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Neunjährige berührt mit Rede : „Ich kann das nicht ertragen“

  • -Aktualisiert am

Bild: CNN

Alle streiten in Amerika über Polizeigewalt, doch ein neunjähriges Mädchen findet die richtigen Worte. Unter Tränen spricht die Schülerin aus Charlotte vor dem Stadtrat, wo vor einer Woche Keith Scott bei einem Polizeieinsatz erschossen wurde.

          Während sie zu reden beginnt, laufen dem jungen Mädchen aus Charlotte Tränen über das Gesicht. Es ist die erste Sitzung des Stadtrats von Charlotte nach dem Polizeieinsatz, bei dem der schwarze Familienvater Keith Scott getötet wurde. Vor dem Mikrofon steht eine neun Jahre alte Schülerin, die ihrem Frust und ihrer Trauer freien Lauf lässt.

          Aufnahmen des Nachrichtensender CNN zeigen bewegte Bilder der Sitzung – der Saal ist gefüllt mit schwarzen Amerikanern, die Protestplakate, unter anderem mit der Aufschrift „Black Lives Matter“, in die Luft halten und sichtlich bewegt den Worten der kleinen Zianna folgen.

          „Es ist eine Schande, dass unsere Mütter und Väter getötet wurden, wir sie nie mehr sehen werden und zu Grabe tragen müssen. Wir weinen, doch wir sollten nicht weinen müssen. Wir brauchen unsere Mütter und Väter an unserer Seite“, beginnt Zianna ihre Rede. Sie ist gerade so groß, um an das Mikrofon heranzukommen. „Ich glaube, dass wir anders behandelt werden und das mag ich nicht“, sagt die schwarze Schülerin aus Charlotte. „Und das nur, weil wir eine andere Hautfarbe haben“, fügt sie hinzu. Aus der Menge wird ihr Mut zugesprochen: „Du machst das toll, hör nicht auf!“, sagt jemand.

          „Ich kann das nicht ertragen“

          Zianna fährt fort: „Wir sind Schwarze, und wir sollten so nicht fühlen müssen. Wir sollten nicht protestieren müssen, weil uns alle falsch behandeln“. Aber sie müssten es tun, da sie auch Rechte hätten. Zianna ist in Charlotte geboren und aufgewachsen, erklärt sie. So wie jetzt habe sie sich noch nie gefühlt. „Ich kann das nicht ertragen.“

          Am 20. September starb Keith Scott bei einem Polizeieinsatz in Charlotte, der eigentlich einem anderen Mann gelten sollte. Die Polizei gab an, dass der Familienvater eine Waffe bei sich getragen habe. Seiner Frau zufolge, die den Angriff der Polizei mit ihrem Smartphone filmte, trug Scott ein Buch mit sich und wartete auf den Schulbus, in dem sein Sohn saß.

          Am Wochenende kam es in der Stadt in North Carolina wieder zu Ausschreitungen – aber auch zu friedlichen Protesten, nachdem Handyaufnahmen der Frau von Scott an die Öffentlichkeit kamen, die den Einsatz der Polizei dokumentieren.

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