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Interview mit Christian Bale : „Was heißt schon ,Bester Schauspieler‘?“

  • -Aktualisiert am

Christian Bale im November 2018 in Hollywood Bild: Picture-Alliance

Christian Bale, 45 und als „Batman“ berühmt geworden, kennt im Job keine Kompromisse. Hier erzählt er von Macht, Scham – und warum er noch nie einen Oscar-Stimmzettel ausgefüllt hat.

          Christian Bales Spezialität sind Rollen, für die er rein physisch der falsche Mann zu sein scheint. Für den Film „Der Maschinist“ von 2004 hungerte der in Wales Geborene sich auf ein lebensbedrohliches Mindestgewicht herunter; für seine Darstellung des „Batman“ trainierte er sich Muskelpakete an. Nun, für die Rolle des amerikanischen Vizepräsidenten Dick Cheney in „Vice – Der zweite Mann“, war Übergewicht gefragt. Doch wo andere Kollegen mit Maske und künstlichen Bäuchen getrickst hätten, futterte Bale für die Kunst – und wurde dafür mit einem Golden Globe und seiner vierten Nominierung für einen Oscar belohnt.

          Mr. Bale, das politische Klima in Ihrer Wahlheimat Amerika hat sich in den vergangenen Jahren extrem verändert. Wie genau denken Sie darüber nach, ob Sie eine Rolle in einem systemkritischen Film annehmen?

          Über so etwas denke ich überhaupt nicht nach, und das darf ich auch nicht. Letztendlich führt das nur zu Ängstlichkeit, Kleinmut und all diesen Dingen, unter deren Einfluss wir als Filmemacher nicht arbeiten sollten. Aber es war schon sehr verwunderlich, was auf der politischen Bühne geschehen ist, während und nachdem wir den Film gedreht haben. Regisseur Adam McKay und ich haben uns manchmal angesehen und gedacht: Das passiert jetzt nicht wirklich. Unser Film wurde bis ins Detail immer relevanter. Aber eigentlich sollte man nach meiner Theorie über Schauspieler so wenig wie möglich wissen, damit die Illusion der Rolle noch funktioniert.

          Warum geben Sie trotzdem Interviews?

          Für diesen Film stelle ich meine Theorie mal zurück, denn ich bin so stolz auf unsere Arbeit, und das Thema ist mir wichtig. Es ist wichtiger denn je, Politikern auf die Finger zu schauen. Wir beobachten gerade einen Kampf, in dem es um Laster gegen Tugend geht, Wahrheit und Anstand gegen Lügen und Betrug. Und das passiert überall auf der Welt. Die Mächtigen scheinen absolut schamlos geworden zu sein.

          Bale als Dick Cheney in „Vice“

          Wo sehen Sie die Ursache dafür?

          Das ist schwer zu sagen. Früher hat man versucht die Spuren besser zu verwischen, oder? Heute sind mehr Menschen bereit, massive Lügen zu akzeptieren. Und das macht mir richtig Angst. Ihnen nicht?

          Wären Sie ein guter Politiker?

          (Überlegt lange.) Also, ich bemühe mich als Schauspieler darum, Mitgefühl zu empfinden. Und was einen an Politikern ja häufig so sprachlos macht, ist der Eindruck, sie entwickeln erst dann Mitgefühl, wenn ein Problem oder eine Tragödie in ihrer eigenen Familie aktuell wird. Aber ich weiche aus. Ich fürchte, bestimmte Ereignisse aus meinem Leben sind in der Öffentlichkeit viel zu bekannt. Die von der Gegenseite würden mich in Fetzen reißen, wenn ich antreten würde (lacht).

          Einige Ihrer Kollegen waren als Politiker sehr erfolgreich.

          Wissen Sie, in der Öffentlichkeit existiert diese seltsame Verschmelzung von Schauspielern und ihren Rollen. Menschen meinen auf Basis der Filme, in denen du zu sehen warst, sie würden dich kennen. Es geht sogar so weit, dass sie glauben, du bist diese Figur. Und die Rollen, die ich gespielt habe? Ich fürchte, da war nichts dabei, was mich irgendwie wählbar macht. Keine Chance.

          Als „Batman“ haben Sie immerhin für Recht und Ordnung gesorgt.

          Auf eine sehr finstere Art und Weise. Und vergessen Sie nicht „American Psycho“.

          Sind Politiker die besseren Schauspieler?

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