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Dan Aykroyd im Porträt : Die Geister, die er rief, sind immer schon da

Was von ihm bleiben soll? Gar nichts, sagt Dan Aykroyd. Ihm wäre es recht, wenn Außerirdische seinen Körper in einem Raumschiff abtransportierten. Bis dahin aber hat er noch einiges vor Bild: INTERTOPICS/eyevine

Er war Blues Brother auf göttlicher Mission und Ghostbuster in zwei Filmen. Jetzt hat Dan Aykroyd eine neue Erfüllung gefunden: Er verkauft seinen eigenen Wodka. Eine Zugreise.

          Wunstorf. Es passiert nicht alle Tage, dass ein echter Hollywood-Star hier vorbeischaut, aber Dan Aykroyd ist nun tatsächlich da. Wenn auch nicht ganz freiwillig. Seit einer halben Stunde schon steht der ICE mit dem Schauspieler an Bord im Wunstorfer Bahnhof herum, und keiner weiß, wann es weitergeht: Auf der Strecke sind Personen auf den Gleisen, die Bundespolizei ist im Einsatz. Der Zug, bereits in Düsseldorf verspätet losgefahren, wird Hannover deutlich später erreichen, der Anschlusszug nach Hamburg ist längst weg. Aykroyd ist Eisenbahn-Fan, seine kleine Europa-Tour hat er unbedingt auf Schienen machen wollen. Die Reise mit der Deutschen Bahn kann er nun länger auskosten, als er es sich vorgestellt hatte.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch nicht der Züge wegen ist Aykroyd unterwegs. Nach Europa geführt hat den Schauspieler, der dank Filmen wie „Blues Brothers“ und „Ghostbusters“ eine Zeitlang ein Weltstar war und noch heute vielen als Kultstar gilt, ein Wodka. Sein Wodka. Denn Aykroyd, der in mehr als siebzig Kinofilmen mitspielte, der 1989 als Nebendarsteller in „Driving Miss Daisy“ für den Oscar nominiert wurde und der noch immer gelegentlich mit seiner Blues-Brothers-Band auftritt, ist heute hauptberuflicher Spirituosen-Unternehmer.

          2008 hat er seinen Wodka „Crystal Head“ auf den Markt gebracht, in der von seinem Geschäftspartner, dem Künstler John Alexander, entworfenen Flasche in Form eines Kristallschädels. Dutzende dieser Flaschen soll Aykroyd später am Nachmittag in Hamburg signieren (und verkaufen), doch angesichts der Zugverspätung werden die Organisatoren seiner Deutschland-Tour, Stefan Fabinger und Benjamin Biermann von Aykroyds Vertriebspartner Sélection Prestige, allmählich nervös. Aykroyds Entourage, angeführt von seiner Frau Donna Dixon, ist nicht groß, doch die Zahl ihrer Koffer ist beträchtlich, was eine entspannte Weiterreise ohne Platzreservierung nicht wahrscheinlich macht.

          „Mann der tausend Gesichter“

          Dan Aykroyd aber ist die Ruhe selbst. Höflich bittet er zum Gespräch in den Speisewagen und bestellt, nein, keinen Wodka, sondern ein Bier. So ganz will Aykroyd, schwarzer Anzug, schwarzes Hemd und glänzende Krawatte, ins beengt-biedere Bordbistro-Ambiente nicht passen, auch weil er mit den Jahren deutlich stattlicher geworden ist. Am Vorabend in einer Düsseldorfer Bar hatten einige Mitspieler der dort aufspielenden Blues-Brothers-Tribute-Band Dan Aykroyd beinahe ähnlicher gesehen als er selbst. Dass er noch der Alte ist, hörte man dann, als er persönlich ein paar Klassiker ins Mikro röhrte: „Give me money! That’s what I want.“

          Duo: „Blues Brothers“ Aykroyd (r.) und John Belushi

          Geld kann es eigentlich nicht sein, was diesen Mann mit seinen 62 Jahren an rund neunzig Tagen im Jahr in Sachen Wodka um die Welt treibt. Was aber dann? „Ich hatte nach dreißig tollen Jahren im Showgeschäft etwas Neues gesucht“, erzählt Aykroyd. „Ich möchte in meinem Leben die Dinge geregelt kriegen, solange ich mich bewegen kann. Noch bin ich mobil, jetzt ist die Zeit.“ Natürlich, er räumt es ein, habe es eine Rolle gespielt, dass die interessanten Filmangebote weniger wurden. Für so groß aber, wie er Außenstehenden erscheinen mag, hält er seinen Schritt gar nicht: „Auch als Künstler in Film, Fernsehen oder Radio bist du Teil eines Geschäfts. Ich habe immer für mich selbst verhandelt.“

          Als Manager seiner Karriere hat Dan Aykroyd oft goldrichtig entschieden. Wie die „Businessweek“ gerade errechnete, hat von allen Stars, die mit der Fernseh-Comedy „Saturday Night Life“ groß wurden, mit seinen Kinofilmen am meisten Kasse Eddie Murphy gemacht, dann aber kommt schon Aykroyd - vor Größen wie Robert Downey Jr., Bill Murray, Adam Sandler, Chris Rock, Will Ferrell. Als Aykroyd 1975 in New York anfing bei „SNL“, war der Kanadier der jüngste der Truppe, ein Comedy-Wunderkind, das anscheinend mühelos in verschiedenste Rollen schlüpfte. Man pries ihn als „Mann der tausend Gesichter“, der zudem mit ebenso vielen Stimmen und Akzenten sprach: als Richard Nixon, als schmieriger Verkäufer, oder, an der Seite Steve Martins, als Möchtegern-Hipster aus der Tschechoslowakei.

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