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Corona-Hilfe : Jetzt kommen die Kiezretter

In Wilmersdorf: Die Eva-Lichtspiele sind mit 106 eines der ältesten Kinos in Berlin. Bild: Eva-Lichtspiele

Wird es die Eckkneipe und das Lieblingskino nach der Corona-Krise noch geben? Immer mehr Initiativen wollen das sicherstellen.

          5 Min.

          Einen Cappuccino im Lieblingscafé an der Ecke trinken, in der Buchhandlung am Marktplatz stöbern oder in der Boutique in der Nachbarschaft: Viele Stadtbewohner, deren Alltag sich gerade besonders verändert, träumen in diesen einsamen Corona-Tagen davon, endlich wieder durch ihr Viertel bummeln zu können. Doch in diese Tagträume mischen sich Sorgen: Was, wenn die Läden in der Nachbarschaft die erzwungene Schließung finanziell nicht überstehen und pleite gehen?

          Leonie Feuerbach
          Redakteurin in der Politik.

          Manche Restaurants und Cafés haben zumindest durch Mitnahme oder Lieferung noch ein paar Einnahmen – andere Geschäfte nicht. Wer holt sich schon in der Stammkneipe ein Bier zum Mitnehmen für vier Euro? Auch Friseursalons und Kinos können ihre Dienste weder online noch zum Mitnehmen anbieten.

          Doch in der Krise entstehen immer neue Ideen. Mit Corona-Partys und Hamsterkäufen standen zunächst vor allem die Schattenseiten menschlichen Verhaltens im Fokus. Tatsächlich zeigen aber viele auch Hilfsbereitschaft und Solidarität: Bierbrauer stellen Desinfektionsmittel her, Staubsaugerhersteller Schutzmasken, und Nachbarn sammeln für ihre Lieblingsläden. Binnen zwei Wochen sind unzählige Plattformen entstanden, die den Einzelhandel retten wollen: „Helfen.Berlin“, „Helfen.München“, „Kiezretter“, „Veedelsretter“, „Kauf nebenan“, „Support Your Local“, „Frankfurt gibt dir“ und „Pay Now Eat Later“. Letztere hat schon Essensgutscheine im Wert von mehr als einer halben Million Euro verkauft.

          Teils werde behauptet, Gutscheine verlagerten das Problem nur, sagt Patrick Kosmala, Mitgründer von „Pay Now Eat Later“. „Aber zum einen helfen sie den Gastronomen, jetzt liquide zu sein und nicht in drei Monaten. Und zum anderen weiß man, dass im Schnitt nur 60 bis 70 Prozent aller Gutscheine eingelöst werden.“

          Auf anderen Plattformen kann man zwischen Gutschein und Spende wählen, etwa bei „kiez-retter.de“. Die Plattform ist aus dem „WirVsVirus“-Hackathon hervorgegangen, einer Aktion der Bundesregierung und sozialer Initiativen zum kreativen Umgang mit der Corona-Krise. Zunächst wollten die Kiezretter vor allem Spenden für Nachbarschaftsläden sammeln. Als klar wurde, dass schon zahlreiche Plattformen mit diesem Zweck entstanden waren, machte sich die Gruppe stattdessen zum Ziel, die vielen Angebote an einem Ort zu bündeln und so übersichtlicher zu machen. „Wir wollen nicht mit anderen Plattformen konkurrieren. Uns ist es auch recht, wenn ein Unternehmen über eine andere Plattform gefunden wird“, sagt Lucas Lamby, Gründungsmitglied von „Kiezretter“. Tatsächlich sind bloß rund 60 Unternehmen bei der Plattform selbst registriert, man findet aber auf ihr fast 2000 Geschäfte, auch solche, die auf Plattformen wie „Startnext“ Crowdfunding-Kampagnen gestartet haben. Im Gegensatz zu anderen Seiten geht das dort auch via Google-Maps. „Das ist technisch etwas anspruchsvoller und somit unser Mehrwert“, sagt Lamby.

          Ein besonderes Konzept verfolgt die Plattform „Kauf nebenan“. Sie gehört zu nebenan.de, einer Art Facebook für Nachbarn, das sein Geld normalerweise unter anderem damit verdient, dass Geschäfte dort für ihre Profile bezahlen. Wegen der Corona-Krise sind die Profile nun kostenlos, zudem kann gespendet werden, auch Gutscheine gibt es bei „Kauf nebenan“. Seit Anfang der Woche verdoppeln verschiedene Unternehmen die gezahlte Summe mit einer Spende. Im Unterschied zu anderen Plattformen müssen sich Läden zudem nicht zuerst registrieren. Nutzer können angeben, für welches Café oder welche Boutique sie spenden möchten. Die Plattform tritt dann in Kontakt mit dem entsprechenden Geschäft. Sollte das zum Beispiel schon insolvent sein, geht die Spende in einen allgemeinen Topf für die entsprechende Nachbarschaft. „So kommt es nicht vor, dass jemand helfen will, aber nicht kann“, sagt Lukas Fellhauer von nebenan.de. In den ersten drei Tagen wurden so 50 000 Euro an Spenden und Gutscheinen generiert. „Wir hoffen, dass das erst der Anfang ist“, sagt Fellhauer. Denn auch wenn sich nebenan.de eher als Plattform für Nachbarn als für Geschäfte betrachtet: „Zu einer lebendigen Nachbarschaft gehören auch lokale Gewerbe. Da treffen sich schließlich Nachbarn.“

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