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Übt jetzt allein zu Hause: Bassposaunist Uwe Füssel Bild: Privat

Bassposaunist über Homeoffice : „Da dreht man als Orchestermusiker irgendwann am Rad“

Ein professioneller Orchestermusiker muss täglich proben, um nicht aus der Übung zu kommen. Das gestaltet sich im Homeoffice eher schwierig. Ein Bassposaunist erzählt, wie es trotzdem klappt.

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          Herr Füssel, normalerweise sitzen Sie im Orchestergraben der Bayerischen Staatsoper und spielen Bass- und Kontrabassposaune. Nun übt das Orchester im Homeoffice. Haben sich die Nachbarn schon beschwert?

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Nein, bislang stört es offenbar niemanden, da habe ich Glück. Manche Nachbarn fragen mich im Treppenhaus, warum ich dieses oder jenes Stück nicht mehr spiele, das sei so schön gewesen. Aber einige Kollegen haben es nicht so gut, es gibt Nachbarn, die darauf bestehen, dass auf der Tuba nur höchstens eine Stunde gespielt wird.

          Homeoffice ist für Orchestermusiker eigentlich schwer vorstellbar.

          Es kommt darauf an, wie man wohnt. Manche Musiker haben sowieso einen schallgedämpften Übungsraum im Keller oder unter dem Dach, da ist das kein Problem. Wenn man aber in einer Mietswohnung wohnt, so wie ich, dann will man niemanden auf die Nerven gehen, zumal jetzt viele von zu Hause aus arbeiten müssen.

          Wie arrangiert man sich da?

          Ich halte die Mittagszeit von 13 Uhr bis 15 Uhr ein, spiele nicht am frühen Morgen und nicht nach 20 Uhr. Und ich spiele jetzt nicht gerade die Ouvertüre vom „Wilhelm Tell“ oder „Heldenleben“, das geht durch alle Wände. Und bei Kraftübungen, wenn mehr Druck ausgeübt wird, wenn mehr Luftgeschwindigkeit zum Einsatz kommt, nehme ich den Dämpfer. Überwiegend versuche ich also, in Zimmerlautstärke zu üben. Es gibt seit dieser Woche auch wieder die Möglichkeit, in der Oper einen Raum zum Proben zu nutzen, aber immer nur für eine Person. Das wollen viele, daher ist das Probenproblem nicht sofort gelöst.

          Üben Sie gerade ein bestimmtes Stück ein?

          Nein, die Spielzeit ist ja frühzeitig beendet worden. Wann genau und mit welchem Programm es weitergeht, wissen wir noch nicht. Aber wir üben täglich, genau wie Leistungssportler, um im Training zu bleiben.

          Wie hat man sich das vorzustellen?

          Ich mache meine täglichen Warm-Ups, um die Lippen-Muskulatur zu trainieren, den Apparat zu checken, wie wir das nennen, sonst wird die Muskulatur hart. Tonleiterstudien, Töne aushalten, Artikulationen wie legato oder marcato. Geübt wird da die Art und Weise, wie Töne erzeugt und betont werden. Gerne spiele ich auch Gesangsstudien auf der Posaune, die man ohne Anstoß spielt, das geht auch ganz gut in der Wohnung.

          In welchem Zimmer üben Sie?

          Meistens dort, wo ich am weitesten weg bin vom Rest der Familie. Wenn mein Sohn im Arbeitszimmer den Computer braucht, dann spiele ich in der Küche. Wenn er in seinem Zimmer ist, spiele ich im Wohnzimmer oder im Flur.

          Was sagt Ihre Frau dazu?

          Meine Frau freut sich, wenn wieder Normalität einkehrt und ich endlich wieder jeden Tag in die Oper gehe.

          Stört Sie das Üben zu Hause?

          Für eine begrenzte Zeit geht das alles. Aber wie meine Kollegen vermisse ich den Orchestergraben sehr, ich habe mich ja bewusst für die Oper und nicht für ein Sinfonie-Orchester entschieden. Mir fehlen die Bühne, die Sänger, die Kostüme. Und natürlich das Orchester. Das ist ein Kollektiv, das ist wie im Mannschaftssport. Nach Wochen der Enthaltsamkeit muss man wieder zusammenkommen: Entweder im Orchestergraben, oder, wenn das nicht geht, eben interaktiv. Die ganze Zeit im Homeoffice, da dreht man als Orchestermusiker irgendwann am Rad.

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