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Arzt Ferdinand Sauerbruch : Was war sein Leben?

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Er duzt jeden und operiert ohne Handschuhe und Mundschutz: Ulrich Noethen (Mitte) als Ferdinand Sauerbruch. Bild: ARD/Julie Vrabelova

Der Chirurg Ferdinand Sauerbruch gilt bis heute als einer der bedeutendsten deutschen Mediziner. Die Serie „Charité“ thematisiert nun sein Verhältnis zum NS-Regime. Weniger bekannt ist die Tragik seiner letzten Jahre.

          Auch heute noch mag der ein oder andere Mediziner mit einem gewissen Geltungsbedürfnis ausgestattet sein. Doch die Zeiten, in denen alleine der Name eines Arztes Ehrfurcht und Bewunderung auslösten, sind vorbei. Ferdinand Sauerbruch ging das noch anders. Es gibt zahlreiche Anekdoten, die beschreiben, wie der weit über die Grenzen Deutschlands bekannte Chirurg auf der Straße von dankbaren Patienten und deren Angehörigen erkannt und hofiert wurde oder sich sogar aus brenzligen Situationen retten konnte.

          Von einer solchen berichtete die kurz nach seinem Tod 1951 erschienene Biographie „Das war mein Leben“, die von einem Ghostwriter verfasst und später erfolgreich verfilmt wurde. Bestätigt wird die Episode nun durch die erstmals öffentlich gewordenen Tagebuchaufzeichnungen des Chirurgen Adolphe Jung, des engsten Mitarbeiters von Sauerbruch zwischen Oktober 1942 und dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Jung stammte aus dem Elsass und wurde nach der deutschen Besatzung an die Charité zwangsversetzt, wo Sauerbruch damals wirkte. Rasch entwickelte sich ein enges Verhältnis; die beiden Männer schätzten sich professionell wie menschlich. Jung begleitete Sauerbruch auf Fahrten zu Patienten innerhalb Deutschlands und nutzte diese für das Schmuggeln von Dokumenten, die meist für Jungs im französischen Widerstand aktiven Bruder gedacht waren.

          Auch bei einer Autofahrt an Pfingsten 1944 zu dem Nobelpreisträger Max Planck hatte der Franzose Dokumente dabei, die vermutlich sein und vielleicht auch Sauerbruchs Leben riskiert hätten, wären sie gefunden worden. Doch eine Fahrzeugüberprüfung wird in letzter Sekunde abgebrochen, da der Leutnant Sauerbruch als den Operateur und Heiler seine Mutter erkennt.

          Fernsehserie „Charité“

          Jungs Tagebuch entdeckten seine Nachfahren acht Jahre nach seinem Tod im Jahr 2000. Die Beobachtungen des Arztes haben Einzug gefunden in die bevorstehende Fortsetzung der ARD-Serie „Charité“. Die erste Staffel, die vor zwei Jahren im Ersten ausgestrahlt wurde und ein Quotenerfolg war, thematisierte die Zeit um 1888 und die illustre Ärzteriege Koch, Virchow, Ehrlich und Behring. Die Fortsetzung springt nun in die Jahre 1943 bis 1945; Sauerbruch und Jung, gespielt von Ulrich Noethen und Hans Löw, sind zwei der Protagonisten.

          Seinen Ruf als Ausnahmetalent und chirurgischer Alleskönner hatte sich Sauerbruch in den 1940er Jahren schon lange erarbeitet. Der 1875 in Barmen (heute ein Stadtteil Wuppertals) Geborene, der dafür berüchtigt war, mit einem enormen Tempo zu operieren, setzte vor allem drei bahnbrechende medizinische Meilensteine. 1904 stellte er auf dem Chirurgenkongress das Druckdifferenzverfahren vor, für das er eine Unterdruckkammer erdacht hatte; von nun an waren Ärzte in der Lage, Eingriffe am geöffneten Brustraum vorzunehmen, ohne dass die Lunge zusammenfiel und der Patient verstarb. Nach seinen Erfahrungen im Ersten Weltkrieg entwickelte er eine Handprothese, die vielen Kriegsversehrten ein nahezu normales Leben ermöglichte. Und er führte die erste gelungene Operation eines Herzaneurysmas durch.

          Ferdinand Sauerbruch bei einer Operation um das Jahr 1933.

          Die für den Mehrteiler gewählte Zeitperiode stellt zwangsläufig Sauerbruchs Verhältnis zu den Nazis in den Mittelpunkt, das unterschiedlich beurteilt wird. Es gibt jene, die finden, dass sich der Mediziner an bestimmten Karrierepunkten gemein machte mit dem verbrecherischen System, und es gibt jene, die betonen, dass sich Sauerbruch an vielen Stellen für Juden ein- und sich damit über Gesetze hinwegsetzte. Die „Charité“-Folgen bilden – geprägt durch den Blick Jungs – eher die zweite Position ab. Auch ein gerade erschienenes Buch des Historikers Christian Hardinghaus, der ebenfalls auf die Aufzeichnungen Jungs zugreifen konnte, sieht Sauerbruch eindeutig nicht als Mittäter.

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