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Carlos Ghosn : Ehemaliger Elitesoldat gesteht Hilfe bei spektakulärer Flucht

  • Aktualisiert am

Der Bus, in dem wohl Michael T. und sein Sohn Peter sitzen, biegt in die Auffahrt zum Gericht in Tokio ein. Bild: AFP

Ein Amerikaner und sein Sohn haben gestanden, dem einstigen Automanager bei seiner Koffer-Flucht geholfen zu haben – gesponsert durch einen Millionenbetrag der Ghosn-Familie. Jetzt drohen ihnen bis zu drei Jahre Haft in Japan.

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          Zwei Komplizen von Carlos Ghosn haben vor Gericht ihre Mittäterschaft an der spektakulären Flucht des Automanagers aus Japan eingestanden. Die beiden US-Bürger, Vater und Sohn, sagten am Montag vor dem Bezirksgericht in Tokio, sie bestritten die ihnen zur Last gelegten Vorwürfe nicht. Sie äußerten sich, nachdem ihnen die Anklage verlesen worden war. „Gibt es irgendeinen Fehler in dem, was der Staatsanwalt eben vorgetragen hat?", fragte der Richter die Angeklagten einzeln nach der Verlesung der Anklage. Beide Männer antworteten mit nein.

          Der 60-jährige Michael T. und sein 28-jähriger Sohn Peter sollen Ghosn die Flucht ermöglicht und auch den Fluchtplan ausgeheckt haben. Ihnen drohen bei einer Verurteilung wegen Fluchthilfe bis zu drei Jahre Haft.

          Bei Michael T. handelt es sich um einen früheren Elitesoldaten der US-Armee, der im Bereich der privaten Sicherheitsdienstleistungen tätig ist. Er soll nach Angaben der US-Staatsanwaltschaft mehrfach nach Japan gereist und sich dort mindestens sieben Mal mit Ghosn getroffen haben.

          Sein Sohn Peter soll japanischen Medien zufolge 144 Millionen Yen (knapp 1,1 Millionen Euro) von der Ghosn-Familie für die Flucht-Hilfe erhalten haben. Das meiste Geld ging demnach für die Vorbereitungen der Flucht drauf, darunter für den Privatjet. Die Angeklagten bestritten, konkret für ihre Hilfe bezahlt worden zu sein.

          „Vielleicht ist da eine junge Frau drin“

          Das Gericht führte erneut die Details der spektakulären Flucht aus – wie Ghosn in dem für Musikausrüstung gedachten Koffer versteckt wurde, in den Löcher gebohrt waren, damit er Luft bekam. Wie die drei Fluchthelfer sich als Musiker ausgaben und damit die Gepäckkontrolle am Flughafen überlisteten. Und wie ein Mitarbeiter des Flughafenpersonals beim Gewicht des Koffers noch scherzte: „Vielleicht ist da eine junge Frau drin.“

          Carlos Ghosn in Beirut auf dem Weg zu einem Interview im Mai diesen Jahres
          Carlos Ghosn in Beirut auf dem Weg zu einem Interview im Mai diesen Jahres : Bild: AP

          Ghosn war Ende 2019 versteckt an Bord eines Privatjets von Osaka nach Istanbul geflogen und von dort dann weiter nach Beirut. Der Manager hat auch die libanesische Staatsbürgerschaft. Er hält sich weiter im Libanon auf und darf das Land nicht verlassen. Der Libanon liefert seine Staatsbürger nicht aus, weshalb die japanische Justiz keinen Zugriff auf ihn hat.

          Ende Februar hatte bereits ein Gericht in Istanbul drei türkische Staatsbürger wegen Verschwörung zum Schmuggel eines Migranten zu mehreren Jahren Haft verurteilt. Unter ihnen waren auch die beiden Piloten, die die Maschine mit Ghosn an Bord nach Istanbul geflogen haben sollen.

          Die beiden mutmaßlichen Fluchthelfer aus den USA, von Japan per Haftbefehl gesucht, waren im Mai 2020 in den USA festgenommen und Anfang März nach Japan ausgeliefert worden. Nach einem dritten mutmaßlichen Fluchthelfer aus dem Libanon wird weiterhin gefahndet.

          Ghosn war im November 2018 in Japan festgenommen worden. Die Justiz wirft ihm unter anderem vor, private Verluste auf den Autohersteller Nissan übertragen zu haben, der mit dem französischen Autobauer Renault verbündet ist, sowie Firmenkapital zweckentfremdet zu haben.

          Auch in Frankreich laufen Ermittlungen gegen Ghosn. Dabei geht es unter anderem um die möglicherweise illegale Finanzierung zweier rauschender Feste auf Schloss Versailles.

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