https://www.faz.net/-gum-actla

Chinesische Astronauten : Auf zum Himmelspalast

Abschiedszeremonie: Die Astronauten Tang Hongbo, Nie Haisheng und Liu Boming winken vor dem Start Bild: EPA

Am Donnerstagmorgen ist eine Raumsonde mit drei chinesischen Astronauten gestartet. Sie sollen die chinesische Raumstation erstmals bewohnen – und langsam ausbauen. Die Volksrepublik präsentiert sich dabei als Partner für andere Länder.

          3 Min.

          Chinas Pläne für den Aufbau einer eigenen Raumstation sind am Donnerstag einen großen Schritt vorangekommen. Nachdem im April ein erstes Modul des „Himmelspalasts“ auf seine Umlaufbahn gebracht worden war, sind nun erstmals drei chinesische Astronauten in die noch unfertige Station eingezogen. Ihre Raumsonde war am Morgen mithilfe einer Trägerrakete vom Satellitenzentrum Jiuquan in der Wüste Gobi gestartet. Die Astronauten sollen drei Monate im All bleiben, um die technische Ausrüstung an Bord zu testen und jenes Rumpfmodul auszubauen, das China „Harmonie des Himmels“ (Tianhe) getauft hat. Dafür sollen sie auch „Weltraumspaziergänge“ unternehmen, um Installationsarbeiten an der Außenwand des Moduls vorzunehmen.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Das Datum für den Beginn der Mission, der 17. Juni, war mit Bedacht gewählt worden. An diesem Tag vor 54 Jahren hatte China erstmals eine Wasserstoffbombe getestet, woran die Volkszeitung am Donnerstag stolz erinnerte. In der Berichterstattung im eigenen Land war damit der Ton gesetzt. Der „Himmelspalast“ ist ein nationales Prestigeprojekt, das genauso zu Xi Jinpings politischer Vision vom Chinesischen Traum gehört wie die Neue Seidenstraße und eine Vereinigung mit Taiwan.

          Der Kommandant der Mission, der Astronaut Nie Haisheng, präsentierte sich vor dem Start als loyaler Parteisoldat. Das Weltraumprogramm habe „ein heroisches Kapitel zur Geschichte des 100 Jahre währenden Kampfes der Kommunistischen Partei beigetragen“, sagte Nie auf einer Pressekonferenz. Wie fast alle chinesischen Astronauten ist er ein früherer Kampfpilot der Luftwaffe. Mit insgesamt drei Weltraumflügen gehört der 56 Jahre alte Nie zu den erfahrensten Astronauten des Landes. China ist erst 2003 und damit spät in die Riege der Länder vorgerückt, die bemannte Raumfahrt betreiben.

          Das Tianhe-Kernmodul der chinesischen Raumstation fliegt im Weltall in der Erdumlaufbahn.
          Das Tianhe-Kernmodul der chinesischen Raumstation fliegt im Weltall in der Erdumlaufbahn. : Bild: dpa

          Partner und Dienstleister für andere Länder

          In der Berichterstattung der chinesischen Auslandsmedien wurde nicht Nationalstolz, sondern ein anderer Aspekt in den Vordergrund gestellt: China präsentierte sich als Partner und Dienstleister für andere Länder im Weltraum. „Nachdem unsere Raumstation in naher Zukunft fertiggestellt ist, werden wir chinesische und ausländische Astronauten zusammen fliegen und arbeiten sehen“, sagte der stellvertretende Direktor der chinesischen Agentur für bemannte Raumfahrt, Ji Qiming. Schon seit einigen Jahren bereiten sich drei Astronauten der europäischen Weltraumbehörde ESA auf einen solchen Flug zur chinesischen Raumstation vor. Die Bedingungen dafür müssen allerdings erst noch ausgehandelt werden.

          An Bord der Raumstation, die international China Space Station (CSS) genannt wird, sollen zudem ausländische Instrumente für wissenschaftliche Experimente installiert werden. Auch Entwicklungsländern will China nach eigenem Bekunden ein Tor zum Weltall öffnen und ihnen bei der Ausbildung von Astronauten helfen. Im Rahmen einer Vereinbarung mit den Vereinten Nationen können seit 2018 entsprechende Anträge eingereicht werden. Über die Details potentieller Kooperationen hält sich Peking aber noch bedeckt. Vorerst dient die Betonung der eigenen Offenheit vor allem dazu, Warnungen der Vereinigten Staaten zu entkräften. Washington betrachtet Pekings Weltraumambitionen als expansives Großmachtstreben. Verteidigungsminister Lloyd Austin hat China als „größte Bedrohung“ im Wettrennen um die Vorherrschaft im All bezeichnet. Die chinesische Regierung verweist in diesem Zusammenhang stets darauf, dass sie sich jahrelang vergeblich um eine Beteiligung an der Internationalen Raumstation (ISS) bemüht hat. Sie wurde aber vom amerikanischen Kongress blockiert.

          Zwei weitere Module sollen hinzukommen

          Nun baut China also seine eigene Raumstation, die schon Ende 2022 in Dienst gehen soll. Die bis September währende bemannte Mission ist der dritte von elf geplanten Schritten zur Fertigstellung. Neben dem Rumpfmodul, das als Wohnraum dient, sollen zwei weitere Module hinzukommen, in denen Forschungslabore untergebracht werden. Die chinesische Raumstation wird deutlich kleiner sein als die von Amerika, Russland, Europa, Japan und Kanada gemeinsam betriebene ISS. Angetrieben werden Chinas Ambitionen auch durch die Tatsache, dass die Zukunft der ISS wegen Spannungen zwischen Russland und Amerika derzeit in Frage steht. Die bisherige Kooperationsvereinbarung läuft 2024 aus, wenn sie nicht verlängert wird. China könnte damit zumindest vorübergehend zum einzigen Anbieter und alternativen Partner im All, etwa für die Europäer, aufsteigen.

          Einen Vergleich mit der dreimal so großen ISS scheut China jedenfalls nicht. Ein Kommentator der populären Internetseite Guancha schrieb, der Einzug der drei chinesischen Astronauten in das Tianhe-Modul sei nicht weniger bedeutend als die erste bemannte Mission zur ISS vor 20 Jahren. Seither sei der Weltraum von Amerika und Russland beherrscht worden, doch das ändere sich gerade. Dazu beitragen könnte auch, dass Russland und China künftig im Weltraum zusammenarbeiten wollen. Unter anderem planen sie den Bau einer gemeinsamen Forschungsstation auf dem Mond bis Ende 2035. Eine erste Vorbereitungsmission ist schon für dieses Jahr geplant, wie beide Länder wohl nicht zufällig am Donnerstag mitteilten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU)

          Gesundheitsminister-Bericht : Spahn plant Maskenpflicht bis 2022

          Mindestens bis zum Frühling will die Bundesregierung die Maskenpflicht aufrechterhalten. Gratistests sollen im Herbst entfallen und für Ungeimpfte könnten „erneut weitergehende Einschränkungen notwendig werden“.

          Druck auf Sportler : Die Stärke der Verletzlichen

          Der Druck, der auf den Stars dieser Spiele lastet, ist so sichtbar wie nie zuvor. Athletinnen und Athleten zeigen: Auch wer verletzlich ist, kann erfolgreich sein. Das könnte der Anfang eines Kulturwandels sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.