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Carla Bruni im Interview : „Ich bin wahnsinnig nostalgisch“

  • -Aktualisiert am

Auf Tournee: Carla Bruni – hier bei einem Konzert im Juni in New York – tritt am 6. Dezember in Frankfurt und im März in Berlin und Hamburg auf. Bild: AFP

Carla Bruni blickt gerne zurück und liebt die Erinnerung an ihre Zeit als Model. Im Interview spricht sie außerdem über ihren Mann Nicolas Sarkozy – und ihre neue Platte.

          Montagnachmittag im 16. Arrondissement von Paris. Carla Bruni – Topmodel, Sängerin, ehemalige Première Dame – sitzt in der hintersten Ecke des Café Le Murat an der Porte d’Auteuil, wenige Meter von den leeren Plätzen von Roland Garros entfernt. Das Café ist in samtigem Rot gehalten, sie trägt ein braunes T-Shirt zu grauer Hose. Madame, die nicht Madame genannt werden möchte, legt ihr Buch („La Chatte“ von Colette) zur Seite, zieht einmal fest an ihrer blubbernden E-Zigarette, lächelt etwas verschlafen und haucht: „Bonjour!“

          Madame Bruni, im September standen sie gemeinsam mit ihren ehemaligen Kolleginnen Naomi Campbell, Claudia Schiffer, Helena Christensen und Cindy Crawford, den Topmodels der Neunziger, in Mailand auf dem Laufsteg, um des Todes von Gianni Versace zu gedenken. Wie war das für sie, nach so vielen Jahren, mit dieser Crew?

          Sie können es sich wahrscheinlich denken: Es war wahnsinnig bewegend und es war so wie mit der Madelaine bei Proust: eine kleine Zeitreise, zurück zu Gianni.

          Sie standen sich nahe?

          Sehr. Er stand all seinen Mädchen nahe. Man könnte sogar sagen, er hat mich entdeckt. Als er mich für seine erste Show buchte, da kannte mich keiner, ich hatte drei mickrige Fotos in meinem Book und noch keinen Erfolg. Ich habe ihn sofort gemocht – ihn und seine ganze Familie.

          Deshalb haben sie auch sofort eingewilligt, als Donatella sie fragte?

          Natürlich, sofort. Wir haben wohl alle sofort zugestimmt, auch wenn natürlich nicht alle da sein konnten. Es fehlten einige aus „Giannis Stall“, wie man sagt.

          Sagt man das?

          Naja, nein, aber ich würde es so sagen. Wir waren eine Familie.

          Gedenken an Gianni: Carla Bruni, Claudia Schiffer, Naomi Campbell, Cindy Crawford und Helena Christensen (von links) traten im September für Versace auf.

          Sie haben vor fast 20 Jahren aufgehört, professionell zu modeln. War es nicht komisch, wieder in einem goldenen Kleid über den Versace-Laufsteg zu stolzieren?

          Ja, sehr komisch. Aber auch sehr schön, wir waren ja unter uns. Einige der Mädchen hatte ich seit Jahren nicht gesehen, Cindy Crawford seit 25 Jahren! Deshalb war diese Hommage an Gianni natürlich auch mit viel Nostalgie verbunden. Als Donatella sagte „Gianni, this is for you“ und plötzlich George Michael erklang, der ja schon seit Jahren tot ist, da wurde mir klar, dass diese Episode, diese Zeit meines Lebens jetzt wirklich hinter mir liegt.

          Wie blicken sie heute auf die Modewelt?

          Ich gehöre dazu. Die Mode ist meine Welt. Ich habe sie nie verlassen.

          Aber hat sich diese Welt nicht wahnsinnig geändert?

          Doch, doch. Aber die Familien der Mode nicht, es sind noch immer die gleichen.

          Carla Bruni im Oktober 2016 bei einer Wahlkampfveranstaltung mit ihrem Ehemann Nicolas Sarkozy

          Wenn man sich Videos von früher ansieht, als Sie zum Beispiel 26 Jahre alt sind, dann hat man das Gefühl, dass sie nach etwas anderem suchen, naiv gesagt: nach etwas mit Tiefgang. War das also gar nicht so?

          Nein, ich glaube nicht. Man sagt immer über die Mode, sie sei oberflächlich, aber die Beziehungen, die man durch sie knüpft, sind es nicht. Es geht ja um Menschen. Ich halte mich gerne an Karl Lagerfeld, der sagt: „La mode, c’est pas moral, c’est pas amoral, c’est pour remonter le moral!“ Mode ist dazu da, gute Laune zu verbreiten, die Leute glücklich zu machen, mehr nicht. Sie gibt übrigens auch nicht vor mehr zu sein, sie ist flüchtig. Keiner behauptet, das sei Kunst – auch wenn sie mittlerweile im Museum ausgestellt wird.

          Etwa in den beiden neuen Yves-Saint-Laurent-Museen hier in Paris und in Marrakesch.

          Genau. Ich freue mich sehr darüber.

          Sie haben mit etwa 30 Jahren aufgehört, weil Sie, so steht es in einem Artikel in der französischen „Vanity Fair“, keine Lust hatten, durch ein 15 Jahre jüngeres Mädchen ausgetauscht zu werden.

          Irgendwann liefen sehr viele sehr viel jüngere Mädchen mit uns mit. Da wusste ich, dass ich aufhören musste.

          Sie machen ja kein Hehl daraus, dass sie es furchtbar finden zu altern.

          Wer denn nicht?

          Viele Frauen, vor allem berühmte Frauen, behaupten, sie hätten damit überhaupt kein Problem.

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