https://www.faz.net/-gum-9my6e

Interview zur Mathe-Olympiade : „Da gibt es wirklich Aufgaben, die zu schwer sind“

Die Mathe-Olympiade ist eine der wenigen Erfindungen der DDR, die es ins vereinte Deutschland geschafft haben.

Da sind wir stolz drauf. Die DDR nahm als eines der ersten Länder an der internationalen Olympiade (IMO) teil. Man glaubte, dort wegen des Schulsystems Erfolg zu haben. Das Ergebnis jedoch fiel unbefriedigend aus. Daraufhin wurde die nationale Mathematik-Olympiade als Fördersystem entwickelt. Damit war man in den weiteren IMOs dann auch erfolgreich.

Im Westen gab es das nicht?

In der alten Bundesrepublik setzte man auf den Bundeswettbewerb Mathematik, dessen Aufgaben alleine zu Hause gelöst werden. Im Osten machten wir die Erfahrung, dass unsere Schüler die Klausurwettbewerbe nicht missen wollen mit ihren sozialen Kontakten, mit Gleichgesinnten und der Möglichkeit, neue Freunde kennenzulernen. So hat es nach der Wiedervereinigung nur fünf Jahre gedauert, bis alle Bundesländer mitgemacht haben.

Es ist auch ein Wettkampf der Bundesländer untereinander?

Eigentlich ist es ein Einzelwettbewerb. Aber jedes Bundesland schickt eine Mannschaft. Wir Sachsen waren in den letzten Jahren immer unter den ersten drei.

Sie sind ein direkter Nachfahre von Adam Ries, auch bekannt als Adam Riese.

Ja, in 14. Generation.

Eine Bronzeskulptur des Rechenmeisters Adam Ries steht in dessen Geburtsstadt Bad Staffelstein.

Stolz darauf?

Stolz ist nicht das richtige Wort. Für mich als Mathematiker ist das ein schöner Aufhänger. Wenn ich im Kostüm in die Klassen komme, gehört mir die erste Viertelstunde vollends, da sind die Viert- und Fünftklässler sehr beeindruckt.

Im Kostüm?

Ja, ich trete als der alte Rechenmeister auf, der zu einer historischen Rechenstunde einlädt. Ich erkläre, warum Ries im 16.Jahrhundert so wichtig war als Rechenmeister. Für Kinder wird das erlebbar, wenn man über die unterschiedlichen Längenmaße in den vielen Kleinstaaten damals erzählt. Sie vergleichen zum Beispiel ihre eigenen unterschiedlich langen Ellen – und erfahren, dass man dafür rechnen können muss.

Wie oft treten Sie auf?

Ich habe ja noch einen Beruf als Statistiker in einem Medizinservice-Unternehmen, mache das also in der Freizeit. Sogar die Leiterin einer Rentnergruppe hat mich einmal zu einer Weihnachtsfeier eingeladen. Als mich die Senioren sahen, wurden die Gesichter müde. Das soll der Ehrengast sein? Welcher Senior will auf der Weihnachtsfeier rechnen? Trotzdem gelang es, mit Mathematik eine unterhaltsame Veranstaltung zu machen. Am Ende waren die Zuhörer begeistert.

Sehen Sie sich in der Pflicht, das Erbe von Ries fortzuführen?

Das wäre ein bisschen hochtrabend formuliert. Ich sehe mich in der Pflicht, um Nachwuchs zu werben. Der kommt nicht von allein, dafür nutze ich die historische Schiene. Einige Schüler aus den fünften Klassen treffe ich später wieder, die kennen mich als Herrn Ries, meinen wirklichen Namen haben sie vergessen.

Wie lassen sich eigentlich 14 Generationen nachverfolgen?

Über den Adam-Ries-Bund. Es gab in Annaberg, wo Ries gestorben ist, schon zu DDR-Zeiten Ries-Forscher. Das funktioniert vor allem über Kirchenbücher, die man bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen kann. Heute sind 25.000 Ries-Nachfahren bekannt. Mein Großvater war Erzgebirger. Da fiel die Prüfung leicht.

Man sagt immer „nach Adam Riese“. Manche sprechen da von einem „riesigen Fehler“. Also Ries oder Riese?

Riese ist das Dativ-E, also „nach dem Adam Riese“, so erklären es die Erzgebirger. Staffelstein, sein Geburtsort in Oberfranken, nennt sich „Adam-Riese-Stadt“, Annaberg „Adam-Ries-Stadt“. Aber wir sind natürlich überzeugt, dass unsere Theorie stimmt.

FAZ.NET komplett

Zugang zu allen exklusiven F+Artikeln und somit zur ganzen Vielfalt von FAZ.NET – für nur 2,95 Euro pro Woche

Mehr erfahren

Weitere Themen

Topmeldungen

Der radikale Konzernumbau der Deutschen Bank führt zu Milliardenverlusten im zweiten Quartal 2019.

In drei Monaten : Die Deutsche Bank macht 3,1 Milliarden Euro Verlust

Das größte und wichtigste deutsche Kreditinstitut will und muss sich radikal verändern. Die Belastungen durch den Umbau des Konzerns führen zu tiefroten Zahlen. Besonders betroffen ist die einst bedeutendste und berüchtigtste Sparte des Unternehmens.

Anhörung von Robert Mueller : Der unfreiwillige Zeuge

Ende März präsentierte Sonderermittler Robert Mueller seinen Bericht zur möglichen Wahlkampf-Affäre Trumps aus dem Jahr 2016. Jetzt muss er dazu im Kongress aussagen. Donald Trump spielt den Termin herunter, als sei es eine reine Formalität.
Donald Trump gratuliert am Dienstagabend dem neuen amerikanischen Verteidigungsminister Mark Esper.

Amerikas Verteidigungsminister : Ein Mann der Truppe

Mark Esper ist mit überwältigender Mehrheit im Amt des amerikanischen Verteidigungsministers bestätigt worden. Die Gegenstimmen kamen im Senat vor allem von demokratischen Wahlkämpfern.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.