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Im Alter von 92 Jahren : Chorleiter Gotthilf Fischer gestorben

Chorleiter Gotthilf Fischer ist tot. Bild: dpa

Der große Dirigent Sergiu Celibidache förderte ihn als Mentor, später gründete er die Fischer-Chöre: Tausende sangen mit Gotthilf Fischer. Am vergangenen Freitag ist der Chorleiter gestorben. Er wurde 92 Jahre alt.

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          Schuld war der Krieg. Sonst wäre er wohl einfach nur Musiklehrer geworden. Noch im Mai hatte sich Gotthilf Fischer im F.A.Z.-Magazin an das Jahr 1945 und seinen Aufstieg zum Chorleiter im Nachkriegsdeutschland erinnert. Die Menschen, schrieb er, seien hungrig danach gewesen, wieder ein normales Leben zu führen. „Und so gab es auch relativ bald wieder ein Vereinsleben. Auch für mich hieß es: ,Plötzlich mittendrin statt nur dabei.‘ Weil der Dirigent des Concordia Gesangvereins Deizisau noch nicht wieder zu Hause war, erinnerte sich einer der Sänger (damals gab es selbstverständlich nur Männerchöre), dass doch ,em Gottlob sei Jonger‘ Klavier spielen könne und schloss daraus, dass ich damit selbstverständlich einen Chor leiten könne.“

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Fischer, 1928 in Plochingen geboren, wuchs in Deizisau, einem Dorf südlich von Stuttgart, auf. Die Musik war ihm durch den Vater in die Wiege gelegt worden. Der war zwar Zimmermeister, gab am Abend aber auch Tanz- und Zitherunterricht. Der Sohn lernte Klavier, ging von 1942 bis 1945 auf die Lehrerbildungsanstalt nach Esslingen. Dort blieb seine Begabung nicht unbemerkt. Unter anderen der große Dirigent Sergiu Celibidache förderte ihn als Mentor.

          Was in Deizisau 1945 anfing, nahm schnell immer größere Ausmaße an. „Bald schon leitete ich mehrere Chöre, was dem traurigen Umstand geschuldet war, dass durch Gefangenschaft und Tod nicht so viele Dirigenten zur Verfügung standen“, schrieb Fischer im F.A.Z.-Magazin. „Das eröffnete mir die Möglichkeit, die einzelnen Chöre zusammenzuführen und ein gemeinsames Erlebnis daraus zu machen. Der Rest ist bekannt.“

          Die Fischer-Chöre waren geboren, eine Gemeinschaft von eigenständigen gemischten Chören aus dem Raum Stuttgart. Mit den mehr als 1000 Sängern trat er nicht nur im Fernsehen, sondern unter anderem auch bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 und vor dem amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter auf. Mit seinen Chören nahm er zahllose Schallplatten mit vor allem Volksliedern auf und schaffte es auch immer wieder ins Guinnessbuch der Rekorde.

          Wie erst jetzt bekannt wurde, starb Gotthilf Fischer am vergangenen Freitag im Alter von 92 Jahren.

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