilft dem Dorf mit seinen 850 Einwohnern sogar zu einer „Domstraße“.

          Dort kreischen dieser Tage noch die Sägeblätter durch den Stein, den Arbeiter zu Dom-Stufen fügen, rollen Radlader durch den Kies und spannen Elektriker Leitungen. Denn am Sonntag soll die Kirche nach Jahren der Restauration wiedereröffnet werden. So ungewöhnlich wie die Erscheinung der Kirche ist die Geschichte ihrer Wiedererstehung. Sie begann mit der Präsidentschaft des Neurologen Ulrich Gallenkamp im Rotary-Club von Lüdenscheid im Sommer 1999. Gallenkamp wollte Kulturgut in Ostdeutschland retten, von dessen Verfall er gehört hatte. Und er wollte die Deutschen beiderseits der Werra zusammenbringen.

          „Das ging ihnen ganz nah“

          Unterstützt durch Gespräche mit Restauratoren, fand Gallenkamp im Kulturgutdepot der evangelischen Kirche in Apolda zwei Plastiken, die er in Potsdam restaurieren lassen wollte. Das sollte das zentrale Projekt seiner Präsidentschaft sein. Es waren die Pietà, die Mutter Gottes mit dem Leichnam ihres gekreuzigten Sohnes, und ein „Anna selbdritt“, eine Darstellung der Anna als der Mutter Marias mit der Mutter Gottes auf dem linken Knie und dem Jesuskind auf dem rechten. Diese Darstellung Jesu mit seiner Mutter und Großmutter stammt aus dem Mittelalter.

          Beide Skulpturen standen im Dom zu Berka. Das wusste Gallenkamp aber nicht. Es muss um die Zeit des Mauerfalls herum gewesen sein, erinnert sich heute die Pastorin Christine Voigt, dass die Skulpturen aus Lindenholz, die aus der Zeit vor der Reformation stammen, aus der Kirche entfernt wurden, um sie zu schützen. Die Kirchen waren voller Kunstschätze, und mit der Freiheit waren die Kunsträuber gekommen und machten Beute. Christine Voigt war damals noch nicht Pastorin in der Gemeinde. Sie trat dort erst 1993 ihre Stelle als Vikarin an und übernahm später die Pfarrstelle. Seither betreut sie vom Kirchberg in Bischofroda aus die evangelischen Christen in Berka und Ütteroda mit. In den drei Orten mit 1700 Einwohnern gibt es noch 950 Protestanten. Damit sind die Gläubigen hier, an der Grenze zu Hessen, für Thüringer Verhältnisse überdurchschnittlich zahlreich.

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