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Unternehmer und Mäzen : Carl Herzog von Württemberg gestorben

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Baden-Württemberg, Altshausen: Carl Herzog von Württemberg sitzt beim Jahresempfang in der Galerie des Schlosses. Nun ist er im Alter von 85 Jahren gestorben. Bild: dpa

Dass seine Familie zu den Namensgebern des Bundeslandes zählt, erfüllte ihn mit Stolz. Nach langer Krankheit ist er nun im Alter von 85 Jahren in Ravensburg gestorben.

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          Carl Herzog von Württemberg galt als geschickter Unternehmer und hartnäckiger Spendensammler mit engsten Verbindungen in Wirtschaft, Politik, Kultur und Kirche. In den vergangenen Jahren wurde es allerdings ruhiger um den Chef des Hauses Württemberg – nach dem Unfalltod seines Sohnes Friedrich im Mai 2018 hatte er sich fast ganz aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

          Nun starb Carl Herzog von Württemberg am Dienstag – nach langer Krankheit, aber doch überraschend – im Alter von 85 Jahren in einer Klinik in Ravensburg, wie sein persönlicher Referent sagte. Er sei nur fünf Tage in der Klinik gewesen und habe davor zu Hause gelebt.

          Familie ist stolzer Namensgeber des Bundeslandes

          Der Verstorbene hinterlässt seine Frau, Diane Herzogin von Württemberg, und fünf Kinder. Baden-Württembergs stellvertretender Ministerpräsident Thomas Strobl (CDU) teilte am Dienstag mit, das Oberhaupt des Hauses Württemberg habe tiefe Spuren hinterlassen, die bleiben werden. „Seine Freundlichkeit, seine Liebenswürdigkeit, seine Zugewandtheit, seine Menschlichkeit und seine Klugheit werden uns in Erinnerung bleiben.“

          Carl Herzog von Württemberg stammte aus der katholischen Linie eines der ältesten früher regierenden Adelshäuser im deutschsprachigen Raum. Bis zur Auflösung der Monarchie nach dem Ersten Weltkrieg herrschte das Adelsgeschlecht über große Gebiete Südwestdeutschlands. 1918 dankte König Wilhelm II. ab und nahm den Titel eines Herzogs zu Württemberg an – als Bestandteil ihres Namens tragen seine Nachkommen ihn noch heute, wie ein Sprecher des Hauses Württemberg erklärte.

          Dass seine Familie damit auch zu den Namensgebern des Bundeslandes zählt, erfülle ihn mit Stolz, sagte Carl von Württemberg einmal der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Den Adelstitel empfand er jedoch nicht nur als Privileg. „Das Besondere ist, dass ich eine viel größere Verpflichtung habe, als wenn ich Müller heißen würde.“ Er trat daher in zahllosen Bereichen für das Gemeinwohl ein. „Man muss da sein für die Bevölkerung und helfen, wo Not am Mann ist.“

          Diskussionsstoff lieferte immer wieder ein Ausspruch Carl von Württembergs zur Monarchie: „Die Monarchie scheint für mich immer noch die beste Staatsform zu sein“, sagte er kurz vor seinem 70. Geburtstag im Jahr 2006 der „Stuttgarter Zeitung“. „In meinen Augen ist ein Monarch weit weniger abhängig als ein aus der Politik nach oben gekommener Repräsentant des Staates.“ Ein auf Lebenszeit agierender Monarch könne mehr gestalten als ein auf Zeit gewählter Politiker. Er selbst strebte jedoch nie ein politisches Amt an. „Ich wollte mir immer meine Unabhängigkeit bewahren“, sagte er der dpa.

          Nachfolger als Chef des Hauses ist Enkel Herzog Wilhelm

          Geboren wurde Carl von Württemberg am 1. August 1936 in Friedrichshafen am Bodensee als Sohn von Philipp Albrecht Herzog von Württemberg und Rosa Erzherzogin von Österreich. Er studierte Jura an der Universität in Tübingen, die sein Vorfahr Graf Eberhard im Bart 1477 gegründet hatte. Anschließend trat er in die Verwaltung des Familienbesitzes ein, der sogenannten Hofkammer. Nach dem Tod des Vaters 1975 wurde er Chef des Adelshauses und zog der Tradition gemäß ins oberschwäbische Altshausen im Kreis Ravensburg.

          An der Spitze der Hofkammer hatte sich der Herzog als Modernisierer einen Namen gemacht. Sie wird heute wie eine Holding geführt und umfasst auch Firmenbeteiligungen und Immobilien. Verheiratet war er seit 1960 mit Diane Prinzessin von Frankreich, Tochter des Grafen Henri von Paris. Seine Frau ist Malerin und Bildhauerin. Ihre Werke schmücken unter anderem den Schlosspark.

          2018 erlebte Carl von Württemberg einen schweren Schicksalsschlag: Sein ältester Sohn Friedrich, der nur zehn Jahre zuvor die Leitung der Hofkammer übernommen hatte, starb mit 56 Jahren bei einem Autounfall. Rund 2000 Trauergäste – darunter König Philipp und Königin Mathilde von Belgien – nahmen bei einer Messe im Schloss Altshausen von ihm Abschied. Seiner Familie sei ein unfassbares Unglück geschehen, sagte der Herzog bei einem Neujahrsempfang auf Schloss Altshausen noch im Januar 2020. Er betonte aber auch: „Der Zuspruch, den meine ganze Familie und ich im Mai 2018 erfahren konnten, war so berührend.“

          Bei dem Empfang gab Carl von Württemberg zudem bekannt, dass er sich aus dem aktuellen Tagesgeschäft seines Adelshauses zurückziehe und seinen Sohn Michael zum Jahresbeginn in die Direktion der Hofkammer berufen habe. „Ich selbst bin gesundheitlich nicht mehr in der stabilen Verfassung, mich allen unternehmerischen Themen der Hofkammer zu widmen“, sagte er. Derzeit leitet Herzog Michael die Hofkammer – also die private Verwaltung des Hauses Württemberg – gemeinsam mit deren Präsident Henrik Lingenhölin.

          Nachfolger als Chef des Hauses ist nun der älteste Enkel Herzog Wilhelm – der Sohn Friedrichs. Wilhelm sollte bis 2020 noch in Großbritannien studieren und dann zunächst außerhalb der Familie Berufserfahrung sammeln.

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