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Christian Bale im Interview : „Ich möchte diesen Rausch in meinem Leben“

  • -Aktualisiert am

„Das war’s, du wirst nie wieder einen Job haben“: Bale in Beverly Hills im November. Bild: Intertopics

Christian Bale ist als „Batman“ berühmt geworden. An diesem Donnerstag kommt „The Big Short“ in die deutschen Kinos. Im Interview spricht er nicht nur über seinen neuen Film, sondern auch über Abgründe, Zocker, die Hassliebe zum Beruf – und seine Wünsche für seine Kinder.

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          Christian Bale sitzt gutgelaunt in einer Suite des „Four Seasons“ in Beverly Hills und passt so gar nicht zum cremefarbenen Dekor des Nobelhotels; eher wie ein Surfer wirkt der Einundvierzigjährige in seinen schwarzen Cargohosen und Stoffturnschuhen. An den Handgelenken trägt Bale Stoffbändchen, im Gesicht einen imposanten, rotschimmernden Bart. Er drehe derzeit ein Drama, das zur Zeit des Ersten Weltkriegs spiele, erklärt er mit seinem britischen Akzent, und damals trug man das Gesichtshaar lang. Aber hier sitzen wir uns gegenüber, um über seinen Film „The Big Short“ zu sprechen, ein hochklassig besetztes Stück um den desaströsen Crash des Immobilienmarkts 2008, in dem Bale als Michael Burry auftritt, ein brillanter Sonderling mit Sinn für komplizierte Zahlenanalysen, der dem großen Schwindel mit komplizierten Finanzinstrumenten auf die Schliche kommt.

          Mr. Bale, fangen wir mit dem verfluchten Geld an . . .

          Ja, die Wurzel allen Übels. Andererseits kann es auch für unheimlich viel Gutes eingesetzt werden. Und nichts geht über den Fünfer, den man in der Tasche findet, ohne zu wissen, dass er da war! Das beste Geld der Welt! Es gibt nichts Vergleichbares!

          Durchblicken Sie die Finanzierungsmodelle der Wall Street?

          Nein, kein bisschen. Ich lese die Zeitung, so weit bin ich informiert. Hank Paulson, Bernanke, AIG sind mir ein Begriff. Aber wie es im Film so schön heißt: Wichtig ist, dass du ein paar schlaue Worte parat hast, damit du nicht total ahnungslos klingst. Das beschreibt mich. Natürlich habe ich das ganze Vokabular lernen müssen – und als wir fertig waren mit den Dreharbeiten, sagte mein Gehirn: So, jetzt schmeiß das bitte wieder weg. Denn man braucht diese ganzen großen Worte aus der Finanzwelt ja nicht, um den Film zu verstehen. Was man verstehen muss, ist, welchen Effekt das Finanzsystem auf echte Menschen hatte. Ich bin jemand, der in der Schule nie aufgepasst und sie mit sechzehn geschmissen hat; ich muss sehen, wie sich die Dinge in der richtigen Welt ereignen, um sie zu kapieren.

          Sie mögen in der Schule nicht viel aufgepasst haben – aber Sie sind ein sehr konzentrierter Beobachter von Menschen . . .

          Das bringt man einem in der Schule leider nicht bei.

          Und Sie bewohnen Ihre Figuren voll und ganz, verändern sich sogar physisch stark, um sie glaubwürdig zu machen. Was fasziniert Sie an dieser Versenkung?

          Ich möchte keine Angst vor der Kante haben, vor dem Abgrund. Ich möchte mir Dinge so vollständig wie nur möglich zu eigen machen und keinen Stein auf dem anderen lassen. Es ist wichtig, Fehler zu machen, zurückzuschauen und zu sagen: Warum bin ich da nicht noch mehr an die Grenze gegangen? Allerdings heißt das nicht, sich noch stärker anzustrengen. Das ist ein Riesenfehler.

          Wie meinen Sie das?

          Wenn man sich noch anstrengt, sobald man zum Set kommt, ist es zu spät. Man muss bis dahin die Kunst gemeistert haben, das Ganze leicht erscheinen zu lassen. Diese Leichtigkeit zu erreichen ist natürlich ungeheuer schwierig, aber es ist auch berauschend. Ich möchte diese Besessenheit, diesen Rausch in meinem Leben haben. Ich mag Leute, die von etwas besessen sind.

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