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Caroline von Monaco : Eleganz ist ein Verzicht

Oma Caroline: Ihre königliche Hoheit, die Prinzessin von Hannover, zeigt sich beim Nationalfeiertag von Monaco, dem 19. November 2016, im Kreise ihrer Kinder und Enkel. Bild: dpa

Caroline von Monaco wird 60 Jahre alt und zeigt sich ungewohnt offen. In einem Interview spricht sie mit der französischen „Vogue“ über ihr Leben als Fürstentochter und die Freundschaft zu Karl Lagerfeld.

          Frankreichs schönste Großmutter wird 60 Jahre alt – und öffnet sich. Kurz vor ihrem Ehrentag hat die Prinzessin aus Monaco, die seit 1999 den Titel Königliche Hoheit trägt, der französischen Ausgabe der „Vogue“ ein Interview gegeben. Das offenherzige Gespräch, das eine Ausnahme bildet, kommt einer Verneigung vor dem Modeschöpfer Karl Lagerfeld gleich, dem die Ausgabe der Modezeitschrift gewidmet ist.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Caroline von Hannover legt seit ihrer Kindheit im Fürstentum Monaco Wert auf private Unerreichbarkeit. Sie plaudert nicht gern über sich, und auch deshalb lesen sich diese persönlichen Betrachtungen wie verkürzte Memoiren. „Was soll ich Ihnen sagen“, meint sie, „es gibt so viele Leute, die zu viel reden, die plärren, da ist es vielleicht nicht übel, wenn sich andere in Stille üben, oder?“

          Schweigen als Abwehr

          Nun, Grund zum Plärren hätte sie gehabt, die Erstgeborene des Traumpaars vom Felsen, wie die Franzosen das winzige Fürstentum an der Côte d’Azur nennen. Sollte sie schon in der Wiege von den Eltern den Auftrag erhalten haben, die Saga der Grimaldi fortzuschreiben, dann hat sie ihn in den vergangenen sechs Jahrzehnten mehr als erfüllt. So viele Episoden Herz und Schmerz passen eigentlich nicht in ein Leben.

          Der zweite Ehemann, Stefano Casiraghi, starb bei einem Motorbootrennen - Bild aus dem Jahr 1986

          Dabei ist bemerkenswert, dass Caroline nie eine Stimme hatte, nur ein Gesicht, das über die Jahre zum vertrauten Begleiter geworden ist. Das Schweigen bezeichnet sie als Abwehr gegen diejenigen, die ihr, der Tochter der Ikone Grace Kelly und des monegassischen Fürsten Rainier, immer zu nahe getreten sind.

          Auch nach dem Studium keine Freiheit

          „Zu Tode fotografiert worden bin ich, auch ohne die Garbo zu sein“, sagt sie in „Vogue“. „Es gibt da einen großen Unterschied zur Garbo, denn ich hatte mir das nicht ausgesucht. Das war – ich will nicht von Schmerz reden, aber doch ein Unglück, eine Frustration, ich habe sogar Wut gefühlt. Wir waren damit bereits in sehr zartem Alter konfrontiert. Und wenn man das nicht mag, wenn man dafür nicht geschaffen ist, dann kann es einen verrückt machen festzustellen, dass sein eigenes Leben einem nicht gehört“, sagt sie. „Dann verteidigt man sich, indem man nicht spricht. Und man kultiviert andere Facetten seines Lebens. Das Äußere wird unerheblich, und das Innere entwickelt sich.“

          Sie wolle ihren Eltern keine Vorwürfe machen, sagt sie. Aber als Kinder seien sie „wie Accessoires“ einer perfekten Fürstenfamilie vorgeführt worden. Sie habe lange geglaubt, dass sie nur eine gewisse Zeit die Neugierde der Paparazzi und anderer ungebetener Eindringlinge ertragen müsse. „Meine Mutter sagte mir immer: Du wirst gehen, du wirst nicht mehr da sein.“ Ihr Bruder sei der Erbe, er müsse sich den Pflichten stellen. Sie habe geglaubt, sie könne schon im Studium ihre Freiheit zurückgewinnen. „Aber es kam nicht so.“

          Caroline altert anders als ihre Mutter Gracia Patricia

          Als Studentin am renommierten „Sciences Po“ in Paris verliebte sie sich in den 17 Jahre älteren Playboy Philippe Junot. Am 28. Juni 1980 heiratete sie den Lebemann gegen den Willen und trotz der Warnungen der Eltern. Zwei Jahre später ging die Ehe in die Brüche – und die Prinzessin zurück nach Monaco. Nur wenige Wochen nach ihrer Rückkehr verunglückte die Mutter bei einem Autounfall tödlich, Schwester Stéphanie überlebte wie durch ein Wunder und wurde nur leicht verletzt.

          Für Ehemann Nummer 3, Ernst August Prinz von Hannover, musste Caroline eine Menge Spott einstecken. Durch die Ehe erhielt sie allerdings auch den Titel „Königliche Hoheit“.

          Der frühe Unfalltod der Mutter, die nur 52 Jahre alt wurde, sollte Caroline prägen. Vor dem Altern hatte die bewunderte Mutter sich stets gefürchtet. Zu ihrem 40. Geburtstag begrüßte Gracia Patricia ihre Gäste spöttisch: „Oh, meine Lieben, haben Sie es schon gehört? Der grauenhafteste Tag aller Zeiten steht bevor!“ Die Fürstin fügte hinzu: „Ich finde es erbärmlich, 40 zu werden. Für eine Frau ist das eine Qual, das Ende...“ Caroline aber wirkt, als beherzige sie das Bonmot Victor Hugos von der „Jugend des Alters“. „Sie war noch nie so gelassen und glücklich“, jubelte jetzt das französische Magazin „Jours de France“.

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