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Chinesisches Neujahr : Es werden zwölf heiße Monate

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Selfie mit Feuer-Hahn: In China wird das neue Jahr mit großen Leuchtattrappen des Symboltiers begrüßt. Bild: AP

In China beginnt das Jahr des Feuer-Hahns. Günstig verlaufen soll es nach Aussage von Astrologen für die Staatschefs Wladimir Putin und Xi Jinping. Aber auch Spannungen werden vorausgesagt.

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          Beim Neujahrsempfang in der Großen Halle des Volkes präsentierte sich Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping in neuem Stil. Die Haare nicht mehr nur brav gescheitelt, sondern nach hinten gekämmt und an den Seiten und im Nacken kurz geschoren, ohne die bislang sichtbaren silbernen Strähnchen. Im dunklen Anzug mit einer tiefroten Krawatte marschierte ein sichtlich wohlgelaunter Xi an der Spitze seiner Genossen vom Politbüro in die heiligen Hallen und schüttelte der geladenen Prominenz die Hände.

          Xi Jinping lobte die Errungenschaften, die China unter der Führung der Kommunistischen Partei genießen kann. Er appellierte aber auch an alle, im neuen Jahr „die Ärmel hochzukrempeln“, um die Wiederbelebung der großen chinesischen Nation zu erreichen und am Aufbau einer „Schicksalsgemeinschaft der ganzen Menschheit“ zu arbeiten. Die Chinesen, sagte er, arbeiteten hart und könnten Entbehrungen aushalten, um ihren Traum zu verwirklichen.

          Chinesische Tradition bereits über 2000 Jahre alt

          Xi Jinping sprach vor dem Hintergrund eines großen hellroten Scherenschnitts eines Hahns. Vermutlich um nicht in die Gefahr zu geraten, dem anzuhängen, was die Partei lange als traditionellen Aberglauben verteufelt hatte, erwähnte der Parteichef das Tier aber nicht weiter, unter dessen Namen das neue Jahr stehen wird.

          Seit mehr als 2000 Jahren benennen die Chinesen die Jahre in einem Zwölfer-Zyklus nach Tieren. Nach einigen Legenden soll Buddha die Tiere selbst benannt haben. In dem chinesischen Kalender, der auf den mythischen Gelben Kaiser (um 2600 vor Christus) zurückgeht, spielen die Tierkreiszeichen bei der traditionell weit verbreiteten Wahrsagerei und Horoskop-Stellung eine Rolle.

          Astrologen befürchten politische Spannungen

          An diesem Samstag beginnt im chinesischen Kulturkreis das Jahr des Hahns, des zehnten Tiers im Kreislauf. Die zwölf Tiere im Zwölfer-Jahreszyklus sollen die generellen Tendenzen des Jahres und die Charaktereigenschaften der in diesem Jahr geborenen Menschen bestimmen.

          Das diesjährige Hahn-Jahr ist, wenn man die zusätzliche Kategorisierung der Jahre nach den fünf Elementen noch berücksichtigt, ein Jahr des Feuer-Hahns. Das Element Feuer bringt, so sagen Astrologen in Hongkong, ein Jahr der Spannungen und der Verschlechterung des internationalen politischen Klimas. Es wird mehr Drohungen zwischen Nationen geben, die zu einem Krieg und terroristischen Anschlägen führen könnten. Für die Präsidenten Wladimir Putin und Xi Jinping soll es ein günstiges Jahr werden.

          Schweres Leben für Hahn-Geborene

          Der Hahn gilt dank seines allmorgendlichen Schreis als zuverlässig und ehrlich. Hahn-Geborene (etwa die Jahrgänge 1957, 1969, 1981, 1993) sollen daher ebenfalls verlässlich und kommunikativ sein, zeigen aber auch den Hang zum Streit, da ein Hahn sein Territorium verteidigt. Sie können auch eitel und arrogant sein.

          Da der Hahn seine Nahrung mühsam aus dem Boden pickt, heißt es auch, dass Menschen, die im Zeichen des Hahns geboren wurden, oft ein schweres Leben führen müssen. Für diejenigen, die in einem Hahn-Jahr geboren wurden, gilt ein Gockel-Jahr als Schicksalsjahr. Sie müssen sich vor bösen Geistern schützen, indem sie das ganze Jahr über etwas Rotes am Körper tragen.

          Große Reisewelle zum Neujahrsfest

          Ungeachtet guter und nicht so guter Prophezeiungen feiern die Chinesen in den kommenden Tagen ihr wichtigstes Fest des Jahres, zu dem die Familien zusammenkommen und alle in ihre alte Heimat zurückkehren.

          Das beschert der Volksrepublik China mit ihren 270 Millionen Wanderarbeitern zum Neujahrsfest, das auch Frühlingsfest genannt wird, eine Reisewelle sondergleichen. Züge, Überlandbusse und Flüge sind schon lange ausgebucht. Die großen Städte wie Peking erscheinen fast leer, weil Millionen von auswärtigen Arbeitern ihre Sachen gepackt und nach Hause aufs Land gereist sind.

          Weniger Böller für mehr Sicherheit

          Auch viele Städter gehen auf Reisen. Betriebe und Behörden sind für eine Woche geschlossen. Mit wachsendem Wohlstand leisten sich immer mehr Chinesen eine Urlaubsreise, anstatt das Fest, wie es die Tradition eigentlich vorsieht, mit viel Essen und Feuerwerk zu Hause mit den Angehörigen zu verbringen.

          Beliebte Orte und Sehenswürdigkeiten in China werden die nächsten Woche überlaufen sein. Auch in die Nachbarländer ergießt sich eine Flut chinesischer Touristen. Beliebteste Ziele sind Südkorea, Thailand und Japan. Die Daheimgebliebenen werden dieses Jahr gebeten, es mit der Böllerei nicht zu übertrieben. So heißt es in einer SMS, die von der Pekinger Stadtverwaltung dieser Tage verschickt wurde, im Interesse der Sicherheit und der Luftqualität sollte man weniger oder gar nicht böllern.

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