https://www.faz.net/-gum-7j9sq

Christiane Paul im Gespräch : „Ich bin manchmal ein bisschen anstrengend“

  • Aktualisiert am

„Was haben Sie für Vorstellungen?“: Christiane Paul macht ihre Wäsche selbst. Die Marmelade nicht. Bild: Pein, Andreas

In ihrem neuen Kinofilm „Eltern“ spielt Christiane Paul eine Ärztin, die sich durch den aufreibenden Alltag zwischen Beruf und Familie kämpft. Anlass, um mit ihr genau darüber zu reden: ihr alltägliches Leben.

          7 Min.

          Frau Paul, Sie haben zwei Ameisen im Haar.

          Echt?

          Ja.

          Können Sie die bitte wegmachen? Danke. Wo die bloß herkommen? Soll ich die töten? Nicht, dass sie sich da unten noch vermehren und eine Ameisenstraße entsteht.

          Nein. Leben lassen.

          Okay, dann können wir ja jetzt anfangen.

          Ja. In Ihrem neuen Film „Eltern“ spielen Sie eine Ärztin, die ziemlich gestresst ist wegen Beruf und Kindern. Die Kinder im Film sind fast genauso alt wie Ihre, die sechs und elf sind. Sind Sie auch manchmal gestresst?

          Absolut. Wenn die berufliche Belastung groß ist, kann das schon häufiger vorkommen, dass man gestresst ist und unwirsch und merkt, wie es einen innerlich zerreißt und man drastischer reagiert, als man es sich wünscht. Neulich war meine Tochter an der Waschmaschine, sie hat sie ausgemacht, obwohl sie noch nicht fertig war - bei einem Handwaschprogramm mit relativ teurer Wäsche, die ich beruflich brauche -, so dass ich sie nicht mehr aufbekommen hab. Da bin ich doch etwas im Kreis gesprungen, so rumpelstilzchenmäßig. Ich hab mich im Bad eingeschlossen und hab laut geflucht, ich glaube, der ganze Hinterhof hat’s gehört.

          Ich hatte den gleichen Fall zu Hause auch: Unten an der Waschmaschine gibt’s so eine Klappe, da ist eine Schnur drin. Und wenn man daran zieht, dann geht sie auf.

          (Lacht.) Ich glaub nicht, dass ich dasselbe Modell hab wie Sie. Das hab ich jedenfalls noch nie gehört.

          Da ist noch eine Ameise in Ihrem Haar.

          Das glaube ich jetzt nicht.

          Hier.

          Auch das noch. Ich stand eben an einem Baum . . .

          Jedenfalls waschen Sie Ihre Wäsche selbst und haben kein Hauspersonal?

          Das ist lustig, ich glaube, Sie haben falsche Vorstellungen von meinem Beruf. Ich hab eine Kinderfrau, die da ist, wenn ich beruflich unterwegs bin, und die übernimmt natürlich auch ein paar Sachen im Haushalt. Aber normalerweise mache ich alles selber. Wenn ich von einer Reise komme, dann find’ ich es herrlich, die Wäsche in die Waschmaschine zu tun. Das gibt mir das Gefühl von Zu-Hause-Sein. Wenn man lange im Hotel war und über ein Catering versorgt wurde, dann ist man echt wieder froh, wenn man Dinge selber tun kann.

          Da denke ich jetzt natürlich: Die macht diese Dinge so selten selbst, dass sie es noch genießen kann.

          Nein, so selten mach ich es nun auch wieder nicht. Ich kann auch verstehen, dass einem das irgendwann zum Hals raushängen kann.

          Christiane Paul mit Charly Hübner in dem neuen Film „Eltern“
          Christiane Paul mit Charly Hübner in dem neuen Film „Eltern“ : Bild: Kundschafter Filmproduktion GmbH

          Haben Sie mit der Kinderfrau ein Assessment Center gemacht?

          Was ist das denn?

          Wenn man sich um eine Stelle bewirbt, wird man dabei einen ganzen Tag lang vom Unternehmen geprüft. Man muss Rollenspiele machen, Fragen beantworten, so dass die sich am Ende ein genaues Bild machen können.

          Nein. Das hab ich nicht gemacht.

          In dem Film haben Sie mir richtig leid getan, weil Sie so zerrissen waren. Da kamen Sie von irgendwoher und bekamen gar nicht mit, was mit den Kindern los war. Ist Ihnen das schon mal passiert?

          Nein. Die Christine in dem Film ist schon sehr außen vor, weil die Kinder eher beim Vater angedockt sind. Ich bin schon sehr nah an meinen Kindern dran. Ich weiß, was meine Kinder bewegt.

          Sind Sie mehr da oder mehr weg?

          Letztes Jahr war ich ungefähr 60 Prozent weg und 40 Prozent da, das hat schon an unser aller Nerven gezerrt. Dieses Jahr ist es bis jetzt umgekehrt. Aber Kinder empfinden es immer als zu wenig. Als ich neulich abends zu einer Veranstaltung wollte, hieß es: „Wie, du gehst heute Abend weg?“ Ich sagte: „Ich war doch in den letzten Wochen die ganze Zeit da!“ Aber die Kinder fragten: „Wann kommst du wieder?“

          Haben Sie dann ein schlechtes Gewissen?

          Nein. Weil ich weiß, wie viel ich für meine Kinder da bin, und weil ich arbeiten möchte und arbeiten muss. Ich glaube, dass Kinder das verstehen können und müssen. Aber ich versuche schon, die Waage zu halten und zum Beispiel auch mal einen Event abzusagen, weil es für mich dann wichtiger ist, zu Hause zu sein. Ich spüre, wenn das nötig ist. Letztes Jahr habe ich zu viel gearbeitet, das weiß ich. Aber man muss eben gucken, dass man trotzdem bei seiner Arbeit bleibt. Wir wissen ja nie, wie es weitergeht, was das nächste Jahr bringt.

          Weitere Themen

          „Kannst du nicht mal leiser atmen?“

          Beziehungskolumne : „Kannst du nicht mal leiser atmen?“

          Der Freund unserer Autorin kann ohne ihre Anwesenheit schlecht einschlafen. Was sie zu Beginn romantisch fand, empfindet sie nun als emotionale Erpressung. Aber was tun, wenn der Schlafrhythmus des anderen nicht zum eigenen passt? Die Beziehungskolumne „Ich. Du. Er. Sie. Es.“

          Topmeldungen

          Schnelle Produktion: Ein Brückenträger für Genua, geschweißt in der Werft, montiert auf der Baustelle

          Brücken vom Dock : Wie Italiens Werften Brücken bauen

          Deutschland hat stillgelegte Werften und kaputte Brücken. Was man daraus machen kann, zeigt Italien in vorbildlicher Manier. Der Schiffsbaukonzern Fincantieri denkt die Stahlverarbeitung breiter.