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Ein Geek im Gespräch : „Man muss raus aus der Komfortzone“

  • -Aktualisiert am

Autor Smith: Die Frau seines Lebens hat er schon gefunden. Jetzt verrät er anderen, wie das funktioniert. Bild: Kyle Cassidy

Der Autor Eric Smith vertreibt sich die Zeit mit Comics und Videospielen, für viele Frauen macht ihn das zur suspekten Gestalt. Nun hat er die Richtige gefunden und will anderen Geeks helfen, das auch zu schaffen. Ein Gespräch über die Nöte spezieller Singles.

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          Herr Smith, Glückwunsch zur Verlobung! Wie um Himmels willen haben Sie das denn geschafft?

          Ich dachte lange, ich könnte nur mit jemandem zusammen sein, der acht Stunden am Stück „Halo“ spielt, „Raumschiff Enterprise“ schaut und jede Woche neue Comics kauft, gleich am Erscheinungstag. Und dann habe ich diese Frau bei einem Single-Portal gefunden.

          Was - nicht im Comicladen oder bei einer Games-Convention?

          Nein, sie ist kein Geek. Sie interessiert sich weder für Videospiele noch für Comicbücher und hat noch nie „Krieg der Sterne“, „Indiana Jones“, „Herr der Ringe“ oder irgendetwas anderes aus dem Geek-Kanon gesehen. Sie steht mehr auf Mode, ist Sozialarbeiterin für Veteranen, interessiert sich für Militärrecht. Gegensätze ziehen sich an!

          Und wieso hat’s trotzdem gefunkt?

          Zum Geburtstag, da kannten wir uns fünf Monate, schenkte sie mir eine Schaufensterpuppe, damit ich meinen Master-Chief-Anzug aus dem Videospiel „Halo“ in meinem Wohnzimmer aufstellen konnte - da war mir klar: Das ist die Frau meines Lebens.

          Den Anzug hatten Sie sich von dem Geld gekauft, den der Verlobungsring Ihrer untreuen Ex einbrachte, und tragen ihn mitunter auch auf der Straße. Nach all dem Pech mit den Frauen schrieben Sie dann ein Buch mit Datingtipps für Geeks. Wieso brauchen die besondere Hilfe beim Suchen und Finden der Liebe?

          Wir fürchten oft, dass Dinge, die uns wichtig sind, von anderen verachtet werden oder unattraktiv wirken. Manche schreckt es ab, wenn jemand dauernd Computerspiele spielt oder eine Tonne Comicbücher hat. Deshalb wollte ich signalisieren: Schämt euch nicht, seid ihr selbst, mit allem, was euch anders macht.

          Sie haben die „Geek Awards“ in Philadelphia gegründet, arbeiten für einen nerdigen Buchverlag. Was genau sind Ihre Spezialinteressen?

          Ich bin ein großer Videogamer, seit „Super Nintendo“ rauskam, ich lese viel, gehe jeden Mittwoch in den Comicbuchladen, um Nachschub zu holen. Bei mir zu Hause stehen ein Daft-Punk-Helm, ein Master-Chief-Helm und ein „Rocketeer“-Helm. Es gibt viele, die Videospiele mögen - aber ich bin schon extrem.

          Seit wann ist das so?

          Schon als ich zehn war, saßen mein Freund Miguel und ich hinten im Bus und lasen Videospiel-Magazine. Jeden Tag auf dem Weg zur Schule und zurück. Wir haben mit keinem geredet, waren unbeliebt. Es war nicht so cool, ein Nerd zu sein. Aber als ich nach Philadelphia zog, waren alle schon hier: die ganzen Hacker, Designer, Programmierer, eine sehr freundliche, enge Gemeinschaft. Wir sind keine Eigenbrötler, das sieht man an „World of Warcraft“ - da hängt man ja schon beim Spielen zusammen ab.

          Haben Sie Frauen beim Kennenlernen Ihre Hobbys eigentlich verschwiegen?

          Na ja, es gingen früher schon ein paar Dates daneben, als rauskam, was ich in meiner Freizeit mache. Aber in meinem Online-Dating-Profil stand: Ich suche jemanden, der sich mit mir bei der nächsten Zombie-Apokalypse versteckt. Meine Freunde rieten mir: Lass das weg, so findest du keine! Und ich meinte nur: Na, dann wird es nicht die Richtige sein.

          Sie schlagen in Ihrem Buch vor, die in den Vereinigten Staaten typischen Datingregeln über Bord zu werfen. Wieso?

          Ach, ich finde die einfach blöd. „Warte vier Tage, bevor du sie anrufst“, „Ein Anruf sollte nicht länger als fünf Minuten dauern“ - oh Mann, wie albern. Wenn du jemanden kennenlernen willst, dann mach einfach.

          Zweites Date, zweites Leben, zweites Level: Die Strategien sind ähnlich.

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