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Charlie Sheen ist HIV-positiv : „Ich kaufte das Schweigen für Millionen“

  • -Aktualisiert am

Bild: AP

Schauspieler Charlie Sheen machte in einer Morgensendung seine HIV-Krankheit öffentlich. Er war bis zu diesem Tag von ehemaligen Vertrauten erpresst worden. Das war jedoch nur ein Grund für ihn, an die Öffentlichkeit zu treten.

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          Die „enthüllende persönliche Mitteilung“, die der Sender NBC vor dem Interview mit Charlie Sheen angekündigt hatte, war an sich keine Überraschung mehr. Schon in der vergangenen Woche hatten Gerüchte in Los Angeles die Runde gemacht, ein männlicher Hollywood-Star habe sich mit HIV infiziert. Der „National Enquirer“ gab den Spekulationen am Montag schließlich einen Namen. Das Schmuddelblatt, das auch Auszüge aus geheimen Mails versprach, titelte: „Charlie Sheens Aids-Vertuschung – Wie er das tödliche HI-Virus vier Jahre lang geheim hielt.“

          Weiteren Enthüllungen kam Sheen am Dienstagmorgen in der „Today Show“ zuvor. „Ich bin hier, um zuzugeben, dass ich tatsächlich HIV-positiv bin“, sagte der 50 Jahre alte Schauspieler, während er nervös versuchte, den Blicken des Moderators Matt Lauer auszuweichen. „Ich muss diesen Angriffen, diesem Trommelfeuer ein Ende bereiten. Die Geschichten sind so verletzend, dass sie auch die Gesundheit anderer Menschen bedrohen“, sagte Sheen über den kurzfristig angesetzten Auftritt in dem New Yorker Studio.

          Millionen erpresst

          Die Zuschauer überraschte der Schauspieler mit der Nachricht, mit der HIV-Diagnose erpresst worden zu sein. Er habe sich einigen Menschen anvertraut, die sich ihr Schweigen später teuer bezahlen ließen, unter ihnen auch einige Prostituierte. Eine habe in seinem Badezimmer heimlich Bilder seiner Medikamente aufgenommen und später gedroht, sie werde diese an die Boulevardpresse geben, wenn Sheen nicht bezahle. Wie viele Erpresser er hatte, verschwieg der Schauspieler, nur dass er über die Jahre große Summen an sie gezahlt hatte. „Es ging in die Millionen“, verriet Sheen, der als Hauptdarsteller der Sitcom „Two and a Half Men“ bis zu seinem Rauswurf im Frühjahr 2011 mehr Geld verdiente als jeder andere Seriendarsteller in Amerika. Gezahlt habe er noch bis zum Tage des Fernsehinterviews. „Das ist einer der Gründe für mich, hier zu sein“ sagte er. „Ich werde mich heute selbst aus diesem Gefängnis befreien.“

          Charlie Sheen hatte sich vor etwa vier Jahren in einem Krankenhaus in Los Angeles untersuchen lassen, weil er unter starken Kopfschmerzen litt und scheinbar grundlos in Schweiß ausbrach. Die Diagnose HIV zog ihm damals den Boden unter den Füßen weg. „Die drei Buchstaben waren schwer zu verdauen. Sie markierten einen Wendepunkt im Leben“, erinnerte sich der Fünfzigjährige nun. Tatsächlich war es um den selbsternannten „Bad Boy“ in den vergangenen Jahren ruhiger geworden. Handgreiflichkeiten im Kokainrausch schienen ebenso vorbei zu sein wie peinliche Tiraden über seine früheren Ehefrauen und das Zurschaustellen neuer Freundinnen, die Sheen bevorzugt in der Pornoindustrie rekrutierte. Auch sexuelle Ausschweifungen, durch die er laut „National Enquirer“ eventuell Partnerinnen ansteckte, gehörten nach der Diagnose angeblich der Vergangenheit ein.

          „Unmöglich, dass ich jemanden unwissentlich infizierte“

          Ob er nicht vielleicht doch, so fragte Moderator Lauer, unwissentlich andere infiziert habe? „Unmöglich, unmöglich“, versicherte Sheen. Wie sein Krisenmanager Howard Bragman mitteilte, bereitet sich der Schauspieler dennoch auf juristische Auseinandersetzungen vor. „Er muss damit rechnen, von früheren Liebhaberinnen verklagt zu werden“, sagte Bragman der Zeitschrift „People“. Sheens frühere Ehefrauen, die Immobilieninvestorin Brooke Mueller und das ehemalige „Bond Girl“ Denise Richards, hielten sich mit Schuldzuweisungen vorerst zurück. Beide sollen sich HIV-Tests unterzogen haben, nachdem Sheen ihnen kurz nach der Diagnose von seiner Infektion berichtete. Der Frage, wie er selbst sich ansteckte, wich der Schauspieler während des Interviews nach kurzem Zögern aus.

          Der Schauspieler, der einen dunklen Anzug zum weißen Hemd trug, gab sich ungewohnt kleinlaut. „Ich bin jetzt dafür verantwortlich, ein besserer Mensch zu werden und andere Menschen zu unterstützen“, sagte Sheen, der seit Jahren täglich Aids-Medikamente nimmt. Er wolle aber nicht Hollywoods Aushängeschild für HIV werden. „Ich werde weiter mit Filmen Geld verdienen“, kündigte der Schauspieler an. „Aber ich werde auch über das Virus sprechen.“

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