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Neue Arbeitsformen : Wie lebt es sich im Homeoffice an der Algarve?

Büro mit Aussicht: Tobias macht Remote Working an der Algarve. Bild: privat

Wegen der Corona-Krise arbeiten inzwischen viele Menschen mobil – und fragen sich, ob das nicht auch irgendwo im Süden ginge. Tobias hat seinen Arbeitsplatz auf einer Terrasse in Portugal aufgebaut.

          3 Min.

          Guten Morgen, Tobias. Hier in Deutschland ist das Wetter gerade grau. Und bei Ihnen?

          Leonie Feuerbach

          Redakteurin im Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Da kann ich Sie vielleicht ein bisschen neidisch machen: Bei uns scheint die Sonne, ich sitze auf der Dachterrasse und habe mir gerade ein Frühstück genehmigt.

          Ich erreiche Sie telefonisch an der Algarve, allerdings nicht im Urlaub, sondern im Homeoffice. Wie kam es dazu?

          Ich habe Anfang des Jahres eine Gruppenreise nach Sri Lanka gemacht, über die Plattform Join My Trip, und das hat mir gut gefallen. Im Sommer wollte ich dann eigentlich Urlaub in Island machen. Als das wegen Corona zum Risikogebiet erklärt wurde, musste ich mir etwas anderes überlegen und hab’ mich wieder auf Join My Trip umgeschaut. So bin ich auf Portugal gekommen, was damals noch kein Risikogebiet war. Und ich stieß auf die Möglichkeit, im Ausland zu arbeiten statt Urlaub zu machen. Weil der Trip, für den ich mich interessiert hatte, schon ausgebucht war, hab’ ich dann selbst einen organisiert.

          Wie lief das ab?

          Ich habe das Apartment rausgesucht, auf die Plattform gestellt und drei Mitreisende gefunden, zwei Frauen und einen Mann zwischen Mitte 20 und Anfang 40, die in Marketing, IT und Controlling tätig und für ihre Arbeit nicht ans Büro gebunden sind. Wir kannten uns vorher nicht, aber verstehen uns gut. Leute, die mutig genug sind, mit Fremden zu verreisen, haben vermutlich eine ähnliche Einstellung.

          Wie sieht denn Ihr Arbeitsalltag in Portugal aus?

          Ziemlich normal. Ich stehe zeitig auf, arbeite ein, zwei Stunden, dann frühstücke ich mit den anderen. Dann geht jeder von uns seiner Tätigkeit nach, bis wir am späten Nachmittag wieder gemeinsam etwas unternehmen: Workout, Tennis, Golf oder Surfen. Abends schauen wir oft den Sonnenuntergang an und gehen zusammen essen. Am Wochenende unternehmen wir oft größere Ausflüge, zusammen mit fünf Leuten, die in einem anderen Haus hier in der Anlage wohnen. Die meisten sind terminlich flexibel, dadurch können wir auch mal mittags was machen, auf der Terrasse zusammen Kaffee trinken, in den Pool springen oder im Meer tauchen. Wir sind hier nur einen Kilometer vom Strand entfernt.

          Ihren Job können Sie problemlos im Homeoffice erledigen?

          Ich bin Sales Consultant und berate den Vertrieb meines Arbeitgebers in Europa und Afrika. Meist geht das über Mails und Telefon, dafür muss ich nicht im Büro sein.

          Haben Sie auch schon vor Corona im Homeoffice gearbeitet?

          Homeoffice war bei uns im Unternehmen selten. Durch Corona hat sich das geändert. Mittlerweile ist Homeoffice „the new normal“. Das bleibt fester Bestandteil meiner Arbeit. Solche Trips mache ich künftig bestimmt öfter.

          Und Sie können auf der Dachterrasse konzentriert arbeiten?

          Tatsächlich bin ich produktiver als im Büro. Eigentlich wollte ich weniger arbeiten und Überstunden abbauen. Letztlich habe ich aber doch einen gewissen Workload zu erfüllen und will meine Kunden auch nicht warten lassen. Weniger als acht Stunden arbeite ich also auch hier nicht.

          Wie machen Sie es bei Videotelefonaten? Das Meer im Hintergrund könnte unseriös wirken, oder?

          Meistens mache ich ganz normale Telefonanrufe, so wie jetzt mit Ihnen. Aber wenn ich meine Kollegen neidisch machen will, dann mache ich einen Video-Call und präsentiere ihnen die wunderschöne Algarve.

          Und Ihr Chef hat damit kein Problem?

          Nein, der hat Vertrauen in mich und weiß, dass die Arbeit gemacht wird. Ich bin ein korrekter Mensch, habe es gerne, wenn die Arbeit von meinem Schreibtisch weg ist und habe eine entsprechende Arbeitseinstellung.

          Fehlt Ihnen in der Ferienwohnung nicht die Ausstattung eines Büros? Ein Drucker, ein großer Bildschirm?

          Ich habe tatsächlich nicht nur einen Laptop, sondern auch einen Bildschirm mitgenommen. Ich arbeite meist mit mehreren Bildschirmen, darauf wollte ich nicht verzichten. Aber einen Drucker brauche ich nicht.

          Sie verbringen drei Wochen in Portugal. Könnten Sie auch mal drei Monate lang im Ausland arbeiten?

          Dafür bin ich doch eher zu heimatverbunden. Ich bin auch in Vereinen aktiv und habe da Verantwortlichkeiten. Drei bis vier Wochen finde ich ideal, danach wäre dann wohl auch irgendwann die Luft raus, und man bräuchte vielleicht auch mal wieder Abstand voneinander.

          Das enge Zusammenleben mit drei Fremden verursacht vermutlich auch mal Konflikte?

          Eigentlich nicht. Zwei arbeiten in einem Gemeinschaftsraum, zwei in ihren Zimmern beziehungsweise auf den dazugehörigen Balkonen, manchmal auch vom Pool oder der Dachterrasse aus. So hat jeder Platz für sich. Wir haben uns geeinigt, wie wir uns organisieren wollen. Alle Ausgaben teilen wir gleichmäßig untereinander auf, wir frühstücken gemeinsam und machen auch gemeinsame Ausflüge mit dem Auto. Nur einzelne Aktivitäten oder Kurse zahlt jeder selbst. Das funktioniert ziemlich gut.

          Und worüber reden Sie so?

          Es geht natürlich um aktuelle Themen wie Corona oder die Wahl in Amerika, um unsere Hobbys und Berufe. Einer hier bloggt nebenher, und jeder hat dazu etwas beigesteuert: zur Suchmaschinenoptimierung, zu Google Ads, zum Aussehen der Startseite. Unsere Jobs greifen ineinander. Wir waren davon so begeistert, dass wir kurzerhand kleine Wissens-Sessions organisiert haben. Dabei haben einige ein paar Skills über Programmierung, Excel, Instagram und Bildbearbeitung präsentiert.

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