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Coachella in Kalifornien : Ist das noch ein Festival – oder kann das weg?

  • -Aktualisiert am
Mal was Neues: Alles, was bunt und außergewöhnlich ist, kommt auf dem Coachella-Festival gut an.

Farinas Styling für ihre Laufstegfrisur ist gesponsert von Haarprodukte-Hersteller ghd. Die Fahrt von Los Angeles zum Hotel in Palm Springs wird finanziert von BMW, dessen Team für seine Instagram-Kampagne #ROADTOCOACHELLA Dutzenden Influencern aus aller Welt bunt lackierten Sportwagen zur Verfügung stellt. Auf einem ihrer ersten Posts aus der Wüste kennzeichnet sie mit Tags gleich mehrere Schmuckfirmen: „wildandfreejewellery“, „mirellajewellery“, „strawberryandcreamofficial“, „arianeernstjewelry“. Diese Marken erwähnt sie entweder aus Freundlichkeit – oder weil sie Produkte, Services oder Geld für die Markierung im sozialen Netzwerk bekommt.

Glitzer schreit in diesem Jahr aus allen Ecken, dazu Überbleibsel der Boho-Looks, die in den vergangenen Jahren so angesagt waren. Die Marken, die Influencer zur Kooperation eingeladen haben, veranstalten exklusive Pool-Partys und teilweise ihre ganz eigenen Mini-Coachellas. So räkelte sich die deutsche Instagram-Größe Caro Daur am Wochenende in der Wüstenvilla der italienischen Taschenmarke Furla in der Sonne. Auch Nina Suess und Xenia Overdose waren da. Stefanie Giesinger tanzte bei der Coachella-Party der Jeansmarke Levi’s sportlich-sexy im maßgeschneiderten Levi’s-Outfit zu Snoop Dogg. Revolve, eine sehr kalifornische Online-Bekleidungsmarke, die vielen Instagram-Stars aus aller Welt nahe ist, organisierte in diesem Jahr gar ein eigenes Revolve Festival: drei Tage Programm, mit Auftritten von Rapper Asap Rocky und, schon wieder, Snoop Dogg. Für einige der Gäste keine große Sache. Kendall Jenner posierte entspannt auf einer Eck-Couch am Pool und markierte Revolve dann später in ihrem Instagram-Post. Zwei Millionen Menschen gefällt das, weitere Millionen werden es gesehen haben.

Gibt es eine effektivere Werbestrategie? Hier, inmitten der Wüste, im Schatten von staubigen Bergen und trockenen Palmen, trägt Marketing seine reifsten Früchte. Hier sind die Künstler gesponsert, die Getränke, ja selbst die Gäste. Überall werden den Besuchern Proben in die Hand gedrückt oder Markenprodukte ins Gesicht gehalten. Adidas gibt gratis Schuhe heraus, wenn man den Markennamen online mit einem Hashtag markiert, die Seifenmarke Method verteilt vor den Campingduschen ihren unendlichen Vorrat an Probefläschchen. (Wer will, kann daneben ein Foto in einer großen Seifenblase machen.) Heineken sponsert Bier und Bars, Hewlett-Packard zeigt psychedelische 3D-Bilder in einem Häuschen auf dem Festivalgelände.

Und alles scheint so unglaublich fotogen. Die riesengroßen Kunstfiguren, im Gras des überfüllten Festivalgeländes ausgestellt, sind der perfekte Hintergrund für den natürlichen Schnappschuss im Sonnenuntergang, wenn die goldenen Haarsträhnen und der Spitzenkimono verspielt im Wind wehen.

Eine der drei Headliner des Festivals: Queen B persönlich.

Den deutschen Besucher wird Coachella überraschen. All das, was Rock am Ring, Southside, Deichbrand oder Hurricane ausmachen, fehlt hier: der Dreck unter den Fingernägeln, ungewaschene Haare, schlammbeschmutzte Gummistiefel, warmes Bier, das beim Tanzen aus dem Glas und auf den Nachbarn schwappt. All das soll hier nicht.

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