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Auftritt vor Gericht : Bushidos Album weiter auf dem Index

Weiß wie die Unschuld: Bushido mit Personenschützern der Polizei im Gericht in Leipzig. Bild: dpa

Bushido kämpfte vor Gericht vergeblich gegen die Indizierung eines Albums, auf dem er Polizisten „Drecksbullen“ nennt. Zur Verhandlung in Leipzig erschien er persönlich – mit Personenschützern der Polizei.

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          Der deutsche Rechtsstaat muss einiges ertragen: Zum Beispiel einem Rapper Polizeischutz zu geben, während der vor Gericht dafür kämpft, Polizisten „Drecksbulle“ nennen zu dürfen. Das Bundesverwaltungsgericht verhandelte am Mittwoch in Leipzig über das Album „Sonny Black“ des Berliner Rappers Bushido, das seit 2015 nicht an Jugendliche verkauft werden darf. Laut der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien wird darauf Gewalt und ein krimineller Lebensstil verherrlicht. Bushido erschien zu der Verhandlung ganz in Weiß gekleidet, umringt von Personenschützern der Polizei.

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Der Rapper steht seit Monaten unter Polizeischutz, weil er von seinem ehemaligen Geschäftspartner, dem Clanchef Arafat Abou-Chaker, bedroht worden sein soll. Gegen Abou-Chaker wurde kürzlich Anklage erhoben, Bushido feierte dagegen sein musikalisches Comeback und provoziert schon wieder andere Rapper.

          Auf dem Album „Sonny Black“ beschimpfte er 2014 Frauen, Homosexuelle und Prominente, aber auch Polizisten: „Du Schwuchtel wirst hier ausradiert / Du Drecksbulle bist außer dir“. Das Oberverwaltungsgericht Münster hatte in einem Berufungsverfahren entschieden, die Bundesprüfstelle habe nicht sorgfältig genug zwischen Jugendschutz und Kunstfreiheit abgewogen, und es verpasst, Künstler anzuhören, die am Album mitgewirkt hatten. Das Bundesverwaltungsgericht verkündete am Abend aber, dass die Indizierung der Platte rechtens war.

          Marc Urlen vom Deutschen Jugendinstitut hält Indizierungen im digitalen Zeitalter für wirkungslos, weil alle Lieder sowieso im Internet zu finden sind. Statt vorzugeben, was für Kinder und Jugendliche geeignet ist, fordert er mehr Medienkompetenz. „Kinder und Jugendliche müssen von klein auf lernen, mit Angeboten der Medien kritisch umzugehen“, sagte Urlen.

          Eine schöne Übung wäre vielleicht die Frage: Was ist ein Rapper, der unter Polizeischutz dafür kämpft, Lieder mit folgenden Zeilen verkaufen zu dürfen: „Leg dich mit mir an, dann landest du im Zeugenschutzprogramm“? A: Ein Gangster. B: Eine Witzfigur.

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