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Schauspieler Clemens Schick : „Das Versagen ist schwer zu begreifen“

  • -Aktualisiert am

Genau, das passiert in der ersten Folge. Später wird aber klar, dass er bisexuell ist.

Was gefällt Ihnen daran?

Ich hatte Lust, einem breiten Publikum einen Charakter entgegenzusetzen, der eine Freiheit denkt, die ich gut finde und den man nicht in eine Schublade stecken kann.

2014 hatten Sie selbst Ihr Coming-out. Damals haben Sie gesagt, dass Ihre Sexualität für Ihre Wahrnehmung in der Öffentlichkeit kein entscheidender Faktor sein sollte.

Mir ist dieses Thema relativ egal. Es hat mich auch nicht in meiner Entscheidung beeinflusst, diese Rolle anzunehmen oder nicht. Ich fand das Projekt interessant. Genauso wie in meinem Leben ist die Sexualität nur ein Aspekt eines Charakters.

Inwieweit hat bei den Dreharbeiten das politische Geschehen in Katalonien eine Rolle gespielt?

Die Entwicklung war absehbar, aber das habe ich erst jetzt begriffen. Wir haben in diesem Frühjahr gedreht. An jedem zweiten Balkon hing eine Fahne, entweder eine spanische oder eine katalanische. Jetzt ist die Situation anders. Der Regierungschef von Katalonien wie der Regierungschef von Spanien haben sich in eine Situation gebracht, aus der man nur sehr schwer wieder rauskommt. Ein derartiges Versagen der Politik ist schwer zu begreifen. Mal sehen, wie das weitergeht.

Beunruhigt Sie diese Entwicklung?

Es zeigt mir, wie fragil Europa ist.

Eine noch weit größere Fragilität haben Sie erlebt, als Sie 2008 und 2011 nach Afghanistan flogen, um vor deutschen Soldaten Theater zu spielen.

Ich hatte damals einen Artikel über Soldaten gelesen, die in ein Land kommen, mit dem sich keiner beschäftigt; ich hatte die Regierung gewählt, die diesen Einsatz entschieden hatte. Ich habe mich gefragt, wie ich mich als Künstler dazu verhalten kann. Und bin mit einem Soloabend nach Afghanistan gegangen.

Was haben Sie dabei gelernt?

Wie wenig es braucht, um Theater zu machen. Ich habe gelernt, dass die Zuschauer, ob in Kabul oder Los Angeles, auf dieselben Pointen reagieren. Und ich hatte das erste Mal wirkliche Angst um mein Leben.

Hat Ihnen in Afghanistan der Glaube an Gott geholfen?

Wie kommen Sie darauf, dass ich den habe?

Sie lebten als junger Mann immerhin einige Monate in einem französischen Kloster.

Das ist 20 Jahre her.

Ist von dem Glauben, der Sie da hingetrieben hat, nichts mehr übrig?

Da ist sicher noch etwas von übrig, aber mittlerweile wäre mir das zu intim, darüber öffentlich zu reden.

Sie haben viele intime Liebesszenen gedreht. Ist das besonders schwierig?

Ich habe diese Szenen immer als Momente erlebt, in denen am meisten Respekt und Vorsicht da war. Auf der anderen Seite sind Liebesszenen sehr, sehr technisch – so ist Liebe hoffentlich für niemanden.

Sind Ihnen oder Kollegen solche Szenen mal schwergefallen?

Ja. Es gab Angst davor, sich nackt vor dem Team zu zeigen. Das ist total verständlich. Für mich war das aber nie schwierig. Ich habe ein gutes Verhältnis zu meinem Körper, eine gewisse Form von Exhibitionismus ist wohl auch dabei.

Ihnen gefällt es also, wenn Sie sich im Ersten mit nacktem Oberkörper am Strand von Barcelona sehen?

(Lacht) Sagen wir mal so: Es gefällt mir besser, wenn ich sehe, dass ich eine Szene gut spiele, als wenn ich halb nackt aus dem Wasser komme.

Die Fragen stellte Jörn Wenge.

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