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Corona bedroht Tradition : Edmund Stoiber kämpft für die Flößer

1,5 Meter Abstand? Schwierig auf einem Floß. (Archivbild) Bild: dpa

Die Corona-Pandemie legt die bayerische Floßkultur trocken: Hygienekonzepte können sie nicht umsetzen, bei staatlicher Unterstützung fallen sie durchs Raster. Nun hat sich ein prominenter Fürsprecher gefunden.

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          Wolfratshausen ist nicht nur bekannt für den Wrestler Murat Bosporus und für das vielleicht berühmteste Frühstück der Welt, sondern auch für seine Floßkultur – nicht umsonst nennt sich die Stadt, gelegen in den Flusstälern von Loisach und Isar, auch die „Flößerstadt“. Der vielleicht berühmteste Sohn der Stadt, zugleich einer der Teilnehmer des besagten Frühstücks, Edmund Stoiber, hat nun, wohl beim Frühstück, in seinem unweit der Floßlände an der Loisach gelegenen Haus im „Isar-Loisachboten“ gelesen, dass es den drei Flößereibetrieben in seinem Landkreis besonders schlechtgehe, unter anderem, weil sie, was staatliche Unterstützung betrifft, durch viele Raster fallen.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Monika Heidl-Seitner von der Flößerei Franz Seitner erklärt es der F.A.Z.: Im Sommer 2020, als andere aufmachen durften, saßen sie komplett auf dem Trockenen, weil sie auf den Flößen keine Hygienekonzepte umsetzen können. In den Monaten, für die es Hilfen gibt, haben sie nie Umsatz, weshalb sie keinen Anspruch auf November- oder Dezemberhilfe haben.

          Weil Stoiber selbst einmal Ministerpräsident war, wusste er, an wen man sich mit derlei wendet – und schrieb einen Brief an Markus Söder. Darin wies er auf die Not der Flößer hin und hob hervor, dass die Betroffenen sich nicht persönlich an ihn gewandt hätten – derlei Versicherung von einem CSU-Politiker kann in diesen Tagen nicht schaden. Im Gespräch mit der F.A.Z. hob Stoiber „die kulturelle Bedeutung“ der Floßfahrt „für ganz Südbayern“ hervor.

          Auf den Hinweis, dass sich diese in München, wo die Feierflöße ankommen, auch in lauter Partymucke dokumentiere, sagte Stoiber, dass schon im Mittelalter auf Flößen Waren auf der Isar nach München transportiert worden seien. Auch hob er auf die alle drei Jahre stattfindenden, von ihm regelmäßig besuchten Prozessionen auf den Flößen ab. Lasse man die Flößereien sterben, kappe man die Verbindung zu diesen Traditionen.

          Wandte sich mit einem Brief an Markus Söder: Edmund Stoiber
          Wandte sich mit einem Brief an Markus Söder: Edmund Stoiber : Bild: dpa

          Den Brief an den Ministerpräsidenten hat Stoiber kunstvoll komponiert. Er beginnt mit Lob für die Klarheit im Kampf gegen die Pandemie und endet doch mit dem Eigentlichen: „Insbesondere als Ehrenbürger der Flößerstadt Wolfratshausen wäre ich Dir dankbar, wenn Deine Regierung sich dieser dramatischen Situation für die Flößereien annehmen würde.“

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