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Interview mit Christian Bale : „Was heißt schon ,Bester Schauspieler‘?“

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Verdammt noch mal, ja, ganz bestimmt – jedenfalls einige. Und die spielen ihre Rolle vierundzwanzig Stunden am Tag, sie leben darin. Wenn wir also über „method acting“ sprechen, dieses Verschmelzen des Darstellers mit seiner Rolle – diese Typen sind die wahren „method actors“.

Sie haben eine sehr ordentliche Oscar-Bilanz, waren dieses Jahr wieder als bester Hauptdarsteller nominiert, für „Vice“. Haben Sie sich eigentlich als Jugendlicher die Verleihungszeremonien angesehen?

Nein, nie. Die hatte ich nie auf dem Radar.

Christian Bale verkörpert Bruce Wayne als Batman in einer Szene von „The Dark Knight Rises.“
Christian Bale verkörpert Bruce Wayne als Batman in einer Szene von „The Dark Knight Rises.“ : Bild: dapd

Wie haben Sie dann Ihre erste Oscar-Zeremonie als Beteiligter erlebt?

Ich war völlig überfordert. Und eigentlich ist es bis heute so geblieben, obwohl ich mehr Erfahrung damit habe. Ich stand da am Anfang des roten Teppichs und dachte: Was soll ich jetzt machen? Wie funktioniert das genau? – Ich hatte das Gefühl, wie ein echter Trottel zu wirken, wenn ich irgendwelchen Menschen zurückwinkte: Meinen die wirklich mich? Oder vielleicht in Wahrheit Will Smith, der hinter mir steht? – Ich habe mich dann irgendwann einfach an den Kollegen orientiert. Du musst eine Art Routine entwickeln. Sonst siehst du später auf den Bildern so verblüfft aus – wie jemand, der an der falschen Haltestelle ausgestiegen ist.

Wie beginnt für Sie ein Oscar-Tag, wenn Sie nominiert sind?

Ich suche mir etwas, das mich so gut wie möglich davon ablenkt. Das letzte Mal hatte ich gerade einen großen Haufen Lehm und Schlamm in meinem Garten. Und ich habe mir einen kleinen Traktor geliehen, um aufzuräumen. Ich stand also in Gummistiefeln mit meiner Schaufel im Garten und habe Löcher gegraben, um möglichst zu vergessen, dass ich später am Tag auf diese Veranstaltung gehen muss. Und das funktioniert erstaunlich gut. Gartenarbeit entspannt mich. Aber irgendwann muss ich dann doch meinen Pinguin-Anzug anziehen und mich ins Getümmel stürzen.

Heute erscheint er hochprofessionell auf dem roten Teppich: Bale mit seiner Frau Sibi Blazic
Heute erscheint er hochprofessionell auf dem roten Teppich: Bale mit seiner Frau Sibi Blazic : Bild: AFP

Das klingt, als ob Sie sich nicht wirklich darauf freuen.

Ich fühle mich da wie in einem Goldfischglas. Es ist eine seltsame Erfahrung, die unvergleichbar ist. Viele denken wahrscheinlich, es sei doch ein Teil unseres Berufs. Öffentliche Auftritte und Reden lägen uns Schauspielern im Blut. Aber nichts von dem, das ich als Schauspieler gelernt habe, bereitet dich auf eine Oscar-Verleihung vor. Und ich versuche, eine einigermaßen gesunde Einstellung zu dieser Veranstaltung zu behalten. Denn kein Film, den ich jemals gemacht habe, ist dadurch besser geworden, dass wir uns in einem Wettstreit mit anderen Filmprojekten gesehen haben. Film bedeutet immer Kooperation. Ich versuche es also so zu sehen, dass wir an so einem Abend das Kino feiern, nicht den Wettbewerb. So etwas wie einen „Besten Schauspieler“ gibt es doch nicht, oder?

Aber als Mitglied der Academy sind Sie mit dem Ausfüllen Ihres Stimmzettels am Wettbewerb beteiligt, oder?

Nein, weil ich nicht wähle. Das ist ja keine Verpflichtung.

Ernsthaft?

Ich werde nicht wählen, bevor ich nicht wirklich jeden einzelnen Film gesehen habe, über den ich abstimmen soll. Sonst wäre es einfach nicht fair. Deshalb habe ich noch nie abgestimmt. Denn wie soll ich all diese Filme sehen? Das ist nicht zu schaffen. Außerdem heißt es „Bester Film“, „Bester Schnitt“ und so weiter. Was heißt das schon? Wenn es hieße „Lieblingsfilm“, könnte ich was damit anfangen. Aber so?

Was denken Ihre Kollegen über diese kompromisslose Einstellung?

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