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Daniel Brühl im Interview : „Die 40 nervt irgendwie“

  • -Aktualisiert am

Ihre Filmpartnerin Rosamund Pike – sie spielt die Terroristin Brigitte Kuhlmann – hat erzählt, dass Sie ihr bei den deutschen Dialogen geholfen haben.

Ja. Sie hatte zwar einen tollen Sprachcoach, aber ich fand mich auch oft in der Rolle des Deutschlehrers wieder. Das hat mir richtig Spaß gemacht, auch weil ich es meistens andersherum kenne, wenn ich englischsprachige Filme drehe. Es war bis zum Schluss nicht klar, ob die Produzenten sich aus Vermarktungsgründen trauen, eine Version mit deutschen Dialogen und Untertiteln ins Kino zu bringen. Deswegen haben wir jede Szene erst auf Deutsch und dann auf Englisch gedreht. Aber Rosamund und ich waren uns in jeder Szene einig, dass die deutsche Fassung die bessere war und die englische an Kraft verlor. Das sollte man später auf DVD mal im direkten Vergleich zeigen!

Sie selbst dürften doch im Englisch nach jahrelanger Dreherfahrung keine Probleme mehr haben, oder?

Natürlich gibt es immer mal Unsicherheiten oder Stolperer. Nicht bei den großen Worten, sondern bei den Kleinigkeiten. Aber insgesamt ist mein Englisch schon sehr gut geworden. Ich finde es schön zu spüren, dass das Gehirn selbst in meinem Alter noch etwas ranschaffen kann. Wobei nichts so sehr hilft wie intensive Zeit, die man mit Muttersprachlern verbringt. Während der Arbeit an der Serie „The Alienist“ habe ich zum Beispiel sechs Monate lang nur Englisch gesprochen. Da wird der Wortschatz immer größer, und man fühlt sich stetig sicherer.

Im Juni werden Sie 40 Jahre alt.

Ja, die 40 nervt irgendwie. Natürlich ist es eigentlich Quatsch, das Leben numerisch in Dekaden zu unterteilen, man sollte ganz andere Abschnitte nehmen. Aber ich kann mich dem dann doch nicht entziehen. So wie ich an Weihnachten und Silvester ganz wehmütig werde. Der 1. Januar, wenn alles von vorne losgeht, ist für mich immer ein ganz schlimmer Tag. Obwohl ich weiß, dass das eigentlich nichts bedeutet. Die Woche vor meinem 40. Geburtstag werde ich also mit Sicherheit eher etwas muffelig gestimmt sein.

Ziehen Sie eine positive Bilanz?

Ja, vor allem, was die Familie angeht. Auch weil der Job gerade ein bisschen weniger wichtig wird. Ich kann durchaus ein sehr negativer, fast destruktiver Mensch sein, der zu selbstkritisch ist. Inzwischen habe ich aber festgestellt, dass ich zu oft zu viel Zeit mit den falschen Gedanken verbracht habe. Heute merke ich, dass vieles am Ende auch egal ist. Und das hat natürlich viel mit dem kleinen Racker zu tun, den ich jetzt zu Hause habe. Das ist ein sehr gutes Gefühl. Die 40 kann also kommen.

Ihre Kolleginnen werden immer gern gefragt, wie sie Kind und Karriere unter einen Hut bringen. Dabei gilt die Frage für Väter wie Sie ja genauso.

Sicher. Plötzlich spielen andere Faktoren in die Entscheidungen hinein, wenn es um Rollenangebote oder Reisen geht. Bislang ist mein Sohn noch so klein, dass wir noch flexibel sind. Aber bald ist das ein echtes Thema. Das finde ich aber auch gut. Dann muss ich eben nicht mehr alles machen. Brauche ich dann auch nicht mehr. Mit Anfang 20 habe ich noch fast alles zugesagt, weil ich Angst hatte, etwas zu verpassen. Das ist jetzt definitiv anders.

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