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Rosamund Pike und Daniel Brühl in einer Szene des Films „7 Tage in Entebbe“. Bild: dpa

Daniel Brühl im Interview : „Die 40 nervt irgendwie“

  • -Aktualisiert am

Daniel Brühl über die Wehmut beim Älterwerden, seine Anfänge bei „Verbotene Liebe“ und seine Rolle als Terrorist in „7 Tage in Entebbe“.

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          Herr Brühl, „7 Tage in Entebbe“ ist der unter anderem mit Hollywood-Geldern finanzierte Film eines Brasilianers über die Flugzeugentführung im Sommer 1976. Eine Geschichte über deutsche und palästinensische Terroristen, jüdische Geiseln und das israelische Militär birgt auch 40 Jahre später noch Zündstoff. Haben Sie gezögert, diese Rolle anzunehmen?

          Ich war auf jeden Fall skeptisch. Das Thema ist brisant und hoch komplex. Deswegen habe ich mit dem Regisseur José Padilha viel gesprochen, noch bevor ich ihm für die Rolle zugesagt habe. Mir wurde dabei schnell klar, dass er nicht vorhatte, einen Propagandafilm aus dieser Sache zu machen. Ihm ging es darum, die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Einen Film über die heroischen israelischen Soldaten und die kaltblütigen Terroristen-Monster hätte ich tatsächlich nicht gedreht. Nur böse mit einer Kalaschnikow herumstehen hätte mich wirklich nicht interessiert.

          Der Film wird es trotzdem nicht jedem recht machen.

          Natürlich nicht. Egal, wie man es macht, wird man mit dieser Geschichte anecken. Das ist kein Rundum-Sorglos-Paket als Film, mit dem man alle umschmust. Sondern es wird auf allen Seiten Leute geben, die etwas gegen „7 Tage in Entebbe“ haben. Darauf habe ich mich von Anfang an eingestellt. Wenigstens macht man mal wieder etwas, bei dem es wirklich um etwas geht.

          Waren Sie denn mit dem Thema und der Zeit schon vertraut?

          Beim Stichwort Entebbe klingelte etwas. Aber wie so viele habe ich doch wieder einiges mit der Entführung der Landshut nach Mogadischu durcheinander gebracht. Ich hatte also Wissenslücken. Aber nicht zuletzt deswegen war ich auch so überzeugt von dem Film. Die Produzentin Kate Solomon und der Drehbuchautor Gregory Burke hatten sich so lange mit dem Thema Linksextremismus beschäftigt – man spürte wirklich, dass es ihnen um mehr ging als einen coolen Siebziger-Jahre-Actionthriller.

          Sie spielen den Terroristen Wilfried Böse, den Mitgründer der „Revolutionären Zellen“, der maßgeblich an der Entführung eines Airbus der Air France mit etwa 250 überwiegend jüdischen Passagieren nach Entebbe beteiligt war. Wie sehr können Sie sich in solche Radikalität hineinversetzen?

          Das bleibt eine Annäherung. Denn wenn es darum geht, den letzten Schritt zu gehen, also zur Waffe zu greifen und bereit sein zu sterben, hört mein Verständnis doch auf. In mir schlummert wirklich nichts Radikales und Extremes. Aber das kommt natürlich auch auf die Biographie und die Generation an. Aus mir wäre vielleicht auch etwas anderes geworden, wäre ich nicht in einer Zeit und in Umständen aufgewachsen, in der sich die Frage gar nicht stellte, radikal zu werden.

          Ein gewisses Verständnis ist aber durchaus vorhanden?

          Ja, und durchaus auch eine Empathie für die Grundmotivation. Dieser Impuls bei vielen damals in der Achtundsechziger-Generation, etwas gegen den verhassten Staat und dessen dunkle Vergangenheit zu unternehmen, ist ja nachvollziehbar. Aber dann über starkes politisches Engagement hinaus den Extra-Schritt zu gehen, bei dem man auch davon ausgehen muss, dass man sein Leben lässt? Da stoße ich doch an meine Grenzen.

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