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„Stay At Home“ : Plötzlich ist Skirennfahrer Manuel Feller ein Reggae-Musiker

Skirennfahrer Manuel Feller im Januar 2019 beim Weltcup in Wengen. Bild: Denis Balibouse

Manuel Feller ist eigentlich professioneller Skirennfahrer. Während der Corona-Krise sorgt der Österreicher aber mit anderen Fähigkeiten für Aufsehen – und tut dabei noch etwas Gutes. Weil er ein Angebot erhält, das er einfach nicht ablehnen kann.

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          Normalerweise rast Manuel Feller steile Berghänge hinab. Über Schnee und Eis, mit halsbrecherischem Tempo, Grazie und voller Konzentration. Eine Silbermedaille bei den Olympischen Spielen hat der Slalom-Spezialist so schon gewonnen, ebenso eine bei den Weltmeisterschaften. Feller ist ein Kind der Berge, daheim in der Marktgemeinde Fieberbrunn zwischen saftigen Wiesen, Flussläufen und hohen Gipfeln. Sein Beruf: professioneller Skirennfahrer. Das passt also. 

          Sich den österreichischen Blondschopf aber auch mal woanders vorzustellen, am Strand von Negril zum Beispiel, fällt derzeit nicht schwer. Lässig in einen Liegestuhl gelehnt vielleicht, die Zehen tief in den kühlen Sand vergraben. In der Hand könnte ein Cocktail sein, eine Piña Colada möglicherweise, ziemlich sicher irgendwas mit Rum. Davon gibt es auf Jamaika schließlich genug. Im Hintergrund hört man Meeresrauschen. Und aus den Boxen der kleinen Bar unter den Palmen dröhnt lässiger Offbeat. Ganz aktuell in der Rotation: Anthony B, international bekannter Reggae-Musiker, gemeinsam mit, kein Witz, Manuel Feller. 

          Musik für Jamaika

          Zurück in der Realität. Tatsächlich staunte die Sport- und Musikwelt kürzlich nicht schlecht, als auf den Streaming-Plattformen der Titel „Stay At Home“ erschienen ist. Von und mit Manuel Feller. Dem Manuel Feller aus den Bergen, der zwar großer Reggae-Liebhaber ist, seine Gesangsstimme bislang aber bestenfalls aus Spaß oder Langeweile in kurzen Videos für seine Fans in den sozialen Netzwerken aus dem Keller geholt hat. Gemeinsam mit dem Musiker Anthony B machte er nun aber Nägel mit Köpfen – und mit „Stay At Home“ auf die Problemlage aufmerksam, die das Coronavirus weltweit ausgelöst hat, von den Tiroler Alpen bis in die Karibik. Ihre zentrale Botschaft: Bleibt zu Hause! Wer sich an die Bestimmungen und Vorgaben hält, könne weiterhin Leben retten. 

          Es ist ein Schulterschluss zwischen zwei Menschen, die geografisch noch so weit voneinander getrennt sein können, in der Krise aber doch vereint sind. Das Besondere: Sämtliche Erlöse aus dieser Zusammenarbeit sollen sozialen Projekten zugutekommen. Das zu betonen, ist dem 27 Jahre alten Spitzenathleten wichtig. Er habe überhaupt kein Interesse daran, Geld für sein Engagement anzunehmen. „Das brauchen andere nämlich gerade viel dringender als ich.“ 

          Spenden will er seine Einnahmen größtenteils der deutschen Organisation „Help Jamaica“. „Auf Jamaika verhungern noch immer Menschen, weil sie nichts zu essen haben. Das passiert, noch bevor sie überhaupt in Kontakt mit dem Coronavirus kommen.“ Deshalb wolle er helfen, so schnell es geht und so viel es geht. Wie viel Geld zusammenkommen wird? Da habe er überhaupt keine Ahnung. Schließlich ist es sein erstes Engagement als Musiker. „Vielleicht 200, vielleicht 2000 Euro“ Wenn es am Ende mehr sei, würde ihn das natürlich freuen, dann würde er auch Einrichtungen in Österreich unterstützen. Eine Hälfte ginge dann über den Atlantik, die andere bliebe in der Heimat. Auch sein musikalischer Partner Anthony B wird seinen Anteil nicht für sich behalten. „Er kennt viele Leute auf der Insel, die Unterstützung brauchen. Überhaupt hilft er dort schon seit vielen Jahren, wo er nur kann. Das machen viele jamaikanische Künstler, das ist für die meisten selbstverständlich.“  

          Eine überraschende Nachricht

          Aber wie ist es überhaupt dazu gekommen, dass ein österreichischer Skirennfahrer und ein jamaikanischer Reggae-Star gemeinsam einen Song aufnehmen? Nun, da wären wir dann wieder am Anfang der Geschichte und bei den kurzen Videos in den sozialen Netzwerken. Ein Mitglied der Band „House Of Riddim“, die Anthony B seit Jahren auf Tourneen begleitet, hat ein solches Video, auf dem Feller über einen Beat im Hintergrund singt, bei Instagram gesehen. Und offenbar für gut befunden. Plötzlich landete eine Nachricht in Fellers Postfach und damit auch das Angebot für die Kooperation. 

          Sein erster Gedanke sei gewesen, dass es sich dabei um einen Scherz handele, erzählt der junge Neu-Musiker, der sich aktuell unter anderem mit Konditionstraining auf die anstehende Wintersport-Saison vorbereitet. Doch aus den anfänglichen Zweifeln wurde schnell die Überzeugung, dass man „so ein Angebot ja eigentlich nicht ausschlagen kann“. Schon gar nicht, wenn man großer Fan des Künstlers ist, mit dem man da zusammenarbeiten soll. Und darf und kann. Dann sei alles ganz schnell gegangen. Die nötige Technik schickte ihm das Bandmitglied mit der Post zu, nach einigen Probedurchläufen sang er seinen Part ein. Schluss, aus, fertig. Der Song war im Kasten und kurz darauf auch schon veröffentlicht. „Meinem Papa gefällt’s“, erzählt Feller lachend, „die Mama aber hat es mit der Musik generell nicht so“. Dafür hätten ihm viele Freunde geschrieben, auch Biathlet Dominik Landertinger oder Skirennläufer Marco Schwarz hätten sich gemeldet und zu seiner Leistung gratuliert. 

          Doch bevor es weitergeht mit seiner Zweitkarriere, steht für Feller jetzt erst mal wieder der Sport im Vordergrund. Neben Einheiten über Video-Plattformen hat vor wenigen Tagen ein Trainingslager stattgefunden. Da ist es wieder in den Schnee gegangen und vor allem auch den Schnee hinab, mit viel Tempo, Grazie und voller Konzentration. Vor der Anreise und auch vor der Abreise wurde er jeweils auf das Coronavirus getestet, das waren die Vorgaben der österreichischen Regierung. 

          Und jetzt? „Ich hoffe, dass es wieder einen Skiwinter geben wird und Wettkämpfe stattfinden. Aber das hängt natürlich stark von den Entwicklungen über den Sommer hinweg ab.“ Sollte es so kommen, wie Feller sich das wünscht, müssten sich seine Fans wohl wieder mit kurzen Videos bei Instagram und Co. begnügen, wenn sie das Kind der Berge über karibische Rhythmen singen hören wollen. Aber der Grundstein für eine Laufbahn als Musiker auch abseits der sozialen Netzwerke ist immerhin gelegt. 

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