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Supreme Court entscheidet : Cheerleaderin darf „fuck school“ auf Snapchat posten

  • Aktualisiert am

Am Supreme Court wurde zugunsten der Schülerin entschieden. Bild: Reuters

Eine US-Schülerin verfasst einen wütenden Post, weil sie nicht in die nächsthöhere Cheerleader-Gruppe aufgenommen wird. Die Schule schließt sie für ein Jahr aus dem Team aus – und verstößt damit gegen ihre Meinungsfreiheit.

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          Eine Schülerin darf nicht bestraft werden, weil sie sich außerhalb des Unterrichts in den sozialen Netzwerken vulgär über die Schule geäußert hat – das hat der Supreme Court am Mittwoch entschieden und somit das Recht auf freie Meinungsäußerungen von Schülern in der USA gestärkt. Die Entscheidung fiel mit nur einer Gegenstimme.

          Im konkreten Fall ging es um eine Cheerleaderin aus Pennsylvania, die 2017 „Fuck school – fuck softball – fuck cheer – fuck everything“ in einem Snapchat-Beitrag geschrieben und dazu ein Bild von sich und einer Mitschülerin gepostet hat, auf dem beide den Mittelfinger zeigen. Zuvor war sie nicht in das nächsthöhere Cheerleader-Team aufgenommen worden. Den Beitrag verfasste sie am Wochenende in einem Café. Ein Screenshot des Beitrags, der nach 24 Stunden automatisch gelöscht wurde, erreichte eine Trainerin der Schule. Daraufhin wurde die damals 14 Jahre alte Schülerin für ein Jahr lang aus ihrem Cheerleader-Team ausgeschlossen, weil sie sich vulgär ausgedrückt, unsportlich und gegenüber der Schule respektlos verhalten habe.

          Meinungsfreiheit als hohes Gut

          Die Schülerin wehrte sich gegen die Strafe vor Gericht – und bekam nun von acht der neun Richter Recht. In der Begründung heißt es, dass Schulen auch unerwünschte Äußerungen von Schülern schützen müssten, insbesondere, wenn diese außerhalb des Schulgeländes getätigt werden. „Amerikas öffentliche Schulen sind ein der Hort der Demokratie.“ Ein gewissen Spielraum standen die Richter den Schulen dennoch zu, etwa mit Verweis auf Cybermobbing und sexuelle Belästigung.

          Der Richter mit einzigen Gegenstimme, Clarence Thomas, argumentierte hingegen, dass Äußerungen in den sozialen Netzwerken auch auf dem Schulgelände gesehen und geteilt werden könnten, und somit im Gegensatz zu einer privaten Unterhaltung sehr wohl das Schulklima beeinträchtigen könnten. Bei der Äußerung der jungen Cheerleaderin sei das seiner Ansicht nach der Fall.

          In den USA landen immer wieder Streitfälle um die Meinungsfreiheit von Schülern vor dem Supreme Court. 1969 erlaubten die Richter Schülern aus Des Moines, schwarze Armbänder zu tragen, um gegen den Vietnam-Krieg zu protestieren. Schüler „geben ihr Recht auf freie Meinungsäußerung nicht am Schuleingang ab“, hieß es damals. Allerdings könnten problematische Äußerungen auf dem Schulhof sanktioniert werden. 2007 unterstützte der Supreme Court auf dieser Grundlage einen Schulleiter, der einen Schüler suspendiert hatte, nachdem er in der Schule ein Plakat mit der Aufschrift „Bong Hits 4 Jesus“ ausgerollt hatte.

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