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Cathy Hummels sagt aus : Das Schicksal des Stoffelefanten bleibt ungeklärt

  • -Aktualisiert am

Mehrere Kamerateams erwarteten Cathy Hummels am Montagvormittag im Landgericht München I. Bild: dpa

Werbung oder keine Werbung? Das ist die Frage im Prozess um Cathy Hummels’ Instagram-Account, in dem die Influencerin nun selbst aussagte. Eine Antwort fand man derweil nicht.

          Cathy Hummels' Weg in den Sitzungssaal 601 des Münchner Landgerichts war am Montagvormittag ein beschwerlicher. Das lag aber weder an den hohen Absätzen der Einundreißigjährigen noch an ihrer Sorge vor der anstehenden Verhandlung – sondern vielmehr an den zahlreichen Kamerateams, die in der Eingangshalle bereits auf die Influencerin warteten. Ein Statement gab es trotzdem nicht. Hummels wehrte sich gegen die Abmahnungen des Verbands Sozialer Wettbewerb, der ihr vorwirft, auf ihrem Instagram-Account Produkte zu bewerben, dies aber nicht, wie gesetzlich vorgeschrieben, kenntlich gemacht zu haben. Der Verband streitet dabei mit einer Vielzahl von Influencern. Denn man ist sich zwar einig, dass Transparenz nötig ist, jedoch nicht darüber, was Werbung überhaupt ist. Der Verband und die Influencer beschäftigen daher seit knapp einem Jahr Gerichte im ganzen Land mit der Klärung.

          Julia Anton

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Die Antworten fielen bislang unterschiedlich aus, die Branche klagt über anhaltende Rechtsunsicherheit. Hummels Fall ist dabei aus zwei Gründen besonders interessant – ihre Ehe mit Mats Hummels gehört nicht dazu. Stattdessen erstens, dass sie ihr Verfahren um eine einstweilige Verfügung in ein sogenanntes Hauptsacheverfahren umgewandelt hat. Theoretisch ermöglicht ihr das einen Gang zum Bundesgerichtshof, den sie bislang nicht ausschließt. Zweitens, dass der Verband bei ihr nicht wie bislang erst die Verlinkung auf eine Marke, sondern in einem Post auch die bloße Erkennbarkeit des Herstellers kritisiert. Auf dem fraglichen Foto verdeckt Hummels das Gesicht ihres Sohnes mit einem Stoffelefanten, der eindeutig von Steiff hergestellt wurde. Das Stofftier war laut Hummels ein Geschenk von Verwandten.

          Das „Schicksal des Stoffelefanten“, wie es VSW-Anwalt Franz Burchert formulierte, bleibt nach der 45-minütigen Verhandlung jedoch weiter ungewiss. Das Verfahren wird schriftlich fortgesetzt, die Entscheidung soll dann Ende April fallen. Die im Fall Hummels Vorsitzende Richterin Monika Rhein machte an diesem Montag aber schon deutlich, dass sie eher der Argumentation von Hummels und ihren Kollegen folgt: Demnach zähle als Werbung, wenn der Influencer für den Post eine Gegenleistung wie Geld, ein Geschenk oder eine Einladung erhalten habe. Der Anwalt des Wettbewerbsverbands hingegen insistierte, dass es darauf nicht ankomme: Sowohl der Influencer als auch die verlinkten oder im Bild gezeigten Unternehmen profitierten schließlich auch ohne Vergütung von dem Post. Dementsprechend sei jeder Post zu kennzeichnen – eine Praxis, bezüglich derer die Richterin einige Bedenken äußerte.

          „Der zu schützende Verbraucher profitiert davon nicht. Der fragt sich schließlich: Findet die den Pulli wirklich gut oder bekommt die dafür Geld?“ Eine Dauerkennzeichnung suggeriere zudem Zusammenarbeiten, die tatsächlich gar nicht bestehen – und vielleicht auch nicht im Interesse der jeweiligen Unternehmen seien. So mutmaßte Rhein, dass die Umweltorganisation Greenpeace nicht für einen Partner der viel durch die Welt jettenden Hummels gehalten wollen würde. Bei 465.000 Followern sei zudem klar, dass das nicht alles persönliche Freunde seien, sondern das Profil einen kommerziellen Hintergrund habe.

          Gab es Gegenleistungen?

          Damit blieb für die Richterin also die Frage nach der Gegenleistung: Gab es eine für die Verlinkung von Miumiu? Nein, das sei alles selbst gekauft, so Hummels. Und für die Erwähnung des Gartensalons, wo Hummels eine Auktion veranstaltete? Auch nicht, man habe sie aber zur „Mitarbeiterin des Tages“ ernannt, erklärt die Influencerin. Ob das zähle? Eher nicht, findet die Richterin. Und warum Hummels überhaupt verlinke? Weil sie ohnehin gefragt werde, erklärt Hummels. Zeitschriften dürften das schließlich auch, sie selbst verstehe sich als „Frauenmagazin“ und wolle Followern mit der Verlinkung einen Mehrwert bieten.

          Die Beweislast ging für die Richterin nach der Befragung an den VSW zurück. Wenn dieser wolle, könne er nun Zeugen suchen, die beweisen, dass Hummels entgegen ihrer Angaben doch eine Gegenleistung für die Posts erhalten habe. Den Parteien bleiben nun erst einmal zwei Wochen für entsprechende Schriftsätze.

          Cathy Hummels und ihr Anwalt Christian-Oliver Moser zeigten sich nach der Verhandlung „zuversichtlich“, was das Urteil angeht. Der Vertreter des VSW äußerte sich sich entsprechend enttäuscht, dass das Münchener Landgericht der Argumentation seines Verbandes nicht folgte – „vielleicht sieht das Oberlandesgericht das aber anders“, sagte er. Den Weg zum BGH würde im Zweifel auch der VSW nutzen.

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