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Daniel Brühl im Interview : „Die 40 nervt irgendwie“

  • -Aktualisiert am

Bereuen Sie Entscheidungen von damals?

Nein, ich habe mir auch damals schon genau überlegt, was ich machen will. Aber ich war sehr begeisterungsfähig. Ich war flexibel, und es hat Spaß gemacht, ständig unterwegs zu sein. Das hat sich schon verändert. Man macht sich mehr Gedanken, wie man seine Zeit verbringen will. Und ich bin dann eben im Zweifelsfall mittlerweile doch lieber bei meiner Familie, als dass ich an Sets in einem Wohnmobil herumhocke. Obwohl ich gleichzeitig beruhigt bin zu spüren, dass ich noch für meinen Job brenne und keine Altersroutine eingetreten ist.

Wobei die Routine nicht verwunderlich wäre. Im kommenden Jahr ist es 25 Jahre her, dass Sie das erste Mal vor der Kamera standen.

Klingt echt hart, oder? Daran musste ich neulich schon denken, als ich morgens, noch ganz verpennt, auf der Internet Movie Database entdeckte, dass sie mir ein Mini-Porträt gewidmet hatten. Das sind so kleine Clips von ein oder zwei Minuten, in denen Schauspieler vorgestellt werden. Für mich hatten sie die unglaublichsten Dinge ausgegraben. Sogar einen Ausschnitt aus „Verbotene Liebe“ von 1995. Unfassbar, wie ich da aussah, mit Mittelscheitel und langen Haaren! Hatte ich vollkommen verdrängt. Aber das hat mir mal wieder gezeigt, wie lange ich schon in diesem Beruf bin. Wie meine Freundin Julie Delpy beim letzten Europäischen Filmpreis so schön gesagt hat: Die Tatsache, dass man überhaupt noch da ist, muss man auch zu schätzen wissen. Ich klopfe auf Holz, dass ich nach 25 Jahren noch arbeiten darf.

Daniel Brühl und Lebensgefährtin Felicitas Rombold bei der Berlinale

Gab es denn in all der Zeit auch mal Phasen, in denen das Feuer für die Schauspielerei nicht so intensiv brannte?

Ja. Ich wollte immer raus aus Deutschland und in Amerika meinen Fuß in die Tür kriegen. Das habe ich geschafft. Trotzdem macht man natürlich auch ein paar Dinge, bei denen man merkt, dass die nicht so dolle waren. Die dämpfen auch mal den Enthusiasmus. Aber das gehört eben dazu, das Scheitern ebenso wie das Hineinstürzen in Dinge, aus denen dann nichts wird. Das ist das Spannende an diesem Beruf, der von so vielen Faktoren abhängt, die man nicht voraussehen kann. Auf diese kleinen Abenteuer habe ich nach wie vor Bock.

Wie sind Sie als Jugendlicher überhaupt bei „Verbotene Liebe“ gelandet?

Da ging es für mich vor allem drum, meine ersten Brötchen zu verdienen. Was cool war, weil ich mir tatsächlich mein erstes eigenes Mountainbike kaufen konnte von dem Geld. Aber ich hatte noch nicht ernsthaft die Ambitionen, Schauspieler zu werden. Das war damals in Köln eine kleine Welt. Die Serie war eine WDR-Produktion. Irgendwer muss mich da empfohlen haben, weil er mich über meine Hörspiel-Jobs oder meine Familie kannte – mein Vater war Fernsehregisseur beim WDR. In einer Agentur für Kinderschauspieler war ich auch schon vertreten. „Verbotene Liebe“ war mein erster echter Job: Ich spielte einen schwierigen Jungen von der Straße namens Benji, mit schlechter Lederjacke und einer Ratte auf der Schulter. Nach einigen Folgen wurde mir das allerdings zu bunt, und ich bin ausgestiegen. Ich weiß gar nicht mehr, ob sie mich haben sterben oder nach Australien auswandern lassen. Für mich war nur wichtig, dass ich nicht wiederkommen muss.

Zur Person

Seine zweite Tapas-Bar in Berlin musste er zwar im vergangenen Jahr schließen – doch ansonsten läuft es gut bei Daniel Brühl. Seit anderthalb Jahren sind seine Lebensgefährtin und er glückliche Eltern eines Sohns, und beruflich ist der Wahl-Berliner, der am 16. Juni 40 Jahre alt wird, präsent wie lange nicht. Auf Netflix ist gerade seine neue Serie „The Alienist – Einkreisung“ angelaufen, in der er an der Seite von Luke Evans und Dakota Fanning die Hauptrolle spielt. Im Kino ist er von diesem Donnerstag an als Terrorist Wilfried Böse in „7 Tage in Entebbe“ zu sehen. (F.A.Z.)

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